Calvörde l Schon der Aufsteller vor der Tür des Gemeindehauses auf dem Hof des Pfarrhauses in Calvörde zeigt, dass die Blutspende-Aktion des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Dessau wegen der Corona-Pandemie besondere Maßnahmen ergriffen hat. Dirk Lehmann, Teamfahrer des DRK-Blutspende-Fahrzeuges, fängt die Spender ab 15.30 Uhr schon vor der Tür ab und verweist auf die Informationen.

Neben den Hygienevorschriften gibt es Hinweise, dass wegen der aktuellen Entwicklung unter bestimmten Kriterien das Blutspendelokal nicht zu betreten ist. Das Zutrittsverbot gilt für Spender, die innerhalb der letzten vier Wochen aus dem Ausland oder dem Landkreis Heinsberg zurückgekehrt sind. Dies trifft für Kontaktpersonen von Infizierten beziehungsweise Personen, die unter Quarantäne stehen oder Personen mit Fieber, Husten oder anderen Anzeichen von Atemwegserkrankungen zu. Nachdem dieser Sachverhalt abgeklärt ist, folgt in einem Vorraum das Händedesinfizieren.

„Als erstes führen wir bei allen Spendern eine Temperaturmessung durch. Dies gilt auch für die Journalistin“, betont Rettungsassistent Karsten Hoffmann. Lehmann misst meine Körpertemperatur an der Stirn und erklärt: „Sie haben kein Fieber – 36,4 Grad Celsius.“ Sein Kollege Hoffmann bittet den Mindestabstand von 1,50 Meter zu anderen Personen einzuhalten: „Das Fiebermessen ist kein neues Verfahren. Das passierte sonst immer bei der Laboruntersuchung. Neu ist nur, dass wir es jetzt gleich zum Anfang machen.“ Spenden darf ich trotzdem nicht, weil ich keine 50 Kilogramm schwer bin.

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Im Aufnahmebereich sitzt Cornelia Hübner, Mitarbeiterin der Seniorenhilfe GmbH. Sie erfasst die nötigen Daten. „Jeder bekommt für die Formalitäten aus Hygienegründen einen separaten Kugelschreiber“, betont der Rettungsassistent.

Eine Premiere

Eine Premiere ist die Blutspende für Alessa Zinn. „Ich spende, weil ja momentan scheinbar ein hoher Bedarf an Blutkonserven da ist“, erklärt die 20-jährige Calvörderin ihre Motivation. An ihrer Seite steht an der Anmeldung auch ihr Vater Uwe Zinn. „Ich habe meinem Papa gesagt, dass ich heute Blut spende und habe ihn gebeten, mitzukommen“, erzählt die Erstspenderin, die bei der Anmeldung ihren Personalausweis zeigen muss.

Neu sind in Calvörde nicht nur die verschärften Vorschriften, sondern auch die Räumlichkeiten. Zum ersten Mal findet die Blutspendeaktion nämlich im evangelisch- lutherischen Gemeindehaus statt. Die einstigen Räume im „Haus der Begegnung“ konnten nicht mehr genutzt werden. Fast ein Jahr lang war keine Blutspende in Calvörde möglich.

Nun stellt die Kirchengemeinde ihr Domizil auf dem Hof des Pfarrhauses zur Verfügung. Im Raum, in dem sonst die Kinder in der Christenlehre unterrichtet werden, ist die Anmeldung. Die Laboruntersuchung ist getrennt davon. In der oberen Etage erfolgt die ärztliche Untersuchung. Im Gemeindedsaal, gleich neben dem Bild des Heiligen Sankt Georg, stehen die Pritschen –natürlich im vorgeschrieben Abstand. Durch die Schiebewand ist der Raum von den Tischen zum Imbiss getrennt.

