Bösdorf l Auf den Parkplätzen stehen die Blechkarossen dicht gedrängt, alles strömt in Richtung Turnierplatz. Überall im Ort kurven Gespanne herum. Hochkonzentrierte Gesichter bei den Gespannfahrern und ihren Teams. Für die Gastgeber sind die Fahrsporttage Routine und trotzdem immer wieder eine Herausforderung.

„Alles läuft nach Plan. Das Wetter passt“, zieht Michael Müller, Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins (RFV), am Sonnabend zufrieden Bilanz.

Etwa 60 Fahrer haben angespannt. Das sind im Gegensatz zu den letzten Jahren knapp die Hälfte weniger. „Wir haben uns bewusst für diese Wettkämpfe im Zwei-und Vierspänner-Fahren der Klasse S entschieden, um auch mal neue Leute nach Bösdorf zu kriegen. Darunter sind einige Gespannfahrer, die zur deutschen Spitze gehören und schon etliche Medaillen bei Europa- oder Weltmeisterschaften eingefahren haben“, beschreibt Müller. Erfolg bei den Jugend-Europameisterschaften im Gespannfahren in Ungarn hatte vor kurzem seine Tochter Amelie.

Bilder

„Amelie ist heute nicht beim Wettkampf dabei. Eines der Ponys hat sich ein bisschen überanstrengt und braucht eine Pause“, erklärt der Vater, der mächtig stolz auf seine erfolgreiche Tochter ist.

„Unser Ziel ist unser Weg. Eine Mannschaft, eine Seele“, dieser Liedtext von der Band Santiano scheint für viele der Fahrer die Hymne zu sein. Immer wieder erklingt das Lied, als die Frauen und Männer als Leinenkünstler mit ihren Pferden und ihrem Team im rasanten Tempo über den Parcours rauschen und das kühle Nass aus dem Wassergraben hochpeitscht.

Anfeuerungen

Die Zuschauer und die Teams der jeweiligen Fahrer feuern ihre Favoriten an. Zur Musik von Depeche Mode ist auch Judith Bening mit ihrem Zweispänner auf dem Areal unterwegs. Die 18-Jährige vom Reit- und Fahrverein Krumke jagt in Begleitung ihres Vaters ihre Ponys über den Platz.

Nicht etwa auf geheimer Mission lenkt Markus Stottmeister seine vier Pferde, sondern er ist auf heimischen Boden auf Tour. Der Bösdorfer, der schon von kleinauf per Kutsche unterwegs ist, hat vor kurzem den vierten Platz bei den Deutschen Vierspännermeisterschaften in Donaueschingen geschafft.

Zum Lied „Atemlos“ von Helene Fischer laufen auch die beiden Pferde von Vater Jörg Stottmeister routiniert durch den Wassergraben. Der Bösdorfer kriegt anerkennenden Beifall vom heimischen Publikum.

„Bisher läuft alles gut. Wir hatten keinen Unfall“, beschreibt Rettungsassistentin Stefanie Schulzendorf. Gemeinsam mit ihrem Team – den „blau-gelben Schutzengeln“ vom Sanitätsdienst aus Helmstedt – ist die Einsatzleiterin von morgens bis zu dem Zeitpunkt, an dem der letzte Sportler im Ziel ist, auf dem Platz.

Reges Treiben herrscht auch am Kuchenbüfett der Bösdorfer „Futterbox“. Genussvoll stopfen sich die Gäste mit den Köstlichkeiten voll, die die Frauen des Vereins und der beteiligten Orte gebacken hatten. Im Einsatz sind auf der Strecke auch die Parcoursbauer. Vom eigentlichen Turnier kriegen viele der Helfer nichts mit. Dafür die Besucher entlang der Strecke um so mehr. „Wir sind jedes Jahr dabei, denn hier ist man als Zuschauer ganz nah am Geschehen“, erklären Marita und Heinz Wolter aus Wolfsburg.

„Wir ziehen alle an einem Strang. Ohne Helfer wäre so eine Veranstaltung über all die Jahre gar nicht möglich“, weiß Müller und bedankt sich auch bei allen Freunden und bei den Sponsoren.