Haldensleben l Haldenslebens stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Wendler hat die Neuigkeit auf der jüngsten Sitzung des Stadtrates bekannt gegeben. Andreas Radeck von der Abteilung Stadtmarketing und Kommunikation teilte auf eine Nachfrage hin weitere Details mit. Demnach sollte das Projekt eigentlich erst 2019 allmählich auslaufen. Aber auch wenn die Stadt die benötigten Eigenmittel in den Haushalt eingestellt habe – ohne Förderung sei das Zentrumstraining nicht finanzierbar. Mithilfe des Citymanagers solle die bisherige Arbeit trotzdem einen sinnvollen Abschluss finden.

Der Reihe nach: Ende 2016 wurde das auf drei Jahre angelegte Projekt ins Leben gerufen. Dafür beauftragte die Stadt das Unternehmen Consilium aus Berlin. Das Ziel bestand darin, die Haldensleber Händler in Sachen Marketing so fit zu machen, dass sie nach Ablauf der drei Jahre in Eigenregie weitermachen können sollten – ohne weitere Unterstützung von außen. Als Kosten waren rund 230.000 Euro eingeplant. Zwei Drittel davon sollten als Fördermittel aus dem Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ fließen.

Blick von außen auf die Innenstadt

Zunächst führten Mitarbeiter der Firma Consilium unter anderem Gespräche mit Händlern und Gastronomen. Dabei ging es darum, einen Überblick zu gewinnen, welche Stärken und Schwächen Haldensleben aufweist. Später kam ein sogenanntes Innovationsteam mit Experten aus verschiedenen Bereichen in die Stadt, um neue Ideen ins Spiel zu bringen. Es fanden zwei Workshops statt – einer mit den Händlern und Vertretern von Industrieunternehmen und einer mit Rathaus-Mitarbeitern. „Aufgezeigt wurden die Funktionsschwächen der Innenstadt als Zentrum. Es wurden Ideen zusammengetragen, um unter anderem die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu steigern, das Angebot für Jugendliche, Familien, Gutverdienende und Auswärtige zu verbessern“, führt Andreas Radeck aus.

Insgesamt fand Marc Schwade als Geschäftsführer von Consilium durchaus deutliche Worte. Er attestierte Haldensleben unter anderem „schwaches Marketing, Dienstleistungen ohne Besonderheiten“ sowie „keine schlagkräftige Händlergemeinschaft“. Gleichzeitig betonte er: „Es gibt in Haldensleben ein unglaubliches Potenzial und viele Akteure. Die müssen zusammengebracht werden.“ Doch nun ist das Projekt zu Ende.

Bisher 129.000 Euro für Projekt bezahlt

Wie Andreas Radeck mitteilt, wurden bisher 129.000 Euro bezahlt. Die dafür geleistete Arbeit sieht die Stadtverwaltung positiv: „Die Consilium Strategieberatung hat sehr wertvolle Vorarbeit geleistet. In vielen innenstadtrelevanten Bereichen hat die Zuarbeit des Zentrumstrainings zu neuen Ansätzen geführt. So wird zum Beispiel die Neumöblierung der Hagenstraße angestrebt und soll in einem breiten Prozess diskutiert werden, ebenso wie die Gestaltung des Regionalmarktes“, teilt Andreas Radeck mit. „Außerdem wissen wir nun, dass wir in der Innenstadt ein moderneres Erscheinungsbild brauchen und dass ein Branchenwechsel notwendig ist, um mehr Angebote zu schaffen, die regelmäßig in Anspruch genommen werden.“

Darüber hinaus sollen nach dem Ausscheiden von Consilium die bisherigen Impulse trotzdem genutzt werden. An dieser Stelle kommt Haldenslebens Citymanager ins Spiel. Marc Schwade hatte seinerzeit selbst angeregt, diese Stelle zu schaffen. Damals bestand der Gedanke darin, einen direkten Ansprechpartner in der Verwaltung zu haben, der das Projekt zusätzlich unterstützt. Zu einem neuen Zentrumstrainer solle der Citymanager jetzt aber nicht werden, wie Andreas Radeck betont.

Fördermittel umgeschichtet

„Nachdem keine weiteren Fördermittel bewilligt wurden, hat die Verwaltung wie angekündigt Fördermittel innerhalb der Städtebauförderung ‚umgeschichtet‘, um das Projekt sinnvoll abschließen zu können“, erläutert Andreas Radeck. „Dabei wurden die Konzepte für die Projekte ,Veranstaltungen zur Profilstärkung Innenstadt‘ und ,Aufwertung des öffentlichen Raums durch Licht und Dekorationen‘ weiter entwickelt.“

Ein erstes Ergebnis sei die Aufwertung der Veranstaltung „Beach am Markt“ zu einem Zwei-Tages-Event mit einem sportlichen und unterhaltsamen Charakter gewesen. Für 2019 sei die Aufwertung vorhandener Veranstaltungen mit zusätzlichen Elementen geplant. „Die Umsetzung der Projekte kann aus der Verwaltung heraus geleistet werden, vor allem mit Hilfe des Citymanagers, der zudem auch als Ansprechpartner für die Händler fungiert.“

Citymanager ist Ansprechpartner

Die Sicht der Händler auf das Zentrumstraining ist mehrschichtig. „Herr Schwade hat die Lage hier hervorragend analysiert und gute Ideen eingebracht“, sagte beispielsweise Kathrein Schätzing. Sie ist die zweite stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Wir für euch“. In diesem haben sich Haldensleber Geschäftsleute zusammengeschlossen. Wie Kathrein Schätzing weiter ausführt, seien einige der Ideen von Consilium aber schwer umsetzbar gewesen. Auf der anderen Seite habe Marc Schwade auch keine leichte Aufgabe gehabt. Nach wie vor sei es wünschenswert, dass der Zusammenhalt innerhalb der Händlergemeinschaft weiter wachse. Positiv an dem Projekt sei auf jeden Fall die intensive Unterstützung der Geschäftsleute durch die Stadtverwaltung gewesen – vor allem durch Nicole Job von der Wirtschaftsförderung.

Wichtig sei zudem, dass es mit dem Citymanager weiterhin einen zentralen Ansprechpartner gebe. Die Zusammenarbeit mit ihm könnte zudem den Vorteil haben, dass er stets vor Ort und mit den vorhandenen Problemen unmittelbar vertraut ist.