Haldensleben l Für Hauskäufer wird Haldensleben immer teurer. Das geht aus Zahlen von Immobilienscout 24 hervor, einem der größten Portale für Immobilienanbieter in Deutschland. Demnach sind die Hauspreise in den vergangenen vier Jahren in der Stadt um etwa 36 Prozent gestiegen – und damit stärker als etwa in Magdeburg (+33 Prozent), Halle (+23) oder Stendal (+20). Selbst in München (+32) oder Hamburg (+30) haben die Preise für die über das Portal angebotenen Häuser weniger stark zugelegt.

Allerdings spielt Haldensleben wie auch die anderen Städte in Sachsen-Anhalt preislich in einer anderen Liga als die Millionenstädte. In München wurden Häuser im zweiten Quartal dieses Jahres laut dem Portal durchschnittlich für rund 9250 Euro pro Quadratmeter angeboten. In Haldensleben waren es im gleichen Zeitraum 1600 Euro. Im gesamten Bördekreis lag der Schnitt bei knapp 1400 Euro, in Magdeburg bei 2000 Euro.

Damit setzt sich in Haldensleben eine Entwicklung fort, die bereits im Wohnungsmarktbericht Sachsen-Anhalts vom vergangenen Jahr mit Zahlen beschrieben wurde. Seit dem Jahr 2012 steigen in der Stadt die Kaufpreise für Ein- und Zweifamilienhäuser jahrlich um etwa acht Prozent.

Größere Wohnungen sind gefragt

„Es gibt aktuell kaum verfügbare Wohnimmobilien. Es ist unfassbar schwer“, berichtet Florian Grabowski. Er ist Chef des Haldensleber Unternehmens Grabowski Immobilien. Im vergangenen Jahr hat Grabowski sieben Häuser verkauft. Derzeit bietet die Firma fünf Häuser und eine Wohnung zum Verkauf an. Einen Grund für den Mangel an geeigneten Wohnimmobilien sieht Grabowski in der wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. „Es sind mehr Leute dazugekommen“, betont er, es gebe auch wieder mehr Kinder. Darin sieht er auch die Nachfrage nach größeren Mietwohnungen begründet. „Der Trend geht zu größeren Wohnungen mit vier oder fünf Zimmern“, sagt Grabowski. Grundsätzlich habe er derzeit keine Probleme, Wohnraum in der Stadt zu vermieten. Im Durchschnitt vermittle die Firma jährlich etwa 50 Wohnungen neu.

Auch die Angebotsmieten sind in Haldensleben gestiegen, allerdings vergleichsweise moderat. Laut dem aktuellen Wohnungsmarktbericht legten sie seit 2012 jährlich zwischen 1,5 und zwei Prozent zu. Im Portal Immobilienscout 24 wird der in Haldensleben angebotene Quadratmeter Wohnraum durchschnittlich für etwa 6,50 Euro (kalt) angeboten. Die Mietsteigerung lag laut dem Portal in den vergangenen vier Jahren bei etwa neun Prozent.

„So eine Steigerung hat Berlin in einem Jahr“, wiegelt Dieter Naumann ab. Er ist Geschäftsführer der Wobau Haldensleben. Für gravierend hält er eine solche Steigerung mit Verweis auf die jährlichen Inflationsraten und Lohnsteigerungen nicht.

Die Wobau verwaltet in der Stadt rund 2000 Wohnungen, 1650 davon zählen zum Eigentum des städtischen Tochterunternehmens. Laut Naumann sind die Mieten bei der Wobau in den vergangen vier Jahren um sechs Prozent gestiegen. Aktuell liegt der durchschittliche Mietpreis bei 4,81 Euro (kalt) pro Quadratmeter. Naumann betont, der Haldensleber Wohnungsmarkt sei weiterhin ein „Mieter-Markt“. Vermieter müssten sich in der Stadt um Mieter bemühen, in Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt sei das umgekehrt.

Leerstand im Vergleich gering

Leer stehen bei der Wobau laut Naumann allerdings nur 7,5 Prozent der Wohnungen. Ein eher niedriger Wert für Sachsen-Anhalt, wie der Wobau-Chef betont.

Noch etwas niedriger ist die Leerstandsquote bei der Wohnungsbaugenossenschaft „Roland“ (WBG). Bei knapp sieben Prozent habe sie zum Ende des Jahres 2018 gelegen, berichtet Angelika Klocke, die kaufmännische Leiterin der Genossenschaft. Insgesamt besitzt die WBG 1150 Wohnungen im Stadtgebiet. Die durchschnittliche Kaltmiete liegt bei 4,70 Euro. In drei Jahren ist die Miete bei der WBG laut Klocke um 3,3 Prozent gestiegen.

Angespannt sei der Wohnungsmarkt in Haldensleben nur in bestimmten Segmenten, sagt Klocke. Leer stünden vor allem Wohnungen in oberen Etagen auf dem Süplinger Berg, erläutert Klocke. Hingegen gebe es für Wohnungen im Altbaugebiet Wartelisten.