Haldensleben l Für die Magdeburger Staatsanwaltschaft ist es ein Fall mit ungewöhnlicher Härte. „So etwas kommt zum Glück selten vor“, sagt Staatsanwaltssprecher Armin Gebauer.  Vier Männer sollen den Vorwürfen nach einen 20-jährigen Haldensleber erst in ihre Gewalt gebracht, gefesselt und dann über Stunden gefoltert haben. Sie wollten Geld, angebliche Schulden aus dem Drogenmilieu.

Die Ermittler rekonstruieren den Fall so: Es ist Freitagnachmittag, als die vier Männer in die Wohnung eines 20-Jährigen eindringen und diesen fesseln. Sie wollen Geld, angeblich Schulden aus Drogenverkäufen. Immer wieder beteuert der junge Mann, dass er nichts hat. Die Geiselnehmer steigern ihre Gewalt, setzen Elektroschocker ein und prügeln immer wieder auf ihn ein. Es vergehen mehrere Stunden, bis sie das Opfer an einen See in der Nähe bringen. Dort sollen die Männer immer wieder gefordert haben, das Geld zu besorgen oder sich an Diebstählen zu beteiligen. Dabei sei der junge Mann immer wieder unter Wasser getaucht worden. Es sei wie ein simuliertes Ertrinken gewesen, heißt es in Ermittlerkreisen.

Polizeisprecher Frank Küssner sagt später: „Teilweise wurde ihm das Messer vorgehalten und ihm mit dem Tod gedroht.“

Hauptäter nicht gefasst

Anschließend bringen die Geiselnehmer ihr Opfer zurück in seine Wohnung. Dort kann sich der Haldensleber von seinen Fesseln befreien. Er läuft zu einem Nachbarn und ruft die Polizei. Die Beamten können noch in der Wohnung zwei der Verdächtigen stellen. Der Rettungsdienst bringt den Mann mit Verletzungen ins Krankenhaus. Die beiden gefassten Verdächtigen gelten nicht als Haupttäter und werden später wieder aus dem Gewahrsam entlassen.

Am Wochenende klicken dann bei den anderen beiden Verdächtigen im Alter von 18 und 20 Jahren die Handschellen, als sie von einer Polizeistreife mit ihrem Fahrzeug in Haldensleben entdeckt werden. Die Staatsanwaltschaft erwirkt Haftbefehl. Im Fall einer Verurteilung droht eine hohe Freiheitsstrafe. Auf Geiselnahme stehen mindestens fünf Jahre.