Morsleben l Vor zehn Jahren hatten die neun Gründerinnen des Ortsvereins der Landfrauen in Ingersleben noch nicht gedacht, welche Fülle an Aufgaben, aber auch Möglichkeiten sich ihnen bietet würde.

Acht Gründungsmitglieder sind noch dabei, weitere Frauen hinzugekommen, die ein reges Vereinsleben pflegen. Und nicht nur das, die Landfrauen haben sich geöffnet, gehen in Schulen und Kindertagesstätten, um Bildungsarbeit zu betreiben, bieten öffentliche Veranstaltungen wie „Hereinspaziert in lebendige Dörfer“ oder „Weihnachten im Hof“, Fahrradausflüge in die Umgebung, Weiterbildungen und Kreativabende.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, sagte Ortsvereinsvorsitzende Ingrid Krüger. Was die vergangenen zehn Jahre geprägt hatte, war auch auf Schautafeln und in Ordnern voller Materialien und Artikeln im Dorfgemeinschaftshaus verteilt, als die Landfrauen am Montag ihr zehnjähriges Jubiläum mit Gästen feierten.

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„Wir spannen eine Brücke. Es gibt viele Dinge, die im Team Spaß machen“, sagte Ingrid Krüger, stets auf der Suche nach neuen Mitstreitern, die das Leben in den Dörfern bereichern und lebendiger machen.

Dörfer werden lebenswerter

Ingerslebens Bürgermeister Thomas Crackau griff ihre Worte auf. „Unsere Dörfer lebendiger und lebenswerter zu gestalten, ist auch unser Anliegen“, sagte das Gemeindeoberhaupt in seinem Grußwort. Die Aktion „Hereinspaziert in lebendige Dörfer“ in Ostingersleben habe ihm besonders gut gefallen wie auch das Engagement der Landfrauen in Schulen und Kindertageseinrichtungen. „Lassen Sie nicht nach, denn es ist wichtig, unseren Kindern das dörfliche Leben nahezubringen.“

Die Landesvorsitzende der Landfrauen, Sibylle Klug, war aus der Altmark nach Morsleben gekommen, das erste Mal, wie sie betonte. „Viele interessante Themen kommen mit den Landfrauen aufs Land“, sagte sie und nannte als Beispiel die aktuelle Kampagne „Plastik is no phantastic“, bei der es um die Einsparung von umweltschädlichem Plastik im täglichen Leben geht. Mit rund 1000 Mitgliedern im Land Sachsen-Anhalt sei der Verband eher ein kleiner im bundesdeutschen Ranking, wo mehr als eine halbe Millionen Frauen organisiert sind. Aber, worauf es ankomme: alle stünden hinter dem Anliegen der Landfrauen.

Schon von Beginn seiner Amtszeit an ist Verbandsgemeindebürgermeister Mathias Weiß mit den Landfrauen vertraut: „Sie haben mich kurz nach meinem Amtsantritt zu sich eingeladen, um sich vorzustellen.“ Sein Dank galt nicht nur den Landfrauen selbst für deren Engagement, sondern auch deren Partnern, die ihren Frauen neben „dem bisschen Hausarbeit“ die Freiheit einräumen, bei den Landfrauen aktiv zu sein.

Zum Beweis, dass es auch „Landmänner“ gibt, enthielt sein Präsent zum Jubiläum selbstgemachte Marmelade und Plätzchen, auch wenn die Arbeit der Landfrauen längst nicht aus Kochen besteht, wie das Fernsehen mit entsprechenden Sendungen es manchmal suggerieren würde.

Für kulturelle Umrahmung der Festveranstaltung sorgte die Akkordeongruppe der Musikschule Fröhlich. Landfrau Annette Kniep hatte darüber hinaus eine kleine Geschichte aus dem Buch „Seelenfutter“ mitgebracht, bei der es genau um solche Frauen wie die Landfrauen geht, die sich ehrenamtlich engagieren und dafür nicht immer nur Lorbeeren ernten.