Haldensleben l Die Lebensgeschichte von Oliver Trelenberg hat es in sich: „Bis 2003 war ich Alkoholiker. Dann habe ich mich in Behandlung begeben“, berichtet der 53-Jährige. Einige Jahre später entdeckte er das Radfahren für sich. „Das ist für mich eine gute Therapie. Wenn ich draußen in der Natur bin, kriege ich den Kopf frei“, erklärt Trelenberg.

Doch 2013 folgte der nächste Schicksalsschlag. Oliver Trelenberg erkrankte an Kehlkopfkrebs und musste operiert werden. Dabei wurde der Kehldeckel entfernt. Seither ist Trelenberg kurzatmig. „Außerdem wird beim Schlucken die Luftröhre nicht mehr verschlossen. Ich kann jederzeit an meinem Essen ersticken“, so der 53-Jährige. Aber er ließ sich nicht entmutigen. Im Gegenteil. „Ich möchte Menschen motivieren, nach schweren Schicksalsschlägen wieder auf die Beine zu kommen“, berichtet Trelenberg.

Mit dem Fahrrad helfen

Nach der OP konnte er zunächst nur wenige Kilometer mit dem Rad zurücklegen. Steigungen sind bis heute ein Problem. Doch 2014 legte er in Form von Tagesausflügen bereits eine Gesamtstrecke von 5460 Kilometern zurück. Oliver Trelenberg traf die Entscheidung, dass Radfahren nicht nur ihm selbst guttut - er will auch anderen damit helfen.

2015 war er zugunsten des Deutschen Kinderhospizvereins unterwegs. Dabei absolvierte er 92 Tagestouren und legte so insgesamt 4560 Kilometer zurück. 2016 und 2017 trat er in die Pedale, um mittellosen Krebspatienten Urlaub zu ermöglichen. 2018 ging es darum, sterbenskranken Menschen einen letzten Wunsch zu erfüllen. Für diesen Zweck sammelte er mehr als 20 000 Euro. „Alle Spenden gehen zu 100 Prozent an das jeweilige Projekt. Es wird nichts abgezogen“, versichert Oliver Trelenberg. Selbst seine Übernachtungen zahle er, wenn es vor Ort keine andere Unterstützung gebe, im Zweifel selbst. Doch die Unterkunft in der Haldensleber Jugendherberge war für Trelenberg kostenfrei. „Wir unterstützen Menschen, die sich für andere einsetzen. Das kommt in unserer Gesellschaft viel zu selten vor“, erklärte Haldenslebens stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Wendler.

Sie übergab Trelenberg einen symbolischen Scheck über 100 Euro, bevor dieser am Freitagmorgen seine Fahrt Richtung Tangermünde fortsetze. Es war der 40. Tag seiner Reise. Insgesamt soll sie 70 Tage dauern und rund 4000 Kilometer umfassen. Täglich legt er zwischen 50 und 80 Kilometer zurück. „Unterwegs führe ich viele Gespräche. Ich lerne auf dem Radweg Leute kennen, stelle mich selbst und das Projekt vor“, so Oliver Trelenberg. Zu diesem Zweck hat er einen Vorrat an Info-Material dabei.

Geld im ganzen Land verteilen

Das gesammelte Geld soll am Ende an 45 Institutionen in ganz Deutschland verteilt werden, die sich dafür engagieren, an Krebs erkrankten Kindern eine Perspektive zu geben.

Oliver Trelenberg hat in der Vergangenheit schon selbst Kinderhospize besucht. „Es geht einem an die Nieren, wenn man so etwas sieht. Dadurch kriegt man eine andere Sichtweise auf das Leben“, erklärt der 53-Jährige. „Ich finde es beeindruckend, dass jemand solche Strapazen auf sich nimmt, um sich für einen guten Zweck einzusetzen. Das ist nicht alltäglich“, befand Sabine Wendler.