Uhrsleben l Das Freiwillig im Namen freiwillige Feuerwehr sagt es eigentlich schon aus. Die Kameraden dieser Wehren leisten für ihre Mitbürger im Ernstfall Hilfe, egal ob bei Brand, Havarie oder Verkehrsunfall. Es muss oft schnell gehen, jeder muss trotzdem besonnen bleiben. Wie geht das in Coronazeiten mit all den Auflagen und hygienischen Standards?

„Ich habe zum Schutz aller Kameraden bereits am 14. März Mundschutzmasken (normale dreilagige OP-Masken) besorgt. Diese Mundschutzmasken werden aktuell im Alarmfall von allen Kameraden getragen“, berichtet Christoph Karschunke, Wehrleiter der Uhrsleber Feuerwehr. Diese ist bei Einsätzen auf der Autobahn 2 in der Verbandsgemeinde Flechtingen immer gefordert.

Aber schon beim Atemschutz wird das schwierig, müssen Ausnahmen gelten. Bei Bränden arbeiten die Feuerwehrleute unter Atemschutz. Auch bei möglichen Tragehilfen und der Rettung von Personen, die unter Quarantäne stehen beziehungsweise positiv getestet sind, gelten besondere Regeln.

Hier wird beim Alarm aktuell im Nordbereich der Verbandsgemeinde Flechtingen der Gerätewagen Logistik (GW-L) aus Calvörde und im Südbereich der GW-L aus Eimersleben mitalarmiert. Beide Fahrzeuge wurden mit Schutzmasken der Klasse ffp3 ausgerüstet.

Die „normalen“ Mundschutzmasken sind keine Vorschrift der Verbandsgemeinde. „Um hier nochmals vorzubeugen, haben wir die Mundschutzmasken entsprechend zusätzlich angeschafft“, sagt Christoph Karschunke, „wir wollen damit uns selbst, aber auch Personal wie Rettungsdienst, Polizei, Abschlepp­unternehmen, Zeugen, Beteiligte oder ,normale‘ Patienten schützen.“

Die 1,5 bis 2 Meter Abstände der Kameraden untereinander im Gerätehaus beim Umziehen und im Fahrzeug nicht einzuhalten. Im Eingangsbereich der Fahrzeughalle bei den Uhrsleber Brandschützern wurde ein Desinfektionsspender eingebaut. Auf beiden Fahrzeugen wurde zusätzliches Desinfektionsmittel hinterlegt, auch der Vorrat an Einmalhandschuhen ist erhöht worden.

Jeder Kamerad sei angehalten, sich vor dem Einsatz die Hände zu desinfizieren. Wer Krankheitssymptome bei sich beobachtet, sollte lieber nicht am Einsatz teilnehmen.

„Alle diese kleinen Maßnahmen beeinträchtigen meiner Meinung nach aber nicht die Effektivität der Arbeit im Einsatz. Auch die Zeit zum Ausrücken wird hier minimal vielleicht um zehn Sekunden verzögert“, meint der Uhrsleber Wehrleiter. Mehr für die Rettung benötigte Zeit geht durch die meist nicht vorhandene Rettungsgasse auf der Autobahn verloren.

Der Aufenthalt im Gerätehaus nach einem Einsatz ist aktuell nicht gestattet. Heißt: Nachdem die Einsatzbereitschaft wieder hergestellt werden konnte, sollten alle Kameraden das Haus zügig verlassen.

Ständig in Kontakt mit den Wehrleitungen

Die Gemeindewehrleitung, vor allem Gemeindewehrleiter Andreas Wolter, steht in ständigem Kontakt mit den Feuerwehren. Spezielle Vorkehrungen sind in Form von schriftlichen Hinweisen übergeben worden.

Dazu gehören eine Handhabung zur Corona-Pandemie für die freiwilligen Feuerwehren der Verbandsgemeinde, eine Risikoanalyse/Gefährdungsbeurteilung durch das Corona-Virus, Kurzanweisungen für alle Feuerwehren sowie Hinweise für Einsatzkräfte zum Umgang mit dem Corona-Virus von der Unfallversicherung. Darüber hinaus werden alle Feuerwehren der Verbandsgemeinde ständig mit wichtigen Informationen aus den Meetings von Kreisbrandmeister und den beiden Abschnittsleitern versorgt.

„Unsere letzten beiden Einsätze vor Ostern waren am 12. und 13. März ein Verkehrsunfall auf der Autobahn und die Auslösung einer Brandmeldeanlage in Hakenstedt“, berichtet der Uhrsleber Wehrchef. Bei beiden Einsätzen wurde noch ohne Schutzmaßnahmen gearbeitet, da zu diesem Zeitpunkt noch alles „normal“ verlief.

Was durchaus erstmal neu ist und dann in erster Lageerkundung mit einfließen muss, sei die Nachfrage bei allen Beteiligten, die nicht zum alarmierten Personal gehören, sich aber an der Einsatzstelle befinden, also Zeugen, Beteiligte, Angehörige, ob diese Krankheitssymptome wie Husten, Halskratzen oder Fieber haben. „Man muss hier sicherlich auch sondieren, mit welchen der beteiligten Personen wird das Rettungspersonal an der Einsatzstelle direkten Kontakt haben“, betont Karschunke.

Bei eingeklemmten Personen in Fahrzeugen sei der direkte Kontakt zwischen den Rettungstrupps und den Betroffenen unvermeidbar. Der Einsatzleiter werde es aufgrund der vermehrt notwendigen Kommunikation und Abstimmung mit viel mehr Personen an der Einsatzstelle zu tun haben, ist den Feuerwehrleuten klar. Auch die Nacharbeit nach einem Einsatz sei mit höherem Aufwand verbunden, da alle verwendeten Gerätschaften und Gegenstände komplett gereinigt und desinfiziert werden müssen.