Haldensleben l Zwei Dinge sind Fakt: Der Integrative Sportverein Haldensleben hat wegen formeller Fehler seine Gemeinnützigkeit verloren und er ist pleite. „Der ISV hat Insolvenz angemeldet“, gab Haldenslebens stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Wendler bei der jüngsten Sitzung des Schul-, Sozial-, Kultur- und Sportausschusses Auskunft. Denn die Ausschussmitglieder sollten über den aktuellen Stand der Dinge aufgeklärt werden. Deshalb fanden sie sich auf dem Althaldensleber Sportplatz ein. Die Zukunft dieser Sportstätte ist nämlich fraglich.

Vor vielen Jahren hatte der ISV einen Pachtvertrag mit der Stadt abgeschlossen. Der Verein ist Nutzer des Sportplatzes samt Gebäuden, dafür übernimmt er die Pflege und Erhaltung und sorgt für die Verkehrssicherheit. Wegen finanzieller Probleme konnte der ISV diese Aufgaben zuletzt aber nicht mehr bewältigen. Dabei hatte er laut Aussage der Haldensleber Stadtverwaltung mehrmals Hilfe erhalten.

Auf Nachfrage der Volksstimme heißt es aus der Presseabteilung der Stadt, der Integrative Sportverein habe beispielsweise auf Basis eines Stadtratsbeschlusses von 2013 20.000 Euro Materialkosten für den Ausbau eines Mehrzweckgebäudes bewilligt bekommen. Den Bau habe der ISV weitestgehend in Eigenleistung erbringen wollen. Der Sportausschuss habe 2014 noch weitere 4500 Euro für die Arbeiten genehmigt. Leider hätten die bewilligten Mittel entgegen der Planung des Vereins nicht für den Innenausbau gereicht, so dass das Gebäude bis heute nicht fertig ist. Ronald Picht, Vorsitzender des ISV, erläuterte beim Treffen des Sozialausschusses, dass Faktoren wie plötzlich abgesprungene Baufirmen die Fertigstellung des Gebäudes verhindert hätten. Sabine Wendler erklärte, dass dem ISV auch über die Bezuschussung des Gebäudes hinaus Hilfe zuteil wurde. So habe die Stadt im Winter den Tank mit Heizöl befüllt und unmittelbar vor dem Stadtteilfest „Olln lebt“ eine Tür erneuert, die durch einen Einbruch zerstört worden war.

Abteilung Fußball geschlossen

Trotz dieser Hilfen war der Sportverein nicht wieder auf die Beine gekommen – nachdem die Abteilung Fußball im vergangenen Jahr geschlossen worden war, blieben nur noch die Sparten „Behindertensport“ und „Casting“ (Trockenangeln, Anm. d. Redaktion) übrig. Rund 30 Mitglieder seien dem Verein damit noch erhalten geblieben, die zwar tatkräftig bei der Pflege des Sportplatzes mitgeholfen hätten, aber die finanzielle Situation nicht mehr hätten ändern können.

„Es ist wirklich bedauerlich, dass es so weit gekommen ist“, äußerte nun Klaus Czernitzki (Die Linke) als Vorsitzender des Sportausschusses. Aus rechtlicher Sicht sei die Stadt ihm zufolge aber gezwungen, den Vertrag mit dem Verein zu kündigen. „Die Gemeinnützigkeit des Vereins fehlt und er ist insolvent. Der Stadt bleibt also nichts anderes übrig“, so Czernitzki. Weil der Sportausschuss aber keine Beschlüsse treffen dürfe, sei die Vertragsangelegenheit letztlich im Stadtrat zu beschließen.

„Uns sollte aber interessieren, was mit dem Sportplatz passiert, wenn der Pachtvertrag mit dem ISV gekündigt ist“, so Czernitzki. Sabine Wendler signalisierte daraufhin, dass die Stadt nicht darauf spekuliere, den Platz zu schließen. „Aber wir haben den Vertrag mit dem Verein damals geschlossen, weil wir die Nebenkosten nicht selbst tragen können. Wir haben erst kurzfristig erfahren, dass der ISV insolvent ist, ein neues Nutzungskonzept haben wir daher leider noch nicht in der Tasche“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin.

Vorschläge für die weitere Nutzung kamen unterdessen von den anwesenden Ausschussmitgliedern. „Könnte man nicht eine Ausschreibung machen, um noch einen anderen Verein mit ins Boot zu holen?“, fragte Nadine Brennecke (AfD). Die Sportvereine der Stadt seien alle bereits in Sportstätten untergebracht, der Bedarf bestehe also nicht, antwortete Ulf Dreyer, Sachgebietsleiter der Abteilung Jugend und Sport der Stadtverwaltung. Boris Kondratjuk (Bürgerfraktion), der in Vertretung erschienen war, plädierte dafür, dem ISV wenigstens ein Jahr lang die Chance zu geben, mit einem neuen Vorstand wieder auf die Füße zu kommen und ihm deshalb die benötigten rund 5000 Euro für die Nebenkosten zu geben.

Verein ist nicht mehr förderfähig

„Das geht nicht, denn der Verein hat seine Gemeinnützigkeit verloren und ist insolvent. Damit ist er nicht mehr förderfähig“, erklärte Anja Reinke (Grüne). Ihr zufolge sei es außerdem utopisch, anzunehmen, dass für die Rettung des Sportplatzes nur die Nebenkosten von 5000 bis 7000 Euro reichen würden. „Es wären bauliche Maßnahmen zur Fertigstellung von Gebäuden nötig und es muss viel Arbeitsleistung in das Objekt gesteckt werden“, sagte sie. Die Stadträtin äußerte die Idee, einen neuen Verein zu gründen und noch einmal neu anzufangen. Auch dieser brauche aber ein plausibles Nutzungskonzept, das zeige, dass der Platz voll ausgelastet werde, antwortete Sabine Wendler.

Einen ganz anderen Vorstoß wagte Reinhard Schreiber, der als Gast und langjähriges früheres Mitglied des ISV anwesend war. Er erklärte, der Sportplatz gehöre zu Althaldensleben, wie der Lindenplatz oder der Adlerplatz auch. Deshalb müsse er erhalten werden. Mehr noch – die Stadt solle den Sportplatz und die Gebäude wie ursprünglich geplant barrierefrei gestalten. Laut Schreiber sollte man sich vielleicht von dem Nutzungskonzept als reine Sportstätte frei machen und einen anderen Ansatz finden. Veranstaltungen wie „Olln lebt“ würden zeigen, dass mehr in dem Platz stecke, als eine rein sportliche Nutzung.

Die Räte einigten sich schließlich darauf, dass am Ende nur die Stadt selbst sowie der Sportverein vernünftige, zukunftsfähige Nutzungskonzepte für den Sportplatz entwickeln könnten. Sie drangen darauf, dass beide Parteien sich dazu noch einmal Gedanken machen.

Die Stadtverwaltung hatte sich immerhin schon um die Sportler Gedanken gemacht, die mit Auflösung des Integrativen Sportvereines keine Trainingsstätte mehr hätten. „Die Alten Herren sind nach Auflösung der Abteilung Fußball ja bereits nach Hundisburg ausgewichen. Die übrigen Sportler könnten auch andere Sportplätze in Haldensleben nutzen“, sagte Ulf Dreyer. So könnten die Casting-Sportler, die für ihr Angeltraining viel Platz bräuchten, in Uthmöden trainieren. Einzig für die Behindertensportler sei noch keine Lösung gefunden, weil zu ihrer Trainingszeiten alle städtischen Sportstätten ausgelastet seien.