Haldensleben l Der Friseurbesuch wird künftig anders ablaufen. Kunden müssen eine Mundmaske tragen, es gibt keinen Kaffee mehr, blättern in Zeitschriften ist auch untersagt. Doch nicht nur die Situation vor Ort wird eine andere sein, auch die Bezahlung wird einige stutzen lassen, befürchtet Friseurin Christin Vogel.

Die Auflagen für die Friseure sind hoch. Verpflichtend ist nun nicht nur der Mund-Nasen-Schutz für Kunden und Mitarbeiter, sondern auch ausreichend Abstand muss zwischen den Kunden sichergestellt werden. Dienstleistungen wie Wimpernfärben, Rasieren oder Bartpflege sind vorerst nicht erlaubt.

Jeder Schnitt mit Waschen

Zusätzlich muss das Haar eines jeden Kunden gewaschen werden. Das soll Viren abtöten. Die Kunden müssen außerdem ihre Kontaktdaten hinterlassen, um eventuelle Infektionsketten nachvollziehen zu können. Wollen sie die Daten nicht preisgeben, ist der Haarschnitt nicht möglich.

Der Verband Deutscher Friseurunternehmen warnte in dieser Woche bereits, dass die Kunden künftig tiefer in die Tasche greifen müssen. Grund dafür ist einerseits der zeitliche Mehraufwand durch den neuen Schutzstandard. Andererseits müssen die Friseure auch mehr Geld für die Schutzausrüstung wie Einmalhandschuhe, Masken und Desinfektionsmittel bezahlen. Der Verband Deutscher Friseurunternehmen ging von ein bis zwei Euro Verteuerung pro Haarschnitt aus.

„Wenn wir die Preise nur um zwei Euro erhöhen, können wir in ein paar Wochen schließen", ist sich Steven Vogel sicher. Er betreibt den Salon „Haarscharf" in der Langen Straße in Haldensleben sowie einen in Ebendorf. „Wenn wir allein die Mehrausgaben der Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel kalkulieren, kann das mit ein bis zwei Euro nicht hinkommen", sagt seine Frau Christin. Auch ein Friseursalon sei ein Unternehmen, das auf Wirtschaftlichkeit basiert.„Wir müssen eher mit fünf bis zehn Euro pro Haarschnitt mehr rechnen", sagt die Friseurmeisterin. Es ärgere sie, dass diese minimale Verteuerung angekündigt wurde und die Kunden dann schockiert sind. „Ich wirtschafte mir das ja auch nicht in die eigene Tasche", sagt sie. Durch längere Öffnungszeiten, um den Kundenstrom zu entzerren, müssen auch die Mitarbeiter länger im Einsatz sein – und dementsprechend bezahlt werden.

Bis zu zehn Euro mehr pro Haarschnitt

Außerdem können weniger Kunden bedient werden als bisher. Beispielsweise werden sonst für einen Männerhaarschnitt 20 Minuten eingeplant, nun fast eine Stunde. Es darf keine wartende Kundschaft geben, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Für einen Männer-Trockenhaarschnitt, der sonst bei 17,50 Euro gelegen hat, muss Steven Vogel nun 25,50 Euro einplanen – für das zusätzliche Waschen und beispielsweise die Desinfektion.Sie könne erst einmal nur kalkulieren. „Das Coronavirus soll ja auch ernst genommen werden, aber für unseren kleinen Salon ist das heftig", so Christin Vogel.

Nach sechs Wochen Schließungen stehen zahlreichen Haldenslebern die Haare zu Berge. Die Nachfrage nach Friseurterminen sei groß. Doch ob die Salons ab Montag überhaupt öffnen dürfen, weiß keiner so richtig. Denn nachdem die Bundesregierung die Gespräche zu den Lockerungsmaßnahmen bezüglich der Corona-Pandemie um eine Woche nach hinten verschob, ist unklar, ob der 4. Mai trotzdem für die Friseure als Stichtag gilt. Die Bestellbücher sind jedenfalls voll.

Ministerpräsident Reiner Haseloff habe die Öffnung der Friseurläden für den 4. Mai angekündigt, lässt Matthias Schuppe, Regierungssprecher der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt, auf Volksstimme-Nachfrage verlauten. Die genauen Regelungen sollen in einer fünften Eindämmungsverordnung festgehalten werden, über die am Sonnabend, 2. Mai, beraten wird.

Keine finanziellen Hilfen

„Es ärgert uns, dass wir so hängengelassen werden vom Staat", sagt Steven Vogel. Statt finanziellen Hilfen wie in anderen Branchen müssen die Friseure kräftig draufzahlen – und das zu einem gewissen Teil eben auch an die Kunden weitergeben. „Schon eine Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent würde bewirken, dass die Kunden nicht belastet werden müssen", ist er sich sicher.

Die Branche hat massiv zu kämpfen. Viele Betriebe seien existenziell bedroht, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Halle, Jens Schumann. Anders als Gastronomen, für die ein Außerhaus-Verkauf möglich sei, seien die Friseurgeschäfte seit sechs Wochen geschlossen und gänzlich ohne Einnahmen.