Calvörde l „Wir sind ein internationaler Bootshafen. Wir hatten Boote aus aller Herren Länder. Selbst Amerikaner, die sich in den Niederlanden Boote gemietet hatten, haben bei uns angelegt. Calvörde ist auch durch unseren Bootshafen bekannter geworden“, zog Hansjoachim Schumann, Vorsitzender des Wassersportvereins, bei der Jahreshauptversammlung Bilanz. Die Mannschaft der Wassersportler war zu Gast bei Paula Fischer, der neuen Pächterin der Waldgaststätte Grieps. Das kleine Gasthaus ist zwar offiziell noch nicht geöffnet, aber die Wirtin hieß die Nachbarn vom Sportboothafen schon mal willkommen.

„2015 hatten wir 313 Gastlieger-Boote. Das ist eine Steigerung zum Vorjahr 2014 von 167 Prozent. 75 Wohnmobile haben im vergangenen Jahr auf dem Gelände Rast gemacht. Das ist eine Steigerung von 234 Prozent. Außerdem gab es zwei Zelte. Ich weiß nicht, warum bei uns niemand zelten möchte. Aber jetzt kommt es. Wir hatten knapp 1000 Übernachtungen. Und zwar 974 - ohne unsere eigenen Mitglieder, die wir nicht mitgezählt haben. Das ist eine Steigerung von 178 Prozent“, bilanzierte Schumann. 1000 Übernachtungen – so der Vorsitzende – seien auch ein wirtschaftlicher Faktor, denn die Leute würden auch in Calvörde einkaufen. „Natürlich wollen wir die Gäste auch mit dem Naturpark Drömling begeistern“, ergänzte der Chef der Wassersportler.

Der Calvörder Sportboothafen wurde im Mai 2013 feierlich eingeweiht. Der Verein hat derzeit 30 Mitglieder. Ein großes Dankeschön sprach Schumann seiner Mannschaft aus. Jeder habe besondere Fähigkeiten, die dem Verein zugute kommen. Während sich die Frauen als wahre Putzfeen auszeichneten, bewiesen die Männer, dass sie kräftig mit anpacken können. Alle gemeinsam seien sie eine Crew, die sich gemeinsam über Wasser halten und auch im Sturm zusammen bleiben. Als „unsere beiden Seeräuber der Wohnwagenburg“ bezeichnete Schumann Klaus Grabenhorst und seine Frau Christa, die ständig auf dem Hafengelände sind und so Tag und Nacht die Sicherheit auf dem Gelände gewährleisten.

Drachenboote machen Sportboothafen attraktive

Zu den Errungenschaften des Vereins für 2015 gehören zwei Drachenboote. Ein Drachensportverein in Schwerin hatte einen Gönner. Zu ihren ehemaligen Mitgliedern gehört Manfred Russ, ein Rechtsanwalt, der nach der Wende sein Glück in den USA gemacht hatte. „Russ schenkte seinen Schweriner Freunden neue Boote unter der Bedingung, dass die alten Boote – die er auch damals seinem Verein schenkte – kostengünstig an einen kleinen bedürftigen Verein abgegeben werden“, erzählte Schumann. Russ ist der Vizepräsident des internationalen und auch der europäischen Dragon Boat Federation. Der junge Calvörder Verein erfüllte diese Bedingung. Und so wurde der Kaufvertrag perfekt.

Mit den Paddelbooten soll auch der Sport und damit auch die Gemeinnützigkeit des eingetragenen Vereins nachgewiesen werden. Platz in einem Boot ist für 22 Paddler, einen Rudergänger und einen Trommler. Das Drachenbootfahren ist nicht nur ein eigenständiger Sport, es hat auch eine ganz eigenständige Tradition und Philosophie, die auf das Jahr 329 vor Christi zurückgeht .

Wer im Verein mitwirken möchte, muss kein Bootsbesitzer sein und kann sich beim Vorsitzenden melden. Spaß am Wassersport und die Mitgestaltung des Vereinslebens ist wichtig. „Gerade zum Drachenbootefahren sind viele Frauen, Männer und Jugendliche, die Spaß am Paddeln und an der Gemeinsamkeit haben, vonnöten.“

Neu im Besitz der Wassersportler sind auch zwei Tretboote, die ab April zum Einsatz kommen sollen. „Wir wollen damit keine großen Geschäfte machen, sondern unserem Hobby weiter frönen. Die Unterhaltung und der Strom kosten viel Geld. Wir machen keinen Gewinn und sind kein wirtschaftliches Unternehmen“, betonte Schumann. Aber auch Kritik hatte er in seiner Bilanz. „Ich habe Post von der Gemeinde bekommen, mit der Aufforderung, insgesamt etwa 650 Euro für 2014 und weitere etwa 1900 Euro für 2015 an Stromkosten und 1808 Euro für eine Versicherung zu überweisen“, schilderte der Vorsitzende. Immer wieder habe er nach der fehlenden Stromrechnung in der Verwaltung gefragt. Nun stellte sich heraus, dass die Verwaltung die Kosten zur Gaststätte Grieps zugeordnet hatte. Dabei ging es neben den Stromkosten, nach Schumanns Ausführungen, auch um Geld für eine Versicherung, die der Verein so nicht wollte. „Es ist peinlich, aber dadurch haben sich die Kosten summiert. Wir haben aber einen Kompromiss mit der Gemeinde gefunden, denn das Geld für die Nachzahlungen können wir nicht einfach aus dem Ärmel schütteln“, betonte er und ergänzte: „2016 wird wegen der finanziellen Belastungen ein sehr hartes Jahr. Wir müssen sehr sparsam sein. Aber eine Flasche Wein können wir uns auch privat leisten. Unseren Mut werden wir uns sicher nicht nehmen lassen.“