Kämkerhorst/Mannhausen l Majestätisch, wild und geheimnisvoll – Eulen beeindrucken durch ihren einzigartigen Lebensstil. Horst-Dietrich Westphal, Naturparkmitarbeiter im (Un)Ruhestand, gab einen faszinierenden Einblick in ihr Verhalten.

Früher glaubten viele Menschen, dass der Eulenruf den nahen Tod voraussagt. Diesen Ruf haben die Eulen lange nicht verloren. Der Kuwitt-Ruf des Wald- und des Steinkauzes, der wegen der vom Kerzenlicht angelockten Insekten so manches Haus umflog, in dem eine nächtliche Totenwache stattfand, wurde als „Komm mit“ (ins Jenseits) gedeutet. „Alles Blödsinn“, weiß Westphal,der in Hörsingen zuhause ist. Für den Naturfreund sind Eulen Glücksvögel. Zu seinen ehrenamtlichen Aufgaben gehört die Beringung von Greifvögeln in der Altmark und vor allem im Naturpark. „Viele Jahre habe ich auch die Eulenkästen kontrolliert und sauber gemacht sowie die Jungtiere mit einem Ring versehen“, sagte Westphal. Jetzt überlässt er seinen jüngeren Kollegen den nicht ganz ungefährlichen Kontrollbesuch per Leiter hoch oben. Westphal erklärte, welche Informationen so ein Ring beinhaltet. In der Zentrale der Vogelschutzwarte Hiddensee in Güstrow werden die Daten zusammen getragen. Beringte Vögel haben einen Lebenslauf. „An der Farbe des Ringes kann man schon sehen, in welchem Land der Vogel beringt wurde“, sagte der Ranger.

Mit einem Fernglas, einem Teleobjektiv oder auf einem vergrößerten Handybild könnte man die Nummer erkennen. „Was passiert, wenn ein beringter Vogel stirbt?“, wollte ein junger Naturfreund wissen. „Eine Oma in Bergfriede hat mal beim Gartengraben einen Eulenfuß mit einem Ring gefunden. Wir wissen nicht, ob er von einem Marder gefressen wurde. An Hand der Nummer haben wir aber herausgefunden, dass er ein paar Jahre zuvor in Breitenrode beringt wurde“, erzählte der Ranger. Er zeigte Gewölle, ein Speihballen, an dem zu sehen ist, was der Vogel gefressen hat. „Der Waldkauz stellt seine Nahrung um, im Sommer frisst er Mäuse und im Winter Kleinvögel, wie Meisen und Sperlinge“, weiß der Experte.

Die Schleiereule

Die häufigste Eulenart im Drömling sei die Schleiereule, die in der Nähe der Menschen in den Dörfern – also in Scheunen, Ställen oder Gotteshäusern, wie in der Kirche in Mieste, leben. Die Waldohreule nutzt die Nester der Elstern, Krähen oder Ringeltauben. „In den letzten drei Jahren hatte ich immer Waldohreulen direkt vor meinem Schlafzimmerfenster“, beschrieb der Eulenfreund. Er wies darauf hin, dass es im Naturpark eine Pflegestation für verletzte Vögel gibt. „Oft sei es schon den Rangern gelungen, eine junge oder halbwüchsige Eule aufzupäppeln“, betonte Westphal.

Eulen können nahezu geräuschlos fliegen. „Deshalb sind sie die perfekten Mäusejäger. Die Federn der Eulen sind leicht behaart. Die samtige Oberfläche des Gefieders dämpft das Geräusch“, ergänzte der Hörsinger. Er berichtete von einem Etinger, der in seinem Eulenkasten eine Kamerad installiert hatte. Von seinem Sessel in der Garage konnte er die Eulen bei der Fütterung der Jungtiere in der Scheune beo-bachten. Zuversichtlich schaut Westphal auf den Bestand der Eulen. „Vor acht bis zehn Jahren hatten wir richtig viele Eulen im Naturpark. Wir hatten damals etwa 50 Brutpaare“, erinnerte sich Westphal. „Von den 50 Brutpaaren waren vor ein paar Jahren noch ganze fünf Paare übergeblieben. Aber jetzt hat sich der Bestand langsam erholt“, weiß Westphal. Als Hauptgrund für den Rückgang sieht Westphal, dass die Nahrung knapp ist. Es gäbe aber auch viele andere Gefahren für die Eulen, die zum Beispiel gegen Weidezäune fliegen und sich das Genick brechen. Viele Grundstücksbesitzer machen ihre Scheunen und Ställe so dicht, dass keine Eulen mehr rein kommen. „Ja, wer ein Eulenpaar beherbergt, hat auch Dreck“, gestand der Experte.

Stolz ist der Eulenfreund, dass es im Drömling jetzt viele Bauernhöfe mit Eulen gibt. Manche Tierfreunde lassen von Rangern Eulenkästen anbringen. „Also die Chance ist groß, dass es wieder mehr werden“, erklärte Westphal.

Mit Eulenstimmen versucht Westphal den Waldkauz, der in der Nähe des Infohauses sein Revier hat, anzulocken. Es dauerte nicht lange, bis der Waldkauz antwortete und schaute, ob vielleicht ein Weibchen in der Nähe ist.