Verabschiedung

Die gute Seele verlässt den Weferlinger Kindercampus

Von Carina Bosse
"An Tagen wie diesen darf man auch mal traurig sein", sangen Kinder und Erzieherinnen in einer persönlichen Umdichtungsvariante zur Verabschiedung von Angelika Fechtig. Foto: Carina Bosse

Weferlingen

Über 40 Arbeitsjahre gehörten Kinder für Angelika Fechtig zum Berufsleben. Seit 1980 war sie die „gute Seele“ der Kinderbetreuung in Weferlingen. Heute hat sie ihren letzten offiziellen Arbeitstag vor dem Ruhestand. Anlass für ihre Kollegen und natürlich die vielen Mädchen und Jungen vom Kindercampus, mit einem festlichen Programm Tschüss zu sagen.

Ihre berufliche Laufbahn im Kindergarten begann am 1. August 1980, blickte Gabi Jensch, Leiterin der Tagesstätte auf dem Kindercampus in ihrer Laudatio noch einmal zurück. Vorher hatte Angelika Fechtig in der Flachsröste in Döhren einen harten Job, ehe sie in der Baracke des Weferlinger Kindergartens landete, wo es ihr sehr gefiel. Als die Baracke 15 Jahre später abgerissen wurde und alle ins ehemalige Krippengebäude umzogen, machte sie das Licht aus.

Viele Mitstreiter kommen und gehen

Viele Mitstreiter, viele Kolleginnen und Kollegen sah sie kommen und gehen, sie blieb ihren Kindern stets treu, schwang unermüdlich Wischmop und Kelle, kramte hinter den Kindern auf, sprang ein, wo immer sie gebraucht wurde. Daheim war es nicht anders, sagte Gabi Jensch. Zwei Kinder, Haus, Hof und Garten und einen Mann, der als Lkw-Fahrer viel unterwegs war - managte Angelika Fechtig nebenher.

Und wer räumt jetzt hinter uns her? Wer stellt sogar am Wochenende die Mülltonnen raus, wenn die Hausmeister es mal wieder vergessen haben? Wer ist immer zur Stelle und hilft, auch ohne gefragt zu werden? Wer ermahnt uns jetzt immer, den Müll richtig zu trennen? Fragen, die Gabi Jensch in Vorbereitung der Verabschiedung durch den Kopf schossen.

Da der Garten immer noch Angelika Fechtigs Hobby ist, gab es zum Abschied unter anderem eine prächtige Blumenschale. Heli und die Kinder der Gruppe 5 überreichten sie der frischgebackenen Ruheständlerin, nachdem sie bereits eine 40-gliedrige Münzenkette erhalten hatte. „Und jedes dieser Exemplare steht für eines deiner Jahre. Doch du erkennst wohl sicher leicht, dass keine einer andren gleicht“, hatte Gabi Jensch dazu gedichtet. Außerdem gab es eine Collage mit Fotos und Zeichnungen aller Gruppen der Kindertagesstätte.

Ein Wiedersehen ist garantiert

„Wir werden uns wiedersehen“, zeigte sich Gabi Jensch ganz sicher. Auf die eine oder andere Weise wird Angelika Fechtig auf dem Kindercampus immer willkommen sein, denn sie hat Spuren hinterlassen wie die Leiterin im Gedicht „Deine Spuren“ passend umschrieb. Zum Eintritt in das Rentnerleben gab es einen „Rentnerkalender“ zum Eintragen aller Termine, da Rentner ja bekanntlich niemals Zeit haben.

Im Haus und Garten wird sie auch künftig noch viel zu tun haben, sind ihre nun ehemaligen Kollegen sicher. Gemüse und Blumen werden auch weiter dank guter Pflege prächtig gedeihen. Fehlen auf dem Kindercampus werden die vielen Weferlinger Nachrichten, die Angelika Fechtig immer mitbrachte, denn „was du nicht wusstest, war auch nicht passiert“, sagte Gabi Jensch in ihrer kleinen Ansprache.

Fanta, Schokolade und Eis

Für Schmunzler sorgte zuvor bei der Familie erfragten Kenntnisse zu den Essgewohnheiten der Jubilarin. Abends zu Hause, am liebsten beim Bergdoktor, dem Traumschiff oder bei einem Rosamunde-Pilcher-Film gehören ein Glas Fanta, Schokolade und Eis in Reichweite, um den Feierabend perfekt zu machen. Nur Geflügel und Kaninchen kommen bei Angelika Fechtig niemals auf den Tisch. Das bestätigte sie mit einem vehementen Nicken.

Gänsehaut bereitete allen das Abschlusslied von Kindern und Erziehern. „An Tagen wie diesen“ wurde eigens für die Verabschiedung umgedichtet: „Du wartest seit Wochen auf diesen Tag und tanzt vor Freude über den Spielplatz. Du liebst Mülltrennung, da bist du Profi, doch auch den Kaffee, den kochst du richtig gut. Dann Herr Ruge, hat keine Leute, braucht dich bis acht. Zu der selben Uhrzeit, am selben Treffpunkt, fast jedes Mal“, trieb einigen die Tränen in die Augen. Und an „Tagen wie diesen“ darf man dann auch schon mal traurig sein, lässt uns doch die gute Fee allein, wurde da treffend gedichtet und vorgetragen.

Nach der Traurigkeit wurde es aber wieder heiter, denn jeder wollte noch einen Abschiedsschnappschuss mit „Gelika“ auf dem Kindercampus-Gelände schießen.