Haldensleben l Dennis Hampel befindet sich in einer Notlage. Der Haldensleber Reiseunternehmer musste alle Reisen für die nächsten Monate absagen, die Existenz seines Familienbetriebs steht auf dem Spiel. Das muss man wissen, wenn man verstehen will, wieso Hampel die Zinsen der Kreditangebote als „Frechheit“ bezeichnet, die man ihm derzeit vorschlage. Kreditverträge mit knapp zehn Prozent Zinsen würden ihm derzeit unterbreitet. „Auch von namenhaften Geldinstituten“, betont er.

„Aber wir haben auch ganz viel Zuspruch“, bekräftigt seine Frau Gabriele Hampel. Viele Kunden hätten Verständnis für ihre derzeitige Situation. Zusammenhalten wollten sie jetzt. Das Unternehmen hat 15 Beschäftigte, die Hampels wollen niemanden entlassen, sie haben nun vorerst Kurzarbeit beantragt. Und sie hoffen auf staatliche Unterstützung. Sollte die entgegen aktueller Signale der Bundesregierung am Ende doch nicht kommen, wäre es wohl bald vorbei mit dem Familienunternehmen. „Ein paar Monate können wir überbrücken“, sagt Hampel, „dann wird es eng“. Aktuell konzentrieren sie ihr Reisegeschäft auf das zweite Halbjahr – mit der Hoffnung, dass die Krise dann vorbei ist.

Gedrückt ist die Stimmung auch bei anderen Geschäftsleuten in Haldensleben. Das berichtet Citymanager Reinhard Schreiber. Er war in den vergangenen Tagen in der Stadt unterwegs und verteilte die Notfallhotline der Industrie- und Handelskammer. Er steht in ständigem Kontakt zu den Händlern. „Die Stimmung ist sehr gedrückt. Die Schließungen sind tödlich“, sagt er. Einige Händler werde diese Zeit hart treffen, das Personal erst recht.

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Ähnliches berichtet Unternehmer Stefan Oldenburg, der Vorsitzende des Vereins „Wir für euch“, in dem viele Haldensleber Händler organisiert sind. „Für einige Händler könnte die Situation wirklich schwierig werden“, sagt er. Wichtig sei, dass schnell Überbrückungsgelder von der Bundesregierung freigegeben werden – nicht nur für große Firmen, sondern auch für Ein-Mann-Unternehmen. Er bange selbst um seine Firma, die Fliesenlegerei und Badgestaltung anbietet. „Die Handwerker können noch arbeiten. Aber das bringt mir nichts, wenn in den kommenden Tagen keine Ware mehr geliefert wird“, sagt er.

Buchhandlung schließt freiwillig

Weiterarbeiten darf eigentlich auch Ursula Fricke. Sie muss ihren Buchladen in der Hagenstraße laut Verordnung der Landesregierung nicht schließen. Und sie tut es doch, auf unbestimmte Zeit. „Diese Entscheidung ist mir außerordentlich schwer gefallen“, ist auf einem Zettel an ihrer Ladentür zu lesen, „aber ich habe sie getroffen zum Schutz meiner Kunden und Mitarbeiter“. Weil es Fricke nicht untersagt ist, ihren Laden zu öffnen, sind ihre Aussichten auf staatliche Unterstützung eher schlecht. Gleichzeitig haben viele Menschen, die nun wie von der Politik angemahnt zu Hause bleiben, Zeit zum Bücher lesen.

Doch Fricke sieht es so: Man müsse sich jetzt fragen, was wichtig ist. Und am wichtigsten sei ihr derzeit die Gesundheit. Wirtschaftlich sei das für sie „natürlich ein Fiasko“, betont die Buchhändlerin, trotz ihres Onlinehandels über die Webseite. Sie betont aber auch: „Nach einer Pause möchte ich weitermachen, mit gesunden Mitarbeitern“.

Nur wenige Meter entfernt von Frickes Buchladen befindet sich das „Barbier Haus“. Kunden sind bei einem Besuch des Männerfriseurs gestern Nachmittag nicht anzutreffen, dafür aber ein Mitarbeiter, der seinen Mundschutz zeigt und berichtet, dass er Angst habe, sich bei Kunden mit dem Coronavirus anzustecken. Friseure müssen laut der Landesverordnung nicht schließen. Trotzdem sei diese Krise für sie gerade eine „Katastrophe“, sagt der Mitarbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Es gebe kaum Kundschaft. Ob der Laden in den kommenden Wochen offen bleiben werde, sei unklar, sagt der Barbier.

Geschlossen hat auch die Parfümerie „Flair“ in der Hagenstraße. Die Filialleiterin Annika Staniul hatte schon am Dienstag betont, sie habe für diesen Schritt in der derzeitigen Situation Verständnis. Der Laden bietet auch Kosmetikbehandlungen an. Bis zum 30. April ist er nun geschlossen.

Groß sind die Sorgen auch bei Karin Niemann, der Inhaberin von „Karins Boutique“ am Marktplatz. Wie alle anderen Bekleidungsgeschäfte muss sie bis zum 20. April schließen. Gerade steht die Frühjahrskollektion im Laden. Sollte ihr Geschäft im April tatsächlich wieder öffnen, werde es schwierig, die Frühjahrsmode noch loszuwerden, sagt sie. „Das ist wirtschaftlich ein sehr schwerer Einschnitt“, betont Niemann. Wenn sie noch länger schließen müsse, etwa ein Vierteljahr, würde es für ihr Geschäft existenzbedrohend, berichtet die Geschäftsfrau.