„Wir brauchen für die einzelnen Bereiche diese räumliche Abgrenzung. Außerdem ist es wichtig, dass die Räume für unser ganzes Equipment zugänglich sind. Das funktioniert hier sehr gut. Die Voraussetzungen sind hervorragend“, lobt der Rettungsassistent und bedankte sich bei der Kirchengemeinde und bei der Seniorenhilfe Haldensleben, die die Blutspende schon seit sehr vielen Jahren begleitet.

„Auf Grund der ganzen Situation ist damit zu rechnen, dass die Spenderzahl zurückgeht“, blickt Hoffmann voraus. Außerdem sind die Blutkonserven nur begrenzt haltbar. „Gerade in der jetzigen Zeit ist es sehr wichtig, Blut zu spenden. Das Blut wird ja trotzdem gebraucht. Leider sind es – weil die Angst herrscht – viel zu wenig Menschen, die spenden gehen“, weiß Nadine Voigt aus Bebertal. Die junge Frau arbeitet auch bei der Seniorenhilfe und stärkt sich nach der Spende mit einem Kaffee.

Detlef Oelze spendete zum 100. Mal

Zu den treuen Spendern gehört Detlef Oelze, der sich gern auch mal aus Leidenschaft zum Musiker als Detlef Grönemeyer vorstellt. Der Zobbenitzer spendet zum 100. Mal. „Als junger Mann hatte ich Angst vor dem Blutspenden. Aber unsere Gemeindeschwester Elisabeth Schmidt motivierte mich damals. Ich habe jetzt das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Ich denke, dass das Blutspenden mir auch gut tut“, beschreibt Oelze.

Als Dankeschön für die 100. Spende bekommt der Zobbenitzer einen Einkaufsgutschein von der DRK-Blutspende-Team-Leiterin, Schwester Christine, überreicht. „Ich hätte lieber ein paar Rollen Klopapier“, feixt Oelze. Die Schwestern lachen herzhaft. „Gut, dass unsere Spender ihren Humor nicht verloren haben“, sagen die Schwestern. Abnahmeschwester Cornelia pikst behutsam die Nadel in die Vene, dunkles Blut fließt durch den Plastikschlauch in den Beutel mit Nährflüssigkeit und Gerinnungshemmer.

Zu zweit – aber allein am Tisch – essen Silvia und Siegfried Dörheit nach dem Aderlass zu Abend. Das Ehepaar, das in Velsdorf zuhause ist, geht gemeinsam regelmäßig Blutspenden. „In der Zeitung habe ich heute morgen gelesen, dass die Blutkonserven weniger werden. Jeder kann mal in die Situation kommen, wo er Blut eines anderen Menschen braucht“, weiß Silvia Dörheit, die zum 59. Mal einen Teil ihres Lebenssaftes gibt. „Gut ist, dass bei der Spende auch das eigene Blut kontrolliert wird. Die Hygiene und auch alles andere passt“, ergänzt Dörheit und appelliert an alle gesunden Menschen, zur Blutspende zu gehen.

Auch Siegfried Partes aus Uthmöden spendet Blut. „Zu DDR-Zeiten hatte ich als Spender schon mal für 25 Jahre die silberne Anstecknadel bekommen. Nun hatte ich fast 25 Jahre ausgesetzt. Die Termine fielen immer in meine Arbeitszeit“, erinnert sich der Land- und Tierwirt. Jetzt wo er Rentner sei, ist er als Spender wieder bereit, Gutes zu tun.

42 Spender

In der Küche wirbeln – ausgerüstet mit Handschuhen – Gudrun Hasler und Sylke Storaczek, Mitarbeiterinnen der Seniorenhilfe, um den Imbiss für die Spender vorzubereiten.

Um 19.30 Uhr schließt das Team die Eingangstür. „Wir haben 42 Spender. Das Tolle ist, dass wir acht Erstspender hatten. Mit diesem Ergebnis sind wir zufrieden“, erklärt Cornelia Hübner. Unter den besonderen Umständen und dem Sachverhalt, dass es viele Monate keine Spende-Aktion in Calvörde gab, sei die Aktion ein Erfolg.