Rottmersleben l Die Stromtürme in Rottmersleben und Klein Rottmersleben haben ausgedient. Nachnutzung oder Abriss durch den Stromversorger ist jetzt die Frage. Da Rottmerslebens Ortsbürgermeister Hans-Eike Weitz die Türme für ortsbildprägend hält und sie auch – nicht zuletzt wegen noch nicht lange zurückliegenden Erhaltungsmaßnahmen – seiner Meinung nach noch gut in Schuss sind, favorisiert er eine Nachnutzung. Abgesehen von der Vision, den Turm zum Wohnturm umzubauen, hat er mehrere Vereine angesprochen, ob sie einen Turm nutzen möchten. Das Interesse hielt sich in Grenzen.

„Dann habe ich einen Bericht im Fernsehen gesehen, dass solche ausgedienten Türme auch als Unterschlupf für Tiere genutzt werden können“, erklärt er. Als Partner, um diese Idee vom „Tierhotel“ möglicherweise in naher Zukunft umzusetzen, fand er Herbert Bilang. Der Colbitzer hat nicht nur auf dem Colbitzer Museumshof eine umfangreiche Eulenaustellung aufgebaut, sondern kümmert sich auch als Aktiver des Naturschutzbundes (Nabu) in Sachsen-Anhalt um andere gefiederte Freunde.

Auf mehreren Etagen Platz für Tiere

So weiß er auch, dass andere zu Quartieren für Vögel und Fledermäuse umgebaute Stromhäuser in der Region gut angenommen werden. Zum Beispiel in Barleben, Zielitz und Loitsche wurde der Umbau ausgedienter Stromtürme mit Erfolg durch den Nabu umgesetzt.

„Wir gehen dabei ja über mehrere Etagen“, erzählt Herbert Bilang bei einem Vor-Ort-Termin in Rottmersleben. Ganz unten finden die Lurche und Kriechtiere einen Unterschlupf. An der Außenmauer werden Nistkästen für Singvögel wie den Hausrotschwanz, Meisen oder den Haussperling angebaut, während auch die Fledermäuse oder Turmfalken ihr Zuhause in speziellen Kästen finden. Ebenso könnten Rauchschwalben Nistmöglichkeiten bekommen und die Schleiereule könnte sich in einer dunklen Ecke im Dachraum häuslich einrichten. Auch die Dohle, die in der Umgebung stabile Kolonien aufgebaut hat, möchte der Vogelfreund nicht vergessen. Spezielle Kästen könnten zum Beispiel am Klein Rottmersleber Turm installiert werden.

Ein Holunderbusch, der seine Zweige eben direkt neben diesem Stromhäuschen in die Höhe reckt, lässt ihn gleich auf die Rankengewächse verweisen, die an den Türmen emporwachsen könnten. An der begrünten Fassade könnten so auch Insekten einen gern angenommenen Unterschlupf finden, ebenso in einem Blühstreifen, der rund um das Trafohäuschen angesät werden könnte. „Und vielleicht kann man auch ein Insektenhotel aufstellen“, so Herbert Bilang.

Ortsrat bespricht die Idee

Erfreut zeigte sich Hans- Eike Weitz, dass bei der Einrichtung eines solchen Tierhotels kaum Kosten entstehen. Die „Wohnräume“ für die gefiederten Freunde und Fledermäuse lassen sich mit einigem handwerklichen Geschick und wenig Zeitaufwand selbst bauen. „Dann brauchen wir nur eine Bauanleitung“, gibt er Herbert Bilang voller Tatendrang mit auf den Weg. Auch für die Renovierung in den Türmen braucht es nicht viel Aufwand, nachdem die Türme auf eventuell schon ansässige Mieter kontrolliert worden sind.

Herbert Bilang sicherte auch zu, dass die Naturschützer das „Leben“ in und an den Türmen regelmäßig beobachten. Wenn der Ortschaftsrat nächste Woche in Rottmersleben tagt, will Hans-Eike Weitz seine Idee vorstellen. Auch seitens des Gemeinderates der Gemeinde Hohe Börde hofft er auf Unterstützung.