Haldensleben l Es vergehen nur ein paar Minuten, bis Dr. Marina Zivcec ins Innere des Patienten schauen kann. Denn künftig vergehen nur Millisekunden, bis die Aufnahmen eines Patienten auf dem digitalen Lichtkasten der Chefärztin der Radiologie aufploppen. Und das, obwohl die Aufnahme in der Notaufnahme des Haldensleber Ameos-Klinikums gemacht wurde, wenige Meter von der Radiologie entfernt. Möglich macht das eine neue Röntgenanlage, die digital arbeitet.

Aus der medizinischen Diagnostik sind Röntgenstrahlen nicht mehr wegzudenken. Zwischen 30 und 100 Röntgenaufnahmen werden in der Notaufnahme des Ameos-Klinikums Haldensleben täglich gemacht. Heute ist die Aufnahme eines Röntgenbildes meist Routine. Vor 125 Jahren gab es verwaschen aussehende Schwarz-Weiß-Bilder, die von einem oder wenigen Ärzten betrachtet wurden. Heutige Computertomographen nehmen zahlreiche hochaufgelöste 3D-Bilder des Patienten auf.

Neue Anlagen in der Notaufnahme

„Im Prinzip ist es eine konventionelle Röntgenanlage gekoppelt mit moderner Technik“, sagt Krankenhausdirektor David Kayser. Die erste von zwei neuen Röntgenanlagen steht nun in der Notaufnahme bereit, um den Patienten zu durchleuchten. Die vorherigen Geräte waren bereits 15 und 18 Jahre alt und damit schon alte Hasen im medizinischen Bereich.

Das neue Hightech-Gerät ist im gesamten Röntgenraum beweglich. Das hat Vorteile bei bestimmten Aufnahmen wie beispielsweise vom Oberkörper. So kann die Lunge eines Patienten im Stehen geröntgt werden, da der Oberkörper dann nicht zusammensinkt. An dem eigentlichen Vorgang des Röntgens ändert sich nichts.

Nach wie vor wird ausschließlich der betroffene Bereich am Körper geröntgt. Liegt also eine Verletzung am Knöchel vor, wird nicht das gesamte Bein geröntgt, sondern der Bereich der Verletzung.

Niedrigere Röntgendosis

Zudem arbeiten die Geräte mit einer niedrigeren Röntgendosis. Das kommt den Patienten zugute, denn die elektromagnetische Strahlung ist zwar nicht lebensgefährlich, aber eben trotzdem schädlich für den menschlichen Körper. Doch nicht nur die Patienten haben einen Vorteil, sondern auch die Mediziner, die mit dem Gerät arbeiten.

Vorher wurden die Röntgenaufnahmen auf einer Speicherfolie gespeichert, die anschließend ausgelesen werden musste. Bei den neuen Geräten fällt diese Speicherfolie weg, stattdessen wandert das Bild nach der Aufnahme in die digitale Akte des Patienten und ist binnen Sekunden aufrufbar.

Kurze Wege dank digitaler Arbeit

Darauf kann Dr. Marina Zivcec dann zugreifen und den Befund erheben. „Diese kurzen Wege sind sehr wichtig bei der Notfalldiagnostik“, sagt Marina Zivcec. Nachdem die Chefärztin festgestellt hat, welche Verletzung beim Patienten vorliegt, kann ein Arzt an anderer Stelle des Klinikums dann wiederum digital auf den Befund zugreifen und die nächsten Schritte einleiten, die zur Genesung des Patienten beitragen.

Dabei wird die Diagnostik in Zukunft ebenfalls einfacher, denn die neuen Röntgenanlagen arbeiten mit einer höheren Bildauflösung. Damit sind noch so kleine Risse beispielsweise im Knochen sichtbar, die bei Aufnahmen mit alter Technik vielleicht schwieriger zu erkennen gewesen wären. Mit einer Art Bildstabilisator, wie ihn auch viele Smartphones heutzutage haben, werden kleine Wackler bei der Aufnahme ausgebessert und das Bild scharf gestellt.

Nun wartet auf das Personal noch eine Einweisung für das Arbeiten mit dem neuen Gerät. Insgesamt acht Medizinisch-technische Radiologieassistenten arbeiten im Ameos-Klinikum in Haldensleben. Das sind die einzigen Personen, die Patienten röntgen dürfen, weil sie eine spezielle Ausbildung dafür absolviert haben.