Haldensleben l Für Michael Krecher ist es auch ein Phänomen des Zeitgeistes. Der aktuelle Boom bei den Mitgliederzahlen der Imkervereine habe auch etwas mit dem aktuellen „Hype“ um das Thema Umweltschutz zu tun, vermutet der 57-Jährige Neuimker aus Haldensleben. Ob er sich selber mit seinem neuen Hobby auch als Naturschützer verstehe? „Es geht mir natürlich auch um die Umwelt“, sagt Krecher.

Tatsächlich ist die Biene mancherorts ein Wappentier für den Naturschutz, so etwa beim Volksbegehren für mehr Artenschutz in Bayern, das im vergangenen Jahr zehntausende Menschen unterschrieben haben. Speziell für die Honigbiene in Sachsen-Anhalt lässt sich allerdings konstatieren: Die Zahl der Völker nimmt seit Jahren deutlich zu.

So verzeichnete das Umweltministerium des Landes im Jahr 2013 noch rund 1200 Imker mit etwa 10.000 Bienenvölkern in Sachsen-Anhalt. Heute haben sich beide Zahlen mehr als verdoppelt. In diesem Jahr vermeldete das Ministerium 2800 Imker im Land, sie kümmern sich um mehr als 23.000 Bienenvölker.

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Der Boom der Bienenzucht ist auch im Haldensleber Imkerverein zu spüren. Der Vereinsvorsitzende Ralf Bertram belegt das mit Zahlen: Im Jahr 2002 habe der Imkerverein noch 22 Mitglieder gezählt, 2016 seien es schon 86 gewesen. Heute sind es laut Bertram 107. Zudem seien zuletzt zwölf neue Mitlgiedsanträge eingegangen, womit sich die Zahl auf 119 erhöhen könnte.

„Es ist ein Boom“, bestätigt Bertram. Auch er macht ein verändertes Umweltbewusstsein bei vielen Menschen dafür mit verantwortlich. Die Corona-Krise verstärke den Trend. „Wegen Corona zieht es viele Leute in die Natur“, sagt Ralf Bertram, einige fänden in der Imkerei ein naturnahes neues Hobby.

Auch der Imkerverein Wolmirstedt verzeichnet immer mehr Mitglieder. Wie Vereinsmitglied Dietmar Sauerbrey berichtet, sei die Zahl dort in den vergangenen fünf Jahren von 10 auf heute etwa 30 gestiegen.

Immer mehr junge Imker

Zudem werden die Imker in Sachsen-Anhalt immer jünger. Laut Umweltministerium sank ihr Durchschnittsalter im Land seit 2011 von 63,3 Jahren auf aktuell 59 Jahre.

Julian Elstner hat vor vier Jahren mit dem Imkern begonnen. Unterstützt werde er dabei von einem Imkervater, berichtet der 14-jährige Barleber, der kürzlich dem Wolmirstedter Imkerverein beigetreten ist und demnächst bei Bertram in Haldensleben einen Imkerkurs besuchen will. Ob er sich als Naturschützer verstehe? „Eher als Naturfreund“, sagt er. Bienen faszinierten ihn, zudem könnten sie die Erträge in der Landwirtschaft steigern, betont er.

Neuimker Krecher aus Haldensleben hat seinen Imkerkurs im vergangenen Jahr absolviert. Er lerne aber weiterhin viel dazu, betont er. Mit einem wilden Schwarm habe er vor zwei Jahren begonnen. Herausgekommen sei in diesem Jahr ein Honigertrag von etwa 40 Kilogramm, berichtet Krecher. Um die Erträge gehe es ihm allerdings weniger, erst einmal sei es wichtig, Völker aufzubauen und durch den Winter zu bringen. In seinem Garten an der Haldensleber Stadtmauer kümmert sich Krecher um acht Völker.

Das seine Bienen auch stechen, schreckt Krecher nicht ab. Acht Mal sei das in den vergangenen zwei Jahren passiert, berichtet er.