Haldensleben l „Herzlich willkommen im ersten Suspendierungsclub in Haldensleben!“ Schon die „verhaspelte“ Begrüßung von Ernst-Ulrich Kreschel und Sabine Münz machte schnell klar, welches Thema den ersten Satireclub in Haldensleben bestimmen würde. Denn die Magdeburger Kabarettisten wären nicht die Kugelblitze, wenn sie nicht schnell auf aktuelle Entwicklungen reagieren würden. Keine 48 Stunden nach dem Beschluss des Stadtrates von Haldensleben, Bürgermeisterin Regina Blenkle vorläufig zu suspendieren, hatten die Kabarettisten ihr Programm angepasst.

„Wir wollten den Slogan schon ändern: ,Wer kommt, wird suspendiert‘. Es kann eben nicht jeder bleiben“, sagte Ernst-Ulrich Kreschel in Anspielung auf den Werbeslogan der Stadt und den Titel des Kugelblitze-Programms zum 1050. Geburtstag von Haldensleben, „Wer kommt, bleibt“. Und dass sich der Rathaus-Streit der Rolandstadt schon bis nach Berlin herumgesprochen hat, zeigte Sabine Münz als Bundeskanzlerin Angela Merkel, die an einer Abschiedsrede für die Bürgermeisterin arbeitete. „Eineinhalb Jahre Regierung Blenkle... Was für eine Quälerei. Also, ich meine die Arbeit an der Rede!“, so „Angela Merkel“. Dabei könnte sie es sich doch so einfach machen: Einfach die Abschiedsrede von Bundespräsident Christian Wulff nehmen. „Der hielt sich auch so lange“, bilanzierte sie.

Weit länger hat sich die Stadt Haldensleben gehalten. „1050 Jahre – Wie lange sich solche Bördenester gegen den Tod wehren! Und dann heißen die hier auch noch alle was mit -leben.“ Die Kugelblitze teilten zur Freude des Publikums ordentlich aus. Satire muss eben auch weh tun.

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Mehrere Gastauftritte

Mit ihrem Satireclub haben die Kugelblitze ein neues Format aufgelegt. Nicht sie allein sind die Protagonisten des Abends, sondern sie laden sich dazu Kabarettisten, aber auch lokale Gäste aus der Kleinkunstszene ein, um mit ihnen auf dem Talksofa über Sinniges und Unsinniges zu plaudern.

Und so nahm auch die Puppenspielerin Cornelia Fritzsche aus Dresden auf dem Sofa Platz. Sie hatte ihr aktuelles und preisgekröntes Programm „KaBaRatte sich wer kann“ mitgebracht. Star des Programms ist hier „Ursula von Rätin“, eine leicht versnobte Ratte aus dem Theatermilieu, die aus ihrem Leben berichtete. Gestartet und gefeiert als russische Star-Ratte fristete sie im Fundus des Theaters eine trauriges Dasein, bis sie durch Puppenspielerin Cornelia Fritzsche entdeckt und wiederbelebt wurde – als „Ursula von Rätin“.

Mit spielerischem Können, aber vor allem mit ihrer stimmlichen Wandlungsfähigkeit überzeugte die Dresdnerin. Vom russischen Akzent bis zum „Dialog“ eines sächsischen Ehepaars über Fußball – die Dresdnerin hatte die Lacher des Publikums auf ihrer Seite.

Lokalkolorit zog im Satireclub mit Thomas Becker ein. Der Haldensleber spielt im „Turmtheater“ mit und ist vielen Haldenslebern bereits bekannt. Im amüsanten Talk mit den Kugelblitzen berichtete er über sich, seine Arbeit und das Schauspiel-Hobby.

Haldensleber Eigenheiten

Das vergangene und aktuelle Stadtgeschehen spielte dann in seinem Auftritt natürlich auch eine Rolle. So hatte er unter anderem seine ganz eigene Neujahrsansprache der Haldensleber Bürgermeisterin mitgebracht, in der so einige von ihr getroffenen Personalentscheidungen aufs Korn genommen wurden.

Aber auch Haldensleber Eigenheiten waren Thema. So etwa das Kunstwort HUPE für die Haldensleber Gewerbemesse. Die Kugelblitze taten sich schwer, aus dem Abkürzungsunwort den Titel „Haldensleber Unternehmen präsentieren exklusiv“ herzuleiten.

Gut zweieinhalb Stunden – mit Pause – unterhielten die Kugelblitze und ihre Talkgäste ihr Publikum. Ab und an kamen dabei ein paar Längen auf. Das war aber sicher dem Umstand geschuldet, dass der eigentlich mit eingeladene Schauspieler und Kabarettist Hans-Jürgen Silbermann nicht kommen konnte. Er war erkrankt – oder wie es Ernst-Ulrich Kreschel sagte: „Traurigerweise suspendiert“.

Im April sind die Kugelblitze wieder in Haldensleben zu Gast. Dann präsentieren sie ihr neues Programm „Ihr habt sie doch nicht alle“ in der Kulturfabrik.