Althaldensleben l 10 Uhr an einem Mittwochvormittag: Langsam füllt sich der Lindenplatz in Althaldensleben. Nach und nach trudeln die Ollner ein und machen an den fünf Marktständen ihre Besorgungen. Ein Fleischer steht auf dem erst 2016 sanierten Platz, ein Bäcker, eine Obst- und Gemüsehändlerin, ein Ehepaar, das Honig, Käse und Süßigkeiten verkauft und ein Händler, der Säfte, Wein und eingelegte Gurken im Angebot hat.

Vier Termine bisher

„Was braucht man mehr?“, fragt Kerstin Bruer und erntet Zustimmung von anderen Damen aus dem Haldensleber Stadtteil. Der Markt findet in Althaldensleben erst zum vierten Mal statt, aber längst haben sich die Ollner entschieden: „Wir wollen ihn behalten, nicht nur zum Einkaufen, sondern auch als Treffpunkt!“, bekräftigt Margrit Schulze.

Denn schon ist der Markttag für die Althaldensleber zur Selbstverständlichkeit und zu einer Tradition geworden – wenn auch einer noch sehr jungen. Nachdem alle Besorgungen eingepackt sind, setzen sich die Damen und Herren gemeinsam an den Tisch des Bäckerstandes und trinken Kaffee. „Eigentlich hatten wir die Kaffeemaschine nur für den Eigenbedarf mitgebracht“, gibt Oliver Spurgat von der Bäckerei Freund aus Beetzendorf zu.

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Markt ist auch ein Treffpunkt

Er wünsche sich, dass die Ollner noch mehr Backwaren an seinem Stand kaufen und wartet noch ab, wie sich die Verkaufszahlen auf dem Althaldensleber Markt entwickeln. Danach werde entschieden, ob der Bäcker den Termin an jedem Mittwoch dauerhaft in seinen Kalender schreibe. „Ich werde hier auf jeden Fall immer wieder herkommen“, lautet das Fazit seiner Nachbarin, Obst- und Gemüsehändlerin Uta Drescher.

Einige Zweifel hatte sie am vergangenen Mittwoch, ob sie sich bei dem großen Sturm auf den Weg von Genthin nach Althaldensleben machen sollte. „Ich dachte, bei dem Wetter kommt vielleicht niemand. Aber nun sehen Sie sich hier um, es sind so viele Kunden da“, freut sie sich. Auf die Althaldensleber sei Verlass, sagt Uta Drescher. Sie könne sich vorstellen, auch nach der Neueröffnung des Ollner Pennymarktes weiter wöchentlich auf den Lindenplatz zu kommen.

Eigentlich als Übergang gedacht

Denn eigentlich ist der Markt in Althaldensleben nur als Übergangslösung geschaffen worden. Als bekannt wurde, dass der Supermarkt im Ort vom Betreiber abgerissen und neu gebaut werden würde, wurden im Haldensleber Stadtrat Stimmen laut, die die Versorgung der Althaldensleber mit Lebensmitteln betrafen.

Stadtrat Rainer Schulze regte damals an, für die Dauer der Bauarbeiten einen Wochenmarkt zu etablieren. Stadtverwaltung und Stadträte stimmten dem Vorschlag zu. Seitdem sind die Markthändler immer mittwochs von 10 bis 14 Uhr auf dem Lindenplatz zu finden.

„Man sollte unseren Markt nicht wieder abschaffen“, sagt die Althaldensleberin Kerstin Bruer und spricht damit vielen Einwohnern des Ortsteils aus der Seele. Der Wochenmarkt, so sagen die Ollner, stehe nicht in Konkurrenz mit dem Supermarkt. Diesen würden die Althaldensleber ja später trotzdem nutzen, um Waren, die es nicht auf dem Lindenplatz gibt, einzukaufen. Zudem erhöhe der Markt am Mittwoch die Flexibilität vieler Ollner – selbst gehbehinderte Bewohner des nahen DRK-Wohnheims Am Kamp würden ihn besuchen.

Händler ebenfalls zufrieden

Auch Fleischermeister Dietrich Wehr von der Landfleischerei Wehr aus Miesterhorst ist beeindruckt von der Kaufkraft der Althaldensleber. „Dieser Markt wird super angenommen, ich würde auch über die Zeit der Bauarbeiten hinaus hierher kommen“, sagt er. Rentner Wolfgang Opitz aus Klötze hat mit seinen Waren zwar einen weiten Fahrtweg, schätzt aber den Markt trotzdem und möchte gern dauerhaft wiederkommen.

„Es gibt nur ein Problem“, verrät er und erntet Zustimmung von den übrigen Händlern: „Es gibt keine Toilette. Und das ist wirklich schlecht, besonders für die Damen unter uns Händlern“, erläutert er. Auch Edeltraud und Klaus Hermsdorf, Verkäufer aus Oebisfelde, erzählen, dass sie sich am Markttag in Althaldensleben das Trinken verkneifen, um nicht müssen zu müssen.

Problem bei Parkplätzen

Da sei noch Abhilfe zu schaffen, bejahen auch die anwesenden Ollner. Und während sie gemütlich ihren Kaffee schlürfen, weisen sie auf ein weiteres Problem hin. „Es gibt eigentlich genug Parkplätze hier“, sagt Margrit Schulze. „Aber die sind meistens alle zugestellt. Wenn wirklich jemand mit dem Auto zum Wochenmarkt kommt, findet er keinen Parkplatz. Gut wäre, wenn die Stadt da vielleicht so etwas wie eine Sonderregelung schaffen könnte“, regt sie an.

Carola Aust, Leiterin des städtischen Rechts- und Ordnungsamtes, antwortet auf Volksstimme-Nachfrage auf die Sorgen der Anwohner und Händler. Der Angst, dass die Althaldensleber ihren lieb gewonnenen Wochenmarkt gleich wieder verlieren, kann sie gleich den Wind aus den Segeln nehmen: „Der Grund für die Schaffung des Wochenmarktes war die Schließung des Penny-Marktes“, bestätigt sie. „Aber es war nicht explizit die Rede davon, dass nach der Neueröffnung des Pennys der Wochenmarkt wieder schließen muss“, sagt Carola Aust.

Wenn die Ollner weiter auf dem Wochenmarkt einkaufen und die Händler deshalb weiter kommen wollen, dann sieht sie aus Sicht der Stadtverwaltung keinen Grund, den Markt einzustampfen.

Mobile Toilette denkbar

Die Situation mit den fehlenden Toiletten ist Carola Aust ebenfalls bekannt. Ihr zufolge habe das Ordnungsamt bereits in angrenzenden Einrichtungen, der Berufsschule und dem DRK-Heim am Kamp, um Toiletten-Mitbenutzung gebeten, dort aber Absagen erhalten.

Derzeit werde in der Verwaltung geprüft, inwieweit eine mobile Toilette für den Wochenmarkt auf dem Lindenplatz sinnvoll wäre. Dabei seinen natürlich die Kosten für die Stadt von besonderem Interesse. Eine Änderung der Parkplatzsituation sei derzeit hingegen nicht vorgesehen.