Piplockenburg l Für eine Woche ganz im Zeichen von Aktionen zugunsten der Umwelt haben sich die Gewinner des Klimahelden-Aufrufes des Biosphärenreservats Drömling am Sonntag in Zelten in Piplockenburg eingerichtet.

Mitarbeiter der Reservatsverwaltung und zertifizierte Natur- und Landschaftsführer arbeiten mit den jungen Leuten und Bewohnern der Wohnstätten Etingen und Calvörde der Neinstedter Anstalten an verschiedenen Projekte.

Zum Auftakt am Montag gab es zunächst erst einmal Besuch aus dem Umweltministerium in Magdeburg, der Landkreisverwaltung in Haldensleben, der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen und der Gemeinde Calvörde.

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Umweltministerin Claudia Dalbert kam mit den Camp-Teilnehmern zu Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes ins Gespräch. Viele Fragen hatten die Mädchen und Jungen mitgebracht.

Reservatsverwaltungsleiter Fred Braumann, Sabine Wieter und Juliane Ruttkowski stellten das Projekt zunächst mit einigen Worten vor. Mit dem Klima-Camp gebe es in diesem Jahr eine Premiere, sagte Fred Braumann. Doch es solle auf jeden Fall wiederholt werden. Das Camp wird durch die Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Börde im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Mehr Blühstreifen gefordert

Teilnehmerin Nele wünscht sich eine bessere Förderung für die Anlage von Blühstreifen zwischen Feldern und Feldwegen. „Da bin ich ganz bei dir, das muss noch mehr werden“, räumte die Umweltministerin ein. Allerdings gebe es schon etliche Bemühungen und eine Zusammenarbeit mit der Hochschule Bernburg in diesem Bereich. Auf 3100 Kilometern seien bereits rund zehn Meter breite Streifen angelegt.

Gegen den Einsatz von Glyphosat sprach sich Michael aus. Doch für ein generelles Verbot seien ihr die Hände gebunden, sagte Claudia Dalbert. Hier habe EU-Recht Vorrang. Als Landesministerium könne sie lediglich versuchen, Einfluss auf die Kommunen zu nehmen und sich dabei gegen den Einsatz des Pflanzenvernichtungsmittels auszusprechen.

Für kurze Wege bis drei Kilometer das Fahrrad statt des Autos zu nehmen, wünscht sich Oskar. „Das würde ich auch begrüßen“, so Claudia Dalbert. Woran es liegt? Wohl an der Gewohnheit und Bequemlichkeit der Leute. Und auch dass Radwege fehlen oder manchmal im Nirgendwo enden, sei wohl ein Grund. Dabei, darin waren sich alle Gesprächtsteilnehmer einig, sei das Fahrradfahren nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch gut für die Gesundheit und den eigenen Körper.

Anna allerdings weiß, dass man auf dem Land oft gezwungen ist, das Auto zu nehmen, um Freunde in Nachbarorten zu besuchen. Der Personennahverkehr sei im Gegensatz zur Stadt an vielen Stellen nur unzureichend.

Idyllisch mit Abstand zur Großstadt

Diese Frage obliegt zwar nicht dem Umweltministerium, meinte Claudia Dalbert. Der Landkreis sei ein Flächenkreis mit gerade einmal 65 Einwohnern je Quadratkilometer. „Da wohnt es sich idyllisch, aber mit Abstand zur Großstadt“, so Petra Naumann, Dezernatsleiterin Bauen und Umwelt beim Landkreis Börde. Abseits der ganz gut erschlossenen Achse Magdeburg - Haldensleben - Wolfsburg stoße eine Nutzung des ÖPNV mitunter an Grenzen, räumte sie ein.

„Warum landet Mais so oft in Biogasanlagen und nicht zur Fütterung in der Tierhaltung“, wollte Arne wissen. Eine gute Frage, die Claudia Dalbert schon seit 2018 beschäftigt, wie sie selbst zugab. Doch gebe es nun einmal vertragliche Regelungen, die es einzuhalten gilt. Es brauche ein Gleichgewicht zwischen Tierhaltung und Biogas, räumte Manfred Wesche vom Wirtschaftsbeirat der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen ein.

Dezernentin Petra Naumann wollte von den „Umwelthelden“ wissen, wie viele Windräder schon alternativ zur Energieerzeugung im Kreis stünden: 200, 400 oder 600? Mit mehr als 400 Windrädern sei der Landkreis bereits Vorreiter in Sachen regenerative Energien, löste sie ihre Frage schließlich selbst auf.

Manfred Wesche würde sich wünschen, dass nicht nur große Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern und auf Brachflächen gefördert würden, sondern auch kleinere Anlagen auf privaten Hausdächern. Sie sei für solche Anlagen auf den Dächern und Speicher im Keller, sagte Claudia Dalbert. Hingegen halte sie Anlagen auf Feldern für nicht zielführend. Als Modellversuch gebe es allerdings gerade ein Projekt zum Austesten von Voltaikanlagen auf Randstreifen der Felder in Nord-Süd-Ausrichtung, das heißt, dass morgens und abends die Sonne genutzt werde. Das könne sie sich als Kompromissmodell für Landwirte und als zweites krisensicheres Standbein für sie vorstellen.

Ungeschliffener Diamant

Wir haben mit dem Drömling einen ungeschliffenen Diamanten direkt vor unserer Haustür“, sagte Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake. Die vielen Angebote für junge Leute und Familien mache den Drömling interessanter und spannender, lobte er die gute Öffentlichkeitsarbeit des Biosphärenreservates Drömling. Mit der Frage des umweltfreundlichen Hinkommens - Stichwort Radwege - dürften die Kommunen aber nicht allein gelassen werden.

Dasselbe gilt auch für den Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner (EPS). Fred Braumann weiß von finanziellen Problemen der Kommunen. Denn um gezielt Mittel für Bekämpfungsmaßnahmen zu erhalten, müssten die Kommunen eigene Finanzen locker machen, die einfach nicht vorhanden seien. „Die Bekämpfung des EPS ist aber ein wichtiger Aspekt für den Tourismus im Biosphärenreservat“, so der Leiter. Es genüge nicht, überall Warnschilder aufzustellen, Irgendwann komme dann keiner mehr.

Die Gefahrenabwehr obliegt den Eigentümern, sage die Umweltministerin. Doch es gehe auch darum, die Menschen zu schützen. Mit der Hochschule Anhalt bestünde gerade zu diesem Thema eine Zusammenarbeit, um Mittel und Wege zu finden. Das Problem: Im Drömling sollte weitgehend auf den Einsatz chemischer Mittel verzichtet werden.

Bevor Claudia Dalbert wieder aufbrechen musste, gestaltete sie mit den „Umwelthelden“ noch ein Kräuterbeet.

Am heutigen Dienstag wird in Kämkerhorst zunächst das ganz neue Projekt Bienenwagen in Angriff genommen. „Das wird uns noch eine ganze Weile begleiten“, erzählte Sabine Wieter. Sich mit dem Thema Bienen zu befassen, sei ein Wunsch der Lebenshilfe gewesen. Deren Bewohner aus Wohnheimen in Gardelegen, Mieste und Zienau helfen schon seit vielen Jahren bei Arbeitseinsätzen zugunsten der Umwelt im Drömling.