Haldensleben l Oliver Thiel beginnt in diesen Tagen eine Stunde eher mit seiner Arbeit. Der Hausmeister der Haldensleber Erich-Kästner-Grundschule muss an jedem Morgen sämtliche Fenster der Einrichtung auf dem Süplinger Berg aufreißen, um das Gebäude einmal durchzulüften, bevor die Mädchen und Jungen kommen. „Sonst würden wir es hier nicht aushalten“, sagt Schulleiterin Ute Lehrmann. Schon morgens klettern die Temperaturen im Schulhaus über 30 Grad Celsius, um die Mittagszeit haben die Lehrerinnen 34 Grad in den oberen Räumen gemessen. Da sei an Lernen und Konzentration nicht zu denken, erklärt Ute Lehrmann. Deshalb gab es bereits am ersten Schultag Hitzefrei für die Mädchen und Jungen.

Laut Erlass des Landesschulamtes, so erläutert die Schulleiterin, würden die Schüler bei Hitzefrei nach der fünften Stunde Schluss haben. Weil am Donnerstagmorgen aber bereits 32 Grad Celsius in einigen Räumen der Grundschule herrschten, wurde der Unterrichtsschluss schon nach der 4. Stunde, um 11.45 Uhr, eingeläutet. „Das ist voll cool. Ich werde heute gleich früher abgeholt“, freute sich zum Beispiel der neunjährige Ole Täger. Während die Kästner-Schüler das Hitzefrei begrüßten, bedeutete es für die Lehrer aber noch nicht das Ende des Arbeitstages. Sie beaufsichtigten ihre Schützlinge noch, bis der Hort begann beziehungsweise bis die Kinder von ihren Eltern abgeholt wurden.

Regelmäßige Trinkpausen

„Den Unterricht selbst gehen wir ganz in Ruhe an“, berichtet Ute Lehrmann. So würden die Lehrer große Anstrengungen für die Schüler vermeiden und auch regelmäßige Trinkpausen mit ihnen einlegen. Eine Klasse bastelte außerdem Fächer und machte kurze „Wedelpausen“. In der Grundschule „Gebrüder Alstein“, wo es ab 11.25 Uhr Hitzefrei gab, war der Trinkwasserbrunnen ein beliebter Anlaufpunkt für die Mädchen und Jungen. „Unsere Schüler füllen ihre Flaschen ständig wieder auf“, sagt Schulleiter Michael Blaschke. „Zur Zeit messen wir die Temperatur gar nicht, man fühlt ja schon, dass es viel zu heiß ist“, berichtet Sandra Lehmann, die Schulleiterin der St. Hildegard-Grundschule. Dort war ab 11.15 Uhr der Unterricht vorbei, die Kinder durften dann im Schatten spielen. Die Otto-Boye-Grundschule läutete um 11 Uhr das Ende des Unterrichts ein.

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Gleiches tat auch die Evangelische Sekundarschule. „Wir gehen das Schuljahr sowieso ruhiger an. Schon vor den Ferien stand fest, dass unser erster Schultag bis 11 Uhr dauert und der zweite um 11.40 Uhr endet“, erläutert Schulleiterin Pia Kampelmann. Nur einige Sportler mussten für ihr Training länger bleiben - da sie aber Rettungsschwimmen lernen, durften sie sich im kühlen Nass des Rollibades aufhalten.

In der Haldensleber Marie-Gerike-Sekundarschule wurden die Unterrichtsstunden verkürzt, sodass die Schüler dort am ersten Schultag ebenfalls schon mittags Schluss hatten. Auch das Professor-Friedrich-Förster-Gymnasium wird ab Freitag auf verkürzte Unterrichtsblöcke setzen, wie Schulleiter Marco Ladewig berichtet. „Unser Hausmeister misst regelmäßig die Temperaturen im Schulhaus“, erklärt er. In den oberen Stockwerken seien es 34 bis 36 Grad Celsius. Während der Altbau des Gymnasiums, ein alter Backsteinbau, sich wie ein Ofen aufheize, würden die großen Fensterfronten den Neubau der Schule zu einem Gewächshaus machen. „Die Sonne knallt voll drauf, Lüften nutzt auch nix mehr“, berichtet auch der 14-Jährige Fabian Werner. Der Neuntklässler sagt, bei der Hitze sei es mit der Konzentration nicht so einfach.

Verkürzte Unterrichtsblöcke

Weil am ersten Schultag die Eltern noch nicht über verkürzte Unterrichtszeiten der Gymnasiasten informiert waren, so sagt Marco Ladewig, werde damit erst am zweiten Unterrichtstag begonnen. Dann werden 90-Minuten-Blöcke um 30 Minuten gekürzt. Die Lehrer würden dann den Unterricht deutlich raffen müssen, für die Schüler aber bedeute die Verkürzung eine Erleichterung.

Während auch in den Berufsbildenden Schulen des Landkreises Börde von Tag zu Tag anhand der Temperaturen geschaut werde, ob die Nachmittagsblöcke des Unterrichts verkürzt werden, so erläutert Schulleiter Wolfgang Hanke, gibt es in der Förderschule für Geistigbehinderte „Johanne Nathusius“ kein Hitzefrei. „Wir haben feste Schülertransportzeiten, die können wir leider nicht ändern“, bedauert Schulleiter Sven Teßmann. Allerdings, so sagt er, laufe der Unterricht mit „angezogener Handbremse und regelmäßigen Trinkpausen“, bis die Schüler um 15.30 Uhr abgeholt werden. Auf rund 30 Grad Celsius schätzt der Schulleiter die Temperatur in den Räumen.

Auf Hitzefrei müssen auch die Schüler der Haldensleber Förderschule „Johann Heinrich Pestalozzi“ verzichten. Wie Schulleiterin Ariane Zessin-Petschull erläutert, werden dort auch keine Temperaturmessungen vorgenommen. Der Unterricht ende regulär nach der 5. Stunde.