Haldensleben l Die Zimmermänner und Dachdecker sind abgerückt, gegenwärtig haben am Turm der Haldensleber St. Marienkirche wieder die Gerüstbauer das Sagen. Sie entfernen das Metallskelett, das den oberen Teil des Turms in den vergangenen Monaten umgeben hatte. „Damit ist der erste Bauabschnitt der Turmsanierung beendet“, benennt Judith Vater, stellvertretende Vorsitzende des Gemeindekirchenrats von St. Marien, den offiziellen Stand der Dinge.

Gerüst wird entfernt

Die Gerüstbauer waren auch die ersten Arbeiter, die Ende Januar die Sanierung des Kirchturms „eingeläutet“ hatten. Seitdem hat sich einiges getan. So ist zunächst die hölzerne Haubenkonstruktion ausgebessert worden. Anschließend ist das Turmdach neu eingedeckt worden – wieder ganz althergebracht mit Schieferplatten. Ebenso sind die Schäden an der Bekrönung des Turms an Ort und Stelle repariert worden.

Damit allerdings sind die Arbeiten am Turm der Stadtkirche noch lange nicht beendet. Als nächstes steht der zweite Bauabschnitt an. „Die Arbeiten sind geplant und die Fördermittel beantragt. Wir sind in froher Erwartung“, hofft Judith Vater, dass damit wie vorgesehen 2019 begonnen werden kann.

Zweiter Abschnitt für 2019 geplant

Allerdings werden diese Arbeiten nicht so offensichtlich ausgeführt wie die Haubenerneuerung, denn sie werden im Inneren des Kirchturms erledigt. Dort müssen die Geschossbalken erneuert werden. „Sie sind jetzt nur verstärkt worden, müssen aber neu verankert werden“, erklärt Judith Vater. Denn dort, wo die Balken ins Mauerwerk übergehen, sind sie komplett verrottet. Dafür ist Kernfäule verantwortlich.

Im Jahr 2000 ist der Umgang am Turm erneuert worden. Planer Dr. Berthold Heinecke vermutet, dass die Arbeiter ihn nicht ganz dicht bekommen hätten. So sei Wasser in den Turm und Feuchtigkeit in die Balken gelangt. Die aber sind luftdicht eingemauert. „Das ist tödlich für Holz“, hat der Experte bereits im Sommer erklärt. Von oben nach unten müssten sich die Zimmerleute dann durch den Turm arbeiten. Überall dort, wo die Deckenbalken mit dem Mauerwerk verbunden sind, werden Stahlträger eingezogen, auf denen die Balken dann abgelegt und sicher mit ihnen verbunden werden.

Balken müssen neu verankert werden

„Das sind alles Arbeiten im Inneren, die können zum Glück wetterunabhängig ausgeführt werden“, meint Judith Vater. Das sei am ersten Bauabschnitt nicht immer möglich gewesen. „Wegen der großen Hitze mussten die Arbeiten auch zeitweise unterbrochen werden“, sagt sie. Besonders die Dachdecker hätten sich den hohen Temperaturen ein ums andere Mal beugen müssen.

Mit dem Ende des ersten Bauabschnitts werden die Kirchenglocken aber auch weiterhin schweigen. Erst wenn die Turmsanierung gänzlich abgeschlossen ist, soll ihre große Stunde schlagen. „Im Zuge der Arbeiten werden auch die Schallluken verändert“, so Judith Vater weiter. Die werden dann für einen „komplett neuen Klang sorgen, der sich in ungeahnter Weise über die Stadt legen wird“, verspricht sie.

Glocken bleiben weiter stumm

Außerdem soll im Zuge des nächsten Bauabschnitts auch der Umgang wieder begehbar gemacht werden. Die Balustrade der Galerie war im Jahr 2015 als einsturzgefährdet eingestuft worden. Seitdem ist das Besteigen der Aussichtsplattform rund um den Kirchturm für Besucher verboten.