Wedringen l Der Info-Abend zum geplanten Bau der B 71 n Ortsumgehung Wedringen, der am Montag im Dorfgemeinschaftshaus des Haldensleber Ortsteils stattfand, war Balsam für die Seelen der verkehrsgeplagten Wedringer. Sie wissen nun, dass es mit der Ortsumgehung vorwärts geht – wenngleich sie auf das endgültige Ergebnis noch gut fünf Jahren warten müssen.

Das Landesverwaltungsamt hatte das Planfeststellungsverfahren zum 19. April abgeschlossen und den Beschluss öffentlich ausgelegt. Die Klagefrist dazu ist per 20. Juli abgelaufen. „Es gibt die Klage einer Privatperson“, informiert Klaus-Jürgen Reuter vom Landesverkehrsministerium, beruhigt die Wedringer aber zugleich: „Diese Klage hat keine aufschiebende Wirkung, das Baurecht ist vollziehbar. Weitere Klagen liegen nicht vor.“

Nach Reuters Worten hat Landesverkehrsminister Thomas Webel bereits das Bundesverkehsministerium über das vorliegende Baurecht informiert und um die Bereitstellung der finanziellen Mittel gebeten. Gut 46 Millionen Euro sollen im Zuge der Ortsumgehung verbaut werden. „In der Regel stellt der Bund das Geld schnell zur Verfügung“, so Reuters Erfahrungen.

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Die Vorbereitungen für den Bau der Ortsumgehung sind mittlerweile angelaufen. Beispielsweise das dafür notwendige Flurbereinigungsverfahren. „Das ist heute eingeleitet worden“, berichtet Andreas Boehle von der Landesstraßenbaubehörde (LSBB). Bei ihm laufen die Fäden für das Bauvorhaben zusammen. „Ich werde das Projekt auch künftig begleiten“, stellt er sich den Wedringern weiterhin als Ansprechpartner zu Verfügung. Boehle verweist in diesem Zusammenhang gleich auf einen wichtigen Termin: Am 21. September soll im Dorfgemeinschaftshaus die Vorstandswahl für das Flurbereinigungsverfahren stattfinden.

Vierspuriger Ausbau in Haldensleben

Der Fachbereichsleiter Planung und Entwurf für den Regionalbereich Mitte der LSBB hat den Wedringern am Montag auch den weiteren Zeitplan vorgestellt. Zunächst soll der 1,1 Kilometer lange Abschnitt der B 71 von der sogenannten Otto-Kreuzung in Haldensleben bis zur Beberbrücke vor Wedringen vierspurig ausgebaut werden. Im Zuge dieser Arbeiten wird die Brücke über die ehemalige „Kanonenbahn“ zurückgebaut, so dass die neue Ausbaustrecke plangleich entsteht. Für diesen Ausbau ist auch der Bau einer temporären Straße vorgesehen, die den Verkehr an der Baustelle vorbeiführen soll. Laut Boehle sollen die Bauarbeiten im 2. Quartal 2018 beginnen.

Ein Jahr später soll der Neubau der eigentliche Umgehung starten. Die 3,2 Kilometer lange Trasse wird hinter der Beber nach Süden schwenken, mit einer Brücke die Kreisstraße nach Althaldensleben überqueren, dann nach Westen verschwenken und parallel zur Eisenbahnstrecke Magdeburg-Haldensleben und zum Mittellandkanal verlaufen. Dabei wird die Trasse unter dem Wirtschaftsweg, der direkt an die Straße Zum Kanal anschließt, entlang geführt.

Die Wiederanbindung an die bestehende B 71 soll in Höhe des wilden Feldküchen-Parkplatzes zwischen Wedringen und Vahldorf erfolgen. Der Neubau werde dreispurig erfolgen. „Somit besteht zwischen den Knotenpunkten Althaldensleben und Vahldorf die Möglichkeit des wechselseitigen Überholens“, erklärt Boehle. Insgesamt entstehen im Zuge der B 71 n auch sieben neue Brückenbauwerke. Wenn es bei diesem Zeitplan bleiben sollte, „dann kann die Verkehrsfreigabe für die Umgehung im Juni 2021 erfolgen“, ist er überzeugt.

Wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass die geforderten landschaftspflegerischen Ausgleichsmaßnahmen vor Baubeginn erledigt sind. Sie sind unter anderem notwendig, um bestimmte Vogelarten zu schützen.

Auch das Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie hat im Vorfeld der Bauarbeiten noch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Die Archäologen werden ab dem zweiten Halbjahr 2017 auf einer Breite von vier Metern im Bereich des Trassenverlaufs Grabungen vornehmen.

Neuer Radweg zwischen Wedringen und Vahldorf

„Wir bauen zunächst 3,2 der insgesamt 3,7 Kilometer langen Strecke, da noch nicht genau geklärt ist, wie der weitere Streckenverlauf der B 71 n im Bereich von Vahldorf aussehen wird“, macht Andreas Boehle deutlich. Als letzte Baumaßnahme werde ein 2,6 Kilometer langer Radweg zwischen Wedringen und Vahldorf gebaut.

Lärmschutzmaßnahmen, so erklärt er auf Nachfrage, werde es nicht geben. „Wir bleiben unter den Grenzwerten. In solchem Fall dürfen wir keine zusätzlichen Lärmschutzmaßnahmen vornehmen.“

Zudem versichert Andreas Böhle, auch die geplante B 245 n Ortsumgehung Haldensleben im Auge zu behalten, die in Höhe der ehemaligen Kanaonenbahn auf die B 71 geführt werden soll. Es werde, wenn die Planungen dafür so weit sind, beim Ausbau der B 71 ein entsprechender Knotenpunkt vorbereitet werden, antwortet er auf die entsprechende Frage des Haldenslebers Klaus Dieter Albrecht. „Ich werde das genau verfolgen. Wenn das dort nicht so gebaut wird, dann werde ich per einstweiliger Verfügung einen Baustopp veranlassen“, kündigt er an. Schließlich gehe es dabei um Millionen Euro Steuergelder.