Satuelle l „Wie geht es weiter mit der Dachsburg?“ Diese Frage kam während der Einwohnerfragestunde in der jüngsten Sitzung des Satueller Ortschaftsrats auf. Im Februar dieses Jahres hatte es zum Schießstand am Ortsrand von Satuelle ein Treffen im Haldensleber Rathauses mit Vertretern des Ortsrates, den Schützen, des Landkreises und der Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates gegeben. Über das Ergebnis ist Stillschweigen vereinbart worden – und geschwiegen wird seitdem noch immer.

Doch das Thema brennt den Satuellern unter den Nägeln, sie wollen nach wie vor den Schießstand am liebsten loswerden. Dazu hatte es bereits einen Vorstoß des Satueller Ortschaftsrats gegeben. „Wir hatten den Vorschlag unterbreitet, dass das Pachtverhältnis mit dem Schießstandverein aufgelöst wird“, erklärt dazu Ortsbürgermeister Mario Schumacher (CDU).

Doch das liegt nicht in der Kompetenz des Ortschaftsrates. „Darüber muss der Stadtrat entscheiden“, so Schumacher weiter. Er hatte im Herbst 2019 die Vertragsauflösung in den Stadtrat als Beschlussvorlage eingebracht. „Es zeichnete sich in der Diskussion jedoch keine Mehrheit dafür ab. Daher habe ich die Vorlage zurückgezogen in der Hoffnung, sie zeitnah wieder auf den Tisch zu bringen“, meint er.

Damit wollte er die Sechs-Monats-Frist umgehen. Die greift, wenn der Stadtrat über eine Vorlage abgestimmt hat. Diese darf dann erst wieder nach sechs Monaten neu auf die Tagesordnung kommen. „Naja, und dann kam Corona, so dass wir darüber nicht mehr sprechen konnten“, sagt der Ortsbürgermeister.

Mehr Sportschützen als Jäger

Die Situation vor Ort ist unverändert. „Der Schießstand ist regelmäßig in Betrieb“, weiß Schumacher aus Erfahrung. „Früher wurde an einem Wochenende geschossen, dann war für zwei bis drei Wochenenden Ruhe. Das ist jetzt nicht mehr so.“ Der Lärm gehe seiner Meinung nach mehr von den Sportschützen als von der Jägerschaft aus. „Die Jägerschaft hat zudem andere Möglichkeiten für die Ausbildung“, unterstreicht er.

Besonders das Trapschießen stört die Satueller. „Dafür gibt es keinen Schallschutz, der Lärm dringt bis ins Dorf“, meint Schumacher. Das Trapschießen sei aber eine Teildisziplin für die Jägerprüfung, erklärt Stefan Kegel vom Vorstand des Schießstandvereins Dachsburg. Ebenso üben Jäger diese Disziplin auf der Dachsburg in Vorbereitung auf die Wettkämpfe im jagdlichen Schießen. Dafür liege auch eine Genehmigung vor.

„Kugeldisziplinen werden dagegen woanders geschossen“, führt Kegel weiter aus. Denn dafür hat der Schießstand keine Genehmigung. Deshalb plant der Schießstandverein den Bau einer Multifunktionsbahn, auf der diese Disziplin geschossen werden darf. Das jedoch lehnen die Satueller ab.

Das Vorhaben des Schießstandvereins soll mit Fördermitteln umgesetzt werden. Doch die Anträge können nicht gestellt werden, so lange die Stadt als Eigentümerin des Schießstands keine Position dazu bezieht. Und die steht nach wie vor aus. „Der Pachtvertrag besteht weiterhin. Weitere Anträge sind von Seiten des Pächters nicht gestellt“, heißt es dazu aus dem Haldensleber Rathaus.

Waldkindergarten als Nachnutzer vorstellbar

„Die einfachste Lösung“, so ist Mario Schumacher überzeugt, „wäre die Kündigung des Pachtverhältnisses. Heute wäre der Bau eines solchen Schießstandes unter den aktuellen Gegebenheiten gar nicht mehr zulässig.“

Er meint damit nicht nur den fehlenden Lärmschutz, sondern auch die unmittelbare Nähe zum Satueller Waldkindergarten. Im Hinblick auf eine mögliche Erweiterung des Kindergartens hält er die Dachsburg für das ideale Gelände, wenn sie nicht mehr als Schießstand genutzt werden würde. „Dann hätten wir auch gleich eine vernünftige Nachnutzung“, argumentiert er.

Für ihn sei der Waldkindergartenbetrieb auf dem umzäunten Gelände des Schießstandes zudem sicherer. Denn laut Schumacher sollen in jüngster Vergangenheit wieder vermehrt Spuren des Wolfes auch in der Nähe des Kindergartens gefunden worden sein. Und die ehemalige Gaststätte, die sich auf dem Schießstandgelände befindet, könne seiner Ansicht nach im Notfall als Wetterschutz für die Kinder genutzt werden.

Bürgermeister und Ortschaftsrat wollen nun weiter für ihr Anliegen kämpfen. Dazu wollen sie den Mitgliedern des Haldensleber Stadrats die Probleme, die aus ihrer Sicht mit dem Schießstand Dachsburg einhergehen, in aller Deutlichkeit vorstellen.