Haldensleben l Viele Menschen mussten im vergangenen Jahr während des Lockdowns Zuhause bleiben, konnten nicht arbeiten oder nur im Homeoffice. Deshalb entstand im Privaten mehr Abfall, wie der Kommunalservice Börde, derfür die Abholung des Mülls und die Mülldeponie zuständig ist, bestätigt. Hinzu kommen noch mehr Müll von Verpackungen der Restaurants, die Essen zum Mitnehmen anbieten.

Gerade bei Papier, Pappe und Karton entstand laut der Statistik der Abfallmengenentwicklung im vergangenen Jahr am meisten Müll beim Kommunalservice Börde: 11.712 Tonnen. Im Vergleich zu 2019 sind das 2699 Tonnen mehr. „Durch die vielen Bestellungen im Online-Handel gab es mehr Verpackungen und Kartons“, erzählt Abfallberater Jörg Reinemann. Bei den Verpackungen sei gerade Pappe ein Problem, da sie sperriger sei und nicht so gut komprimiert werden könne, erklärt Reinemann weiter. „Da ist es wichtig, dass die Leute sie gebündelt neben der Tonne abstellen. Das macht es für unsere Mitarbeiter leichter“, so der Abfallberater.

Aber nicht nur in der blauen Tonne landete mehr Papier und Pappe: Der Restmüll stieg im Landkreis um 1915 Tonnen auf 20.707 und der Biomüll um 1537 Tonnen auf 15.185 Tonnen.

Der Müll der gelben Tonne, also Leichtverpackungen wie Kunststoff, Metall und Verbandsstoffe nahm mit 11.412 Tonnen um 412 Tonnen zu. Besonders hier seien falsche Mülltrennung ein Problem. Das sei besonders in großen Wohnblöcken auffällig. „Da helfen auch keine Zettel mit Erklärungen“, so Jörg Reinemann. Das mache jedoch die Wiederverwertung des Mülls schwieriger, da dieser dann noch genauer sortiert werden müsse.

Bei den Glascontainern am Edeka Center am Gänseanger standen zeitweise Flaschen und Weckgläser auf den Containern und um sie herum: Mit 4800 Tonnen wurden 409 Tonnen mehr Glas im vergangenen Jahr vom Kommunalservice Börde abgeholt.

Weniger Müll in Restaurants

An den Touren der Abfallabholung hätte sich deshalb nichts geändert. Mit dem Leeren zwischendurch dauere es jedoch etwas länger. Aber die Kollegen würden sich da gegenseitig unterstützen und bei Bedarf noch Strecken voneinander abfahren, wenn sie in ihren Müllwagen noch Platz hätten, meint Jörg Reinemann.

Bei Restaurants hingegen sei es weniger geworden und es hätte viele leere Tonnen gegeben. Angela Natale von der Pizzaria Natale erzählt: „Wir haben natürlich weniger Müll, da wir weniger Gäste haben. Aber da wir nur noch Essen zum Mitnehmen verkaufen dürfen, haben den jetzt die Kunden.“ Die Kosten für die Pizzaverpackungen hätten aufgrund der Restaurantschließungen ebenfalls zugenommen, berichtet sie.

Aber nicht nur in den Tonnen daheim entstand mehr Müll: Auch Deponien waren gerade nach dem ersten Lockdown stärker frequentiert. „Was hier abgeliefert wurde, ist Wahnsinn“, meint Astrid Schäfer, die ebenfalls Abfallberaterin ist. Aber für viele sei die Fahrt zur Mülldeponie auch eine Abwechslung oder gewesen. Da habe es sich bemerkbar gemacht, dass die Menschen Zuhause waren und Zeit hatten. „Es wurde im Frühling viel Grünabfall abgegeben. Außerdem haben viele die Zeit Daheim für das Ausmisten genutzt“, so Schäfer. Das zeigt sich auch am Sperrmüll: Dieser nahm mit 7593 Tonnen um 1537 Tonnen zu. Für den Sperrmüll wurden 2743 mehr Anmeldungen registriert.

Einen „positiven“ Effekt hatte das vergangene Jahr mit den Lockdowns und Ausgangsbeschränkungen hinsichtlich der verbotswidrig abgelagerten Abfälle: Diese seien laut der Statistik von 610 Tonnen 2019 um 117 Tonnen zurückgegangen.