Haldensleben l Gleich zwei Trainer der Haldensleber Handballer haben ihr Ehrenamt niedergelegt. Einer von ihnen ist Andy Krüger. „In erster Linie habe ich wegen Corona aufgehört. Außerdem bekommen wir in fünf Wochen Nachwuchs in der Familie“, erklärt der Ex-Co-Trainer der Handballer. Er habe gemerkt, dass mehr Freizeit und allgemein mehr Zeit für die Familie ohne Ehrenamt bleibt.

Als Co-Trainer sei er 12 bis 20 Stunden pro Woche im Einsatz gewesen. Das habe sich im Rahmen gehalten, jedoch sei jetzt in erster Linie seine Familie wichtig. Eine Rückkehr sei in naher Zukunft ausgeschlossen, sagt Krüger. Aber ein qualifizierter Ersatz, der gut ins Team passe, sei schon gefunden worden, berichtet er. „Ich werde aber meinem Verein weiterhin als Fan und Zuschauer treu bleiben“, versichert er.

Für die Entscheidung der ehemaligen Trainer zeigt Tim Teßmann, vom HSV-Vorstand, Verständnis. „Durch Corona hat sich gezeigt, wie viel Freizeit, man ohne ein Ehrenamt hat“, sagt er. Er berichtet, dass gerade Trainer Mangelware in Vereinen sind. „Es wird für uns immer schwieriger welche zu finden, aber auch unsere Mitglieder zu halten“, erklärt Teßmann.

Dennoch seien die Mitglieder bisher sehr loyal und wollten ihre Beiträge trotz Schließungen der Sportstätten nicht zurück. „Das wäre unser Tod“, so Teßmann. Sobald es wieder Öffnungen gibt und die Handballer wieder loslegen können, gebe es schon entsprechende Vorbereitungen: „Wir planen eine Miniball-Gruppe für die kleinen und haben 30 neue Bälle angeschafft.“

Treue, loyale Mitglieder im Sportverein

Positiv gestimmt ist auch Danny Meyer. Der Vorsitzende des Haldensleber Sportclubs (HSC): „Wir stehen trotz alledem gut da.“ Sie hätten viel Unterstützung von Sponsoren und die Mitglieder seien dem Verein bisher treu geblieben. Nur so könne der Verein am Leben gehalten werden.

Es sei schon seit Jahren schwierig Trainer und Übungsleiter zu finden, bestätigt auch Meyer. Ein Jugendspielleiter hätte mit den aktuellen Hygieneregeln noch mehr Arbeit, erklärt Meyer. Neben den Corona-Listen müsse auch der Einlass zu den Spielen kontrolliert werden. „Hier ist die Unterstützung der Eltern notwendig. Ohne sie ginge es nicht und wir brauchen ihre Hilfe mehr denn je“, so Danny Meyer.

Er kam durch seinen Sohn, der Schach spielt, in den Sportverein. Er unterstützt die Abteilung und fährt die Kinder und Jugendliche zu Wettkämpfen. „Anders wären die vielen Aufgaben gar nicht zu meistern“, meint er.

Aber nicht nur im Sport steht und fällt fast alles mit dem Ehrenamt. Auch der Verein Khepera erhalte viel Unterstützung von engagierten Mitgliedern, erklärt Sebastian Penke von Khepera. „Ungefähr 15 Leute sind wirklich sehr aktiv. Den Verein verlassen hat wegen Corona noch niemand.“ Der Verein blicke positiv in die Zukunft und auch eine Schließung sei aktuell kein Thema.

Mandy Oelke vom Deutschen Roten Kreuz ist für den Bereich Soziales und das Ehrenamt zuständig. „Das Ehrenamt ist ein großer Pfeiler des DRK mit verschiedenen Bereichen wie der Schulsozialarbeit, den Wasserwachten, der Tafel und Kleidersammlung“, erklärt sie.

Bei ihnen gestalte sich das Ehrenamt sehr unterschiedlich. Neben sehr stark engagierten Helfern, gebe es Familien, die sich bei Kinderveranstaltungen engagieren und „Hopper“, die sich zwar engagieren wollen, aber nicht so viel Zeit dafür investieren wollen.

Bei der Tafel gebe es neben ehrenamtlichen Helfern wie auch Rentern sogenannte Jobcenter-Kräfte. „Da helfen wir uns gegenseitig“, meint Mandy Oelke.

Von einem Mangel an ehrenamtlichen Unterstützern könne beim DRK nicht gesprochen werden. „Wir sind ganz gut aufgestellt“, erklärt Oelke. Ob es nicht doch den ein oder anderen Austritt wegen des letzten Jahres gebe, werde sich im Laufe des kommenden Jahres zeigen. Wichtig sei jedoch auch das bewusste Kontaktsuchen mit den Menschen. Es fände sich für jeden ein Amt, das passen würde. Dafür gebe es auch spezielle Ausbilder, die die Helfer unterstützen und betreuen.

Gefühlt hilft Karin Osterburg, die seit zwei Jahren Landesleiterin für Wohlfahrts- und Sozialarbeit ist, schon immer anderen Menschen. Sie ist nicht nur beim DRK engagiert, sondern auch bei der Volkssolidarität und im Kreisseniorenrat.

Seit sie 2009 nicht mehr arbeitet, widme sie ihre Zeit noch intensiver dem Ehrenamt. „Ich bin das von Zuhause gewohnt“, erklärt sie. Hilfsbereitschaft wurde in ihrer Familie schon immer großgeschrieben. „Für mich ist es selbstverständlich anderen Menschen zu helfen“, hält sie fest. Für sie sei die Arbeit im Ehrenamt auch nie eine Last gewesen.

Eine Entwicklung im Ehrenamtsbereich bereitet ihr dennoch Sorgen: der fehlende Nachwuchs. „Für das Ehrenamt wäre es gut, wenn es mehr jüngere gäbe“, berichtet Osterburg. Gerade in ihrem Fachbereich Soziales und Wohlfahrt stelle sie ein Nachwuchsproblem fest. Dennoch weiß sie, dass es anderen Vereinen und Organisationen teilweise nicht besser gehe.

Nachwuchsmangel ist ein Problem

Eine genaue Begründung für den fehlenden Nachwuchs hat sie nicht. Jedoch spiele das Berufsleben dabei sicher eine Rolle. Wegen Ausbildung oder Studium würden viele junge Menschen wegziehen und dann nur in den seltensten Fällen wieder zurückkommen. „Dennoch sind wir sehr bemüht“, erklärt Karin Osterburg. „Wenn sie aber einmal richtig dabei sind, bleiben sie auch bei uns.“

Lobend erzählt sie jedoch, dass viele der ehrenamtlichen Helfer trotz Corona weiterhin aktiv seien. „Sie gehen ein gesundheitliches Risiko ein, um zu helfen“, sagt Osterburg.