Hundisburg l Es ist ein Thema, dass ihn viele Jahre begleitet hat. Die Zeit des Nationalsozialismus und jene danach schien im Ort Hundisburg eine Wunde hinterlassen zu haben, die einfach nicht heilen wollte. Der Hobbyhistoriker Otto Harms wühlte sich nun fast 13 Jahre lang durch die Geschichte, sprach mit mehr als 50 Zeitzeugen in ganz Deutschland. Nun hat er das Buch „Verschwiegen und verdrängt – vergessen?“ herausgegeben, um die Geschichte für die Ewigkeit zu bannen.

Der Ursprung seiner Recherche war ein kleiner, handbeschriebener Zettel mit elf Namen, den er von Ilse Senff bekam. 2007 war das. Fast verschwörerisch reichte sie ihm einen vergilbten Zettel. Hinter fünf der aufgeführten Namen stand ein Kreuz. Die Personen seien NSDAP-Mitglieder gewesen, die 1945 abgeführt worden sind. Fünf davon seien in sowjetische Lagern umgebracht worden. Ihr lag sehr daran, dass die Geschehnissen um 1945 aufgeschrieben werden.

Der Wahl-Hundisburger nahm sich dem Thema an. Es war ein Tabuthema in der DDR und auch heute bleiben viele Opfer stumm. „Viele Bürger drängten mich, die Recherche nicht mehr weiterzuverfolgen, weil das keinen interessiere“, erzählt Otto Harms. „Aber die Geschehnisse sind nicht vergessen, sie sind in vielen Familien präsent.“ Es gehöre zur Geschichte Hundisburgs, sagt der 77-Jährige. Genau deswegen habe er den Buchtitel gewählt – viele haben verschwiegen und verdrängt, aber vergessen haben sie nicht.

Gespräche mit Zeitzeugen

Bei seinen Zeitzeugengesprächen sei ihm oftmals aufgefallen, dass die Geschichten wie eine Last auf einigen Familien lagen. „Die Gespräche waren mitunter sehr emotional. Sogar die Enkel kannten sie Geschichten“, sagt Otto Harms. Herausgekommen ist ein Buch, dass die Zeit der Entnazifizierung in den Blick nimmt und die Zeitzeugen dazu sprechen lässt.

Es geht Otto Harms auch um Aufarbeitung. So ist auch ein Todesmarsch von KZ-Häftlingen, der im April 1945 durch Hundisburg führte und bei dem drei Menschen starben, ein Thema. Den drei Erschossenen wurde einst ein Denkmal gesetzt, auch wenn ihre Identitäten nicht geklärt werden konnten. Mehrmals in der Geschichte sollte das Denkmal verschwinden – doch Otto Harms setzte sich dafür ein, dass dieses Relikt der NS-Gräueltaten bleibt.

Und genau das soll auch das Buch bringen. Es wird bald nicht mehr viele Zeitzeugen geben, doch nun wurden ihre Geschichten festgehalten. „Wir dürfen niemals vergessen, was damals passiert ist“, mahnt Otto Harms.

Das Buch ist für 10 Euro im Bücherkabinett Fricke und in der Schlossinformation Hundisburg erhältlich.