Vahldorf l Es waren keine schwarzen Rauchwolken über dem Mittellandkanal zu sehen, keine Flammen schlugen aus dem riesigen Gebäude der Magdeburger Getreide GmbH und doch war die Einsatzlage für die Feuerwehren gefährlich. Grund: Mehrere Container, gefüllt mit Getreidestaub, hatten sich im Inneren des Gebäudes entzündet, es bestand Explosionsgefahr.

„Es handelt sich um eine sehr komplexe Einsatzlage“, sagte Einsatzleiter Martin Kutscha der Feuerwehr Groß Ammensleben vor Ort. Insgesamt 30 Einsatzkräfte der Feuerwehren Groß Ammensleben, Dahlenwarsleben, Gutenswegen und Haldensleben waren zu dem Großeinsatz ausgerückt. Sie harrten in ihrer dunklen Einsatzbekleidung mehrere Stunden in Vahldorf aus.

Schwierige Einsatzlage

In dem Gebäude des Landhandelunternehmens sind auf mehreren Etagen riesige Container untergebracht, in denen Staub gelagert wird. Einer davon entzündete sich, auf drei Etagen brannten Container. Wie es zu der Entzündung gekommen ist, ist unklar. „Die kleinste Reibung reicht aus, um die Staubkörner zu entzünden“, erklärte Kutscha.

Bilder

Aufgrund der Trockenheit des Materials ist ein solcher Brand für die Einsatzkräfte nur schwer zu löschen. Der Vorteil an den Containern ist, dass sie hermetisch abgeriegelt sind und somit keine Flammen nach außen dringen. Einer der Container, in dem das Material bereits unkontrolliert brannte, wurde vom System abgekoppelt, aus dem Gebäude herausbefördert und im Außengelände mit Wasser vollgepumpt. Als die Kameraden den Container öffneten, stiegen Rauchwolken aus der Staubmasse – trotz der vorher eingelassenen Wassermassen.

Temperaturen bis zu 200 Grad Celsius

Die anderen Container konnten aufgrund der Explosionsgefahr nicht aus dem Gebäude gehoben werden. Eine Wärmebildkamera zeigte das Ausmaß des Brandes: In den Containern herrschten Temperaturen zwischen 150 und 200 Grad Celsius – zu gefährlich für die Einsatzkräfte.

„Wir mussten hier kreativ werden und haben zwei Alternativen parat“, beschrieb der Einsatzleiter die Lage. Die erste Idee: Die Container werden leer gefahren, um die Explosionsgefahr zu verringern. Dafür standen Förderbänder bereit, die jedoch teils aus Kunststoff bestehen. Problem: Das heiße Material könnte diese funktionsunfähig machen.

Extrembedingungen für Einsatzkräfte

Die zweite Idee: Die Kameraden entleeren die Container händisch. Dafür standen bereits riesige Säcke bereit, die die Einsatzkräfte mit dem entzündlichen Staub gefüllt, mit dem Drehleiterfahrzeug abtransportiert und auf dem Außengelände gelöscht hätten. Auch diese Variante hatte es in sich – die Einsatzkräfte arbeiten unter schwersten Bedingungen.

Am späten Nachmittag war ein menschliches Eingreifen nötig. Dafür forderte der Einsatzleiter zehn weitere Personen an. Denn: Unter den extremen Bedingungen können die Einsatzkräfte nur zehn Minuten arbeiten, dann muss gewechselt werden. „Es ist stockdunkel und es gibt keine Lüftungsöffnungen. Die Kameraden arbeiten unter Atemschutz und müssen körperliche Schwerstarbeit leisten“, erklärte Martin Kutscha. Wie schwer die Schäden am Gebäude sind, ist noch unklar.