Uthmöden l Ist der Hund reaktionsschnell, voller Energie, selbstsicher? Aber ist er auch gutmütig, lässt sich an der Leine führen und bellt nicht ohne Grund? Die Prüfung, die die kaukasischen Herdenschutzhunde von Torsten Kruse am Montag abgelegt haben, ist umfänglich. Von der Anatomie bis zum Sozialverhalten wird alles unter die Lupe genommen. Die Tiere dürfen weder zu wild, noch zu lasch sein, müssen auf den Schäfer hören, aber auch Alarm schlagen, wenn Gefahr drohen könnte.

Bei Kruses Tieren gar kein Problem. Sie meisterten die Prüfung mustergültig. Damit sind sie sozusagen die ersten zertifizierten Herdenschutzhunde in Sachsen-Anhalt. „Ihre Hunde haben die Messlatte für unsere weiteren Prüfungen verdammt hoch gelegt“, sagte Sven Keller nach der Prüfung zum Uthmödener Schäfer. Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft „Herdenschutz + Hund“ hat gemeinsam mit weiteren erfahrenen Schäfern und Hundehaltern die Prüfung auf einer Weide nahe Uthmöden abgenommen. Mit von der Partie war auch Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen). Sie wollte sich vor Ort davon überzeugen, dass die Prüfungskriterien, die ihr Ministerium genehmigt hat, die richtigen sind.

Prüfung ist keine Pflicht

Verpflichtend ist es noch nicht, seinen Herdenschutzhund einer solchen Prüfung zu unterziehen, erklärte Sven Keller. Dennoch würden alle Herdenschutzhunde in Sachsen-Anhalt – es sind rund 60 – bis Weihnachten geprüft werden. Man wolle nicht erst warten, bis eine entsprechende Verordnung komme, sondern bereits vorher selbst die Initiative ergreifen, erklärte Sven Keller.

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„Wir Schäfer machen das auch, um den Menschen die Angst vor den Hunden zu nehmen“, sagte er bei der Auswertung in der Scheune von Schäfer Kruse. Denn die bis zu 60 Kilogramm schweren Hunde machen einen durchaus bedrohlichen Eindruck. Das sollen sie ja auch, um den Wolf oder streunende Hunde abzuschrecken. „Wenn die Bevölkerung den Wolf will, muss sie auch mit Herdenschutzhunden zurecht kommen“, so Keller. „Wir wollen zeigen, dass sie die Schafe schützen, aber für den Menschen nicht gefährlich sind.“ Bei der Bevölkerung herrsche manchmal ein „gefährliches Halbwissen“ und dagegen wolle man auch mit solchen Prüfungen, die stets öffentlich sind, vorgehen.

Dass die Prüfung in Uthmöden abgenommen wurde, ist kein Zufall. In den vergangenen Jahren hatte Schäfer Torsten Kruse zahlreiche tote Schafe durch vermeintliche Wolfsrisse zu beklagen. Seit er seine Herden – insgesamt knapp 1200 Tiere – von seinen insgesamt neun Hunden beschützen lassen würde, hätte es keine weiteren Vorfälle mehr gegeben.

Dass die Zahl der Herdenschutzhunde in letzter Zeit stark zugenommen hat, hat auch damit zu tun, dass die Anschaffung vom Land Sachsen-Anhalt finanziell unterstützt wird. Viele Schäfer würden sich aber wünschen, dass nicht die Anschaffung gefördert, sondern der Unterhalt unterstützt wird. Das sieht auch Torsten Kruse so: „Ich habe meine Hunde alle selbst gezüchtet, für die Anschaffung brauch ich daher keine Unterstützung.“ Im Unterhalt würde jeder Hund aber mehr als 1000 Euro im Jahr kosten. Deswegen solle man, so Kruse, nicht die Zucht belohnen, sondern die Tierhaltung fördern. Diese Bitte würde sie gerne mit nach Magdeburg nehmen, sagte Claudia Dalbert. Eine entsprechende Prüfung des Mehraufwandes werde sie anregen.