Landkreis Börde l Eine innere Uhr sagt dem Feldhamster, dass der Frühling gekommen ist. Jetzt beendet er seinen Winterschlaf und buddelt sich aus seinem Winterbau heraus. Doch wo passiert dies noch? „Der Feldhamster, früher als Schädling verfolgt, verschwindet heute unbemerkt von den Feldern der fruchtbaren Böden“, sagt Saskia Jerosch, Landschaftsökologin bei der Deutschen Wildtier Stiftung.

„In Sachsen-Anhalt ist die Feldhamster-Population landesweit bereits extrem eingebrochen.“ So konnten im Rahmen eines bundesweiten Monitorings im vergangenen Jahr im Süden von Sachsen-Anhalt keine Nachweise des bunten Ackerbewohners mehr erbracht werden. Selbst in der Magdeburger Börde, ein Schwerpunktgebiet des Feldhamsters, sind die Bestände drastisch geschrumpft.

Ein Grund dafür: die trockenen Sommer der letzten Jahre. „Sie führten dazu, dass die Ernten früher als bisher üblich begannen – etwa im Juni schon“, so Jerosch.

Im Juni bringen die Feldhamsterweibchen ihren ersten Wurf des Jahres auf die Welt. Innerhalb weniger Tage verwandeln schwere Erntemaschinen dann die fruchtbaren Getreidefelder in öde Ackerwüsten. Jerosch: „Feldhamster sind dann auf ihrer Suche nach Getreidekörnern und Sämereien verloren. Sie sind zudem Fressfeinden, wie Füchsen und Greifvögeln aufgrund fehlender Deckung komplett ausgeliefert. „Der Verlust von Muttertieren in dieser Zeit ist ein Todesurteil für ganze Würfe.“

Jetzt kommt „Feldhamsterland“ ins Spiel: „Gemeinsam mit Landwirten erarbeiten wir Lösungen, damit Ackerschläge, auf denen der Feldhamster noch lebt, feldhamsterfreundlich bewirtschaftet werden können“, erklärt die Projektmitarbeiterin. Das Stehenlassen von hohen Getreidestoppeln oder das Anlegen von Blühstreifen macht schon eine ganze Menge aus. Um Schutzmaßnahmen an der richtigen Stelle auf dem Acker zu platzieren, freuen sich Jerosch und ihre Mitstreiter auch in diesem Jahr wieder über freiwillige Helfer bei den Kartierungen. Auf den großen Schlägen sind aktuell im Rahmen der Frühjahrtskartierungen viele helfende Augenpaare auf der Suche nach den charakteristischen Hamsterbauen willkommen.

Wer Lust hat mitzumachen, kann sich unter der E-Mailadresse s.jerosch@DeWiSt.de melden.

Feldhamstern geht es extrem schlecht

Saskia Jarosch von der Deutschen Wildtier Stiftung ist Sachsen-Anhalts neue Feldhamster-Beauftragte. „Ich setze mich für den Erhalt einer früher sehr zahlreichen Wildart ein, der es heute extrem schlecht geht“, sagt sie. Der Feldhamster wird mittlerweile als „vom Aussterben bedroht“ in der Roten Liste Deutschland geführt: „Kaum zu glauben, dass man mit dem Fell des bunten Nagers noch bis vor der Wende gut verdient hat und heute die Bestände bundesweit um 75 Prozent eingebrochen sind“, sagt sie.

Unterstützung in ihrer Arbeit erhält Jerosch von den Landschaftspflegeverbänden „Wittenberg e.V.“ in Kernberg und „Grüne Umwelt e.V.“ in Schwaneberg. „Wir wollen mit dem Projekt ,Feldhamsterland‘ voll durchstarten“, sagt sie. Ziel des Projektes ist es, die wenigen verbliebenen Restbestände des Feldhamsters zu stärken. „Hierfür sind wir auf die Zusammenarbeit mit Landwirten angewiesen“, erläutert die Mitarbeiterin der Deutschen Wildtier Stiftung. „Gemeinsam erarbeiten wir Möglichkeiten, wie wir dem Feldhamster Schutz und Nahrung auf unseren hochproduktiven Böden bieten können.“ Dafür müssen die Feldhamster-Beauftragten wissen, wo der wilde Hamster auf dem Acker lebt. „Denn nur wenn bekannt ist, wo der Feldhamster noch vorkommt, können konkrete Schutzmaßnahmen platziert werden. Nach Absprache mit den Landwirten suchen wir auf ihren Äckern mit Ehrenamtlichen nach den typischen faustgroßen Baueingängen des Feldhamsters“, so Jerosch.

Sachsen-Anhalt hat besondere Verantwortung

Sachsen-Anhalt besitzt mit der Magdeburger Börde und der Querfurter Platte noch eine der größten Verbreitungsgebiete des Feldhamsters in Deutschland. Vor allem die hochproduktiven Lössböden der Börde bilden die Heimat für die Art: „Der Hamster legt in diesen tiefgründigen festen Böden seine anspruchsvollen Gangsysteme mit Vorrats-, Nest- und Kotkammer an. Sachsen-Anhalt hat aufgrund des noch großen Vorkommens eine besondere Verantwortung zum Erhalt des Feldhamsters“, betont die Fachfrau.