Ehrung

Diakonie würdigt Arbeit der Haldensleber Reinhard Bürger und Siegmund Heyme mit dem Kronenkreuz

Alkoholabhängige Menschen wieder zurück ins Leben zu führen und sie im Kampf gegen die Sucht zu unterstützen, das hat sich die christliche Selbsthilfegruppe „Blauer Ring“ auf die Fahnen geschrieben. Für ihre jahrzehntelange „Arbeit am Nächsten“ haben Reinhard Bürger und Siegmund Heyme jetzt die Kronenkreuze der Diakonie bekommen.

Von Jens Kusian
Reinhard Bürger (links) und Siegmund Heyme haben für ihre jahrzehntelange Arbeit mit alkoholabhängigen Menschen in Haldensleben das Kronenkreuz der Diakonie bekommen.
Reinhard Bürger (links) und Siegmund Heyme haben für ihre jahrzehntelange Arbeit mit alkoholabhängigen Menschen in Haldensleben das Kronenkreuz der Diakonie bekommen. Foto: Jens Kusian

Haldensleben - Es sollte ein ganz normaler Gesprächskreis der christlichen Selbsthilfegruppe „Blauer Ring“ werden. Doch die Gruppenmitglieder haben die Tagesordnung der wöchentlichen Zusammenkunft gehörig durchkreuzt. Schon in seiner Andacht lässt Pfarrer Matthias Simon anklingen, dass dieser Donnerstagabend ein besonderer sei: „Etwas von sich selbst verschenken, das haben zwei Gruppenmitglieder in ganz besonderer Weise getan.“

Gemeint sind damit Gruppenleiter Reinhard Bürger und der Ehrenvorsitzende Siegmund Heyme. Die beiden Männer engagieren sich seit Jahrzehnten beim „Blauen Ring“ und helfen alkoholabhängigen Menschen, den Weg zurück ins Leben zu finden. Für die Gruppe ist dies Anlass, Bürger und Heyme auf nicht alltägliche Weise „Danke“ zu sagen - sie haben die Beiden für das Kronenkreuz der Diakonie vorgeschlagen.

Ein Ausdruck des Dankes

Dies sei keine Auszeichnung im üblichen Sinne, macht Gudrun Dreßel, Bereichsleiterin Soziale Dienste bei der Diakonie Mitteldeutschland, deutlich. „Das Kronenkreuz ist Ausdruck des Dankes und eine Wertschätzung der Treue für den Dienst am Nächsten“, erklärt sie. Genau dieser Dienst am Mitmenschen sei es, den Reinhard Bürger und Siegmund Heyme Woche für Woche in der Selbsthilfegruppe und darüber hinaus leben, unterstreicht Gudrun Dreßel.

Seit 20 Jahren schon leitet Bürger den „Blauen Ring“ in Haldensleben. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf die regelmäßigen Gesprächskreise unter dem Dach der evangelischen Kirchengemeinde St. Marien. Er kümmert sich um Gruppenmitglieder, die in Krisensituationen geraten, besucht sie zu Hause und organisiert auch Einweisungen in die Klinik, wenn dies nötig sein sollte. Zudem hält er konsequent die Verbindung zur Suchtstation im Ameos Klinikum Haldensleben und stellt dort die Arbeit des „Blauen Rings“ vor.

Mit über 80 noch aktiv

Von der Anerkennung seiner ehrenamtlichen Arbeit ist Bürger sichtbar überrascht. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, sagt er ein wenig verlegen, als er von Diakonie-Mitarbeiterin Anja Halle das Kronenkreuz in Silber angesteckt bekommt. Doch er findet schnell wieder Worte - um sich bei der Gruppe zu bedanken. „Ohne euch würde das alles hier gar nicht funktionieren“, möchte er die erfolgreiche Arbeit der Selbsthilfegruppe nicht allein für sich in Anspruch nehmen.

Eine Nummer größer ist die Ehrung für Siegmund Heyme, der von Gudrun Dreßel das Kronenkreuz in Gold bekommt. Er ist Gründungsmitglied des „Blauen Rings“, der 1983 ins Leben gerufen worden ist, hat sich beharrlich um den Aufbau der christlichen Suchtselbsthilfe in Haldensleben gekümmert und sie auch durch die Wendezeit manövriert. Mittlerweile ist er über 80 Jahre alt, lässt es sich aber trotzdem nicht nehmen, bei jeder wöchentlichen Zusammenkunft dabei zu sein und die Andacht zu halten. „Es ist mir eine Herzenssache, in der Gruppe mitzuarbeiten“, versichert er.

„Trocken bleiben“ ist Ansporn

Wie wichtig die Arbeit der Selbsthilfegruppe ist, macht ein Gruppenmitglied deutlich: „Als ich Reinhard zum ersten Mal traf, sagte er mir, dass er seit 30 Jahren trocken sei und ich das auch schaffen könnte. Das konnte ich gar nicht glauben und auch nicht, dass man den scheiß Teufel Alkohol besiegen kann. Doch die Gruppe hat mir die Kraft dazu gegeben. Ihr helft so vielen Menschen und gebt ihnen das Leben zurück, die Farben, die Sonne und das Licht. Ihr habt es beide nicht gewusst, aber ihr habt es verdient“, freut er sich mit Heyme und Bürger über die Verleihung der Kronenkreuze.

Den Geehrten aber ist es anzumerken, dass es für sie wichtigere Dinge gibt als die Anstecknadeln. „Jedes Mal, wenn wir jemanden treffen, der bei uns in der Gruppe war und bis heute trocken geblieben ist, dann ist das für uns Ansporn genug weiterzumachen. Auch wenn wir nicht allen helfen können“, sagt Reinhard Bürger.