Schirmherrschaft

Robert Stieglitz schwingt Fäuste in Etingen

Bunt und aufregend ist der Tag der Begegnung auf dem Etinger „Mariannenhof“. Die Bewohner der Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung der Evangelischen Stiftung Neinstedt haben Besuch. Zu den Stars des Tages zählt Ex-Boxweltmeister Robert Stieglitz. Er hat die Schirmherrschaft des Inklusionsprojektes übernommen.

Von Anett Roisch
Tobias Koch (l.) und Michael Stölzer zeigen Techniken  von Muay Thai. Trainert wird auf dem Gelände von „Lucky Fitness“ in Haldensleben.
Tobias Koch (l.) und Michael Stölzer zeigen Techniken von Muay Thai. Trainert wird auf dem Gelände von „Lucky Fitness“ in Haldensleben. Foto: Anett Roisch

Etingen - Motoren dröhnen. Auf den „Mariannenhof“ in Etingen kurven die Velsdorfer Freebiker mit ihren schweren glänzenden Maschinen und werden von den Bewohnern, Frauen und Männer mit Handicap samt ihren zahlreichen Besuchern zum Tag der Begegnung begrüßt. Neben den Freunden der Behinderteneinrichtungen in Calvörde sind auch Gäste aus der Stiftung Neinstedt angereist.

Die neu eingestellte Teilhabeprojektmanagerin Ramona Schulze hat das Fest organisiert. Die ausgebildete Heilerziehungspflegerin und Heilpädagogin arbeitete zuvor mehr als 20 Jahre sowohl mit verhaltensdeliquenten Kindern und Jugendlichen sowie als Anti-Gewalttrainerin mit strafauffälligen jungen Menschen und Erwachsenen. Ihre Mission ist es, Kontakte zwischen den Hofbewohnern und Menschen der Region zu knüpfen. Die 50-Jährige ist dabei, ein Netzwerk zwischen dem „Mariannenhof“ und der Gemeinde zu entwickeln, um Inklusion und Integration für die Bewohner voranzutreiben. Diese Stelle wird vom Land Sachsen-Anhalt finanziert.

Groß ist die Aufregung, als zum Lied „Eye of the Tiger“ der

ehemalige Boxweltmeister im Supermittelgewicht Robert Stieglitz kommt. Er ist der Schirmherr des Inklusionsprojektes. Es ist das erste Treffen zum gegenseitigen Kennenlernen. „Sport ist im Leben wichtig. Da spielt es keine Rolle, ob man behindert ist oder nicht“, sagt Stieglitz, der mit dem Projekt eine Brücke zwischen den Menschen bauen möchte. Einen kurzen Schaukampf für das Gruppenfoto wagt Hofbewohner Heiko Löwe.

Thailändische Kampfkunst auf einstigem Bauernhof

Auch das Fitnessstudio „Lucky Fitness“ in Haldensleben ist ein starker Partner. Tobias Koch und seine Sportfreunde rollen die Matten für eine Vorführung der thailändischen Kampfsportart Muay Thai aus. „Es ist ähnlich wie Kickboxen. Nur dass bei uns einige Techniken mehr erlaubt sind und ein anderes Regelwerk herrscht“, sagt Koch und erklärt, dass jeder vom Wettkämpfer bis zum Hobbysportler zum Training willkommen ist. Auch die Hofbewohner können ein Mal pro Woche dort individuell unter professioneller Anleitung trainieren.

„Unser Anliegen ist es, das Thema ,Inklusion' der Region nahe zu bringen: Wir wollen weiter Unterstützer gewinnen und Projekte organisieren“, schildert die Managerin. Dies scheint ihr mit dem Blick auf das bunte Treiben bereits in vielen Richtungen gelungen zu sein. Angefangen von den Bikern in Lederkluft über Bewohner in luftigen Sommerkleidern bis hin zu Kampfsportlern mit Irokesenhaarschnitt. Alle plaudern gut gelaunt und durcheinander gewürfelt. Von Berührungsängsten ist keine Spur.

Im Besonderen die Dorfbewohner haben die Neu-Etinger bereits vor vier Jahren herzlich aufgenommen und ihre Toleranz zu den Menschen mit Behinderung bewiesen. Inzwischen gibt es eine Kooperation mit dem Sportverein, bei dem Bewohner kostenfrei Beachvolleyball und Fußball spielen können.

Auch Wolfgang Kapps, ehemaliger Bürgermeister von Etingen, freut sich, dass mit den „Neinstedtern“ wieder Leben auf dem Vierseitenhof eingezogen ist. Während der Boxstar Autogramme gibt und geduldig mit jedem, der sich traut, Selfies macht, sind die Männer vom Etinger Dorfclub dabei, Würstchen zu grillen. Auch Oswald Krause genießt die Gastfreundschaft. „Meine Frau und ich, wir haben mal in Etingen gewohnt und noch immer Kontakte“, erzählt der Calvörder und bestaunt das Taubenhaus, das mitten auf dem Hof als Gemeinschaftsraum ausgebaut werden soll. Die Biker überreichen eine Spende von 50 Euro und eine Wanduhr. Das Geld soll zur Sanierung des Taubenhauses verwendet werden. Die Uhr ist ein Symbol, dass nach der Corona-Pandemie bessere Zeiten für weitere gesellige Treffen beginnen.

Der Tag der Begegnung ist nur ein Anfang. Durch Fördermittel des Europäischen Sozialfonds soll demnächst die Scheune auf dem Hof aus- und umgebaut werden.

Die Managerin bedankt sich bei allen Sponsoren und Helfern, die das Projekt unterstützen und bei den Etingern, die Kuchen gebacken und Salate zubereitet hatten. Heilerziehungspflegerin Kristin Klatt, die die Verantwortliche auf dem „Mariannenhof“ ist, lobt im Namen des Teamleiters Michael Lange die Ideen, die Energie und den Enthusiasmus, mit dem ihre Kollegin das Fest auf die Beine gestellt hat.