Haldensleben l Schon eine halbe Stunde bevor die Essensausgabe bei der Tafel in der Gerikestraße in Haldensleben beginnt, stehen viele Menschen auf dem Gelände und warten. Zum Glück scheint an diesem Tag die Sonne und es ist auch nicht allzu kalt. Mit Abstand und Maske warten die Menschen auf ihre Nummer.

„Das Nummernsystem funktioniert wirklich gut. Das hatten wir auch schon vor Corona“, sagt Sebastian Penke, Betreuer der Tafeln. Ein Vorteil auch während der Corona-Pandemie ist, dass sich durch dieses System keine lange und dicht gedrängte Schlange vor der Ausgabe bildet, die eine Infektion begünstigen würde. Für viele Tafelnutzer ist es eine schwere Zeit, die es gilt durchzustehen, sagt eine Frau, die zusammen mit zwei weiteren vor der Einrichtung steht. „Wir kommen jeden Dienstag und freuen uns sehr über die Spenden“, sagt sie. Doch seit der Pandemie seien zwar die Spenden der Supermärkte gleich geblieben, doch die Privatspenden seien zurückgegangen, erklärt Sebastian Penke. Dafür seien die Kleiderspenden förmlich explodiert. Die Zeit zu Hause wurde vermutlich dafür genutzt, endlich mal den Kleiderschrank auf Vordermann zu bringen.

Die Angst vor einer Ansteckung

„Ich gehe auch zur Kleiderkammer, aber es ist schwierig für meinen Mann etwas zu finden, denn oft ist nicht die richtige Größe dabei“, sagt eine andere Haldensleberin, die in der Schlange vor der Tafel steht. Für den Besuch in der Kleiderkammer ist vorgeschrieben, dass nur ein Kunde hinein darf und das auch nur für 15 Minuten. Einmal musste die Kleiderkammer kurzzeitig wegen der Corona-Verordnung schließen. Jetzt, wo Politiker über wieder strengere Maßnahmen diskutieren, kann es vielleicht sein, dass die Kleiderkammer erneut schließen muss, befürchtet Sebastian Penke.

In Haldensleben nutzen circa 70 bis 80 Haushalte die Tafel.Seit Corona seien es allerdings weniger geworden, die zur Tafel kommen, sagt der Betreuer weiter. „Es sind viele Senioren und Arbeitslose, die hierher kommen“, stellt die Haldensleberin, die mit ihrer Freundin vor der Ausgabe wartet, fest. Vor allem die Senioren und Flüchtlingsfamilien kämen nur noch sehr selten oder gar nicht, so Penke weiter. Bei einigen, so schätzt er, liegt es an der Angst, sich anzustecken.

Doch die, die dennoch kommen, fühlen sich durch die Abstandsregeln, das Tragen einer Maske und die Benutzung von Desinfektionsmittel bei der Tafel ausreichend geschützt. „Wir haben keine Angst“, sagen die beiden Freundinnen. Kennengelernt hätten sie sich auch hier bei der Tafel. „Hier findet man schnell Freunde. Gerade, weil wir alle irgendwie in der gleichen Situation stecken“, sagen sie. Die beiden sind sehr dankbar für das Angebot der Tafel und sind sogar darauf angewiesen. „Ohne die Essensausgabe würden wir es nicht schaffen, über die Runden zu kommen“, stellt eine der beiden sichtlich bedrückt fest.

Keine stundenlangen Treffen möglich

Doch die Tafel ist nicht nur ein Ort, um sich vorgepackte Lebensmittelpakete abzuholen, denn sie ist auch eine Begegnungsstätte. „Viele haben sich hier auch schon drei, vier Stunden vor der Tafelausgabe getroffen und ihren Kaffee mitgebracht“, erinnert sich Sebastian Penke. Gerade alleinstehende Senioren suchen dort den Kontakt zu anderen, den sie allein zu Hause nicht haben. Doch nun ist dies vorerst nicht mehr möglich. Und auch die jährliche Weihnachtsfeier muss in diesem Jahr ausfallen. Trotzdem haben sich die Mitarbeiter der Tafel etwas Besonderes überlegt. Am kommenden Sonnabend, 19. Dezember, wird es eine warme Mahlzeit geben, die sich die Tafelnutzer mit nach Hause nehmen können. Als die Einladungen vor der Essensausgabe dafür verteilt wurden, sah man vielen die Freude darüber im Gesicht an – trotz Maske,.