Konfirmation

Stürmische Zeiten auf dem Weg zum Erwachsensein

Konfirmanden aus Nordgermersleben, Bebertal und Uhrsleben warten ein Jahr länger auf den festlichen Moment

Nach dem Gottesdienst ließen  Fiene Trost, Berte Dehne, Ally-Charlotte Voigt, Janne Hilliger, Helen Sophie Wesemeyer, Leon Arend und Phillip Salomon Wünsche an Ballons in den Himmel steigen.
Nach dem Gottesdienst ließen Fiene Trost, Berte Dehne, Ally-Charlotte Voigt, Janne Hilliger, Helen Sophie Wesemeyer, Leon Arend und Phillip Salomon Wünsche an Ballons in den Himmel steigen. Fotos: C. Arendt-Nowak

Constanze Arendt-Nowak Nordgermersleben

Kaum ein anderer konnte es besser beurteilen, als die Pfarrerin im Ruhestand, Helgard Steinacker, wie lange die Konfirmanden auf ihren großen Tag hingefiebert haben. Zwei Jahre hatte sie die Nordgermersleber Berte Dehne, Janne Hilliger, Phillip Salomon und Fiene Trost sowie Ally-Charlotte Voigt aus Bebertal und Helen Sophie Wesemeyer aus Uhrsleben auf die Konfirmation vorbereitet. Und dann fiel der feierliche Moment im vergangenen Jahr aus.

Die Entscheidung fiel auf eine Verschiebung um fast ein Jahr, nämlich auf den 1. Mai in diesem Jahr. Ein Feiertag und zudem auch noch an einem Wochenende. „Wir haben uns jetzt in der Vorbereitung noch mehrmals getroffen, natürlich mit Maske und Abstand im großen Gemeinderaum“, berichtet Helgard Steinacker von weiteren Schwierigkeiten während der Corona-Krise. Nach ihrer Aussage wäre die Online-Variante des Konfirmandenunterrichts schwierig umzusetzen gewesen, andererseits wurde aber auch in Zeiten, in denen gar nichts möglich war, der Kontakt über Whatsapp gehalten. „Ich war sehr erfreut, dass das Gemeinschaftsgefühl der Konfirmanden die ganze Zeit geblieben ist und auch der Nachrücker Leon Arend aus Nordgermersleben problemlos in die Gemeinschaft integriert worden ist“, so die Pfarrerin im Ruhestand. Ihre letzte Konfirmandengruppe sieht sie als eine besondere an.

Eine Verbindung vom eigenen Haus zum Himmel

Die Rituale der Konfirmation nahm sie dann gemeinsam mit ihrer Nachfolgerin, der Pfarrerin Clara Flach, in der Nordgermersleber Kirche vor. Die Konfirmanden hatten im Vorfeld - nicht zuletzt, um auf ihren großen Tag hinzuweisen - mit viel Mühe eine Spur durch Nordgermersleben gelegt. „Es war schwer, aber so ist es Brauch. Diese Spur stellt die Verbindung zwischen dem eigenen Haus und dem Himmel dar“, so Helgard Steinacker. Ally-Charlotte Voigt war zudem einen Tag vor ihrer Konfirmation noch getauft worden.

Was in Ally-Charlotte Voigts Erinnerung noch ganz frisch war, war bei den anderen schon etwas verblasst. Waren sie bei ihrer Taufe doch noch ganz klein, ihre Eltern hatten sich in ihrem Namen zum christlichen Glauben bekannt. Was sie aber eint ist, so Helgard Steinacker, dass sie während des Konfirmandenunterrichts viel über den Glauben gesprochen hatten und sie sich nun selbst noch einmal zum Glauben bekennen konnten. Auf selbstgestalteten Plakaten, die die Konfirmanden bei einem Vorstellungsgottesdienst präsentiert und nun an der Kirchenwand aufgehängt hatten, war unter anderem zu lesen: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“

Gerade weil die vergangenen Monate nicht einfach waren, stellte Helgard Steinacker auch die stürmischen Zeiten in den Fokus, die täglich zwingen, Halt zu suchen und zu finden. Halt nicht nur durch Jesus' Hände, sondern auch durch Familie, Natur, die mit dem Fahrrad erkundet werden kann, Sport, Bücher, Instrumente und vielleicht auch durch das Handy, das Kontakte ermöglicht. „Wir haben das auch genutzt, wir waren verbunden und in Kontakt, auch wenn wir uns lange nicht sehen konnten“, erinnerte sich die Pfarrerin im Ruhestand.

Einer der sich den Wünschen nach Halt in den stürmischen Zeiten des Lebens anschloss, war Peter Dehne, der als Vater von Berte Dehne die Worte der Elternschaft an die Konfirmanden richtete. Mit der Konfirmation beginne das Erwachsensein. Verbunden sei das auch damit, Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen. Und eben dafür brauche es Kraft und Halt sowie weitere christliche Werte.

Andere Christen sollten ihnen die Hand reichen

Vielleicht stehen ihnen aber auch andere Christen auf ihrem weiteren Weg zur Seite, wie Ulrich Trittel als Vorsitzender der Kirchengemeinde Nordgermersleben hoffte.