Haldensleben l Da das Bilden von Antikörpern mit dem Alter nachlässt und ältere Menschen somit öfter erkranken, ist die Grippeschutzimpfung bei ihnen nach wie vor gefragt. „Ganz wenige machen es nicht. Die Schutzimpfung wird von den Hausärzten angeraten“, weiß Schwester Karin Wolfänger von der Seniorenhilfe Haldensleben. In ihrer täglichen Arbeit mit betagten Menschen weist sie auf die Schutzimpfung hin, um einer Erkrankung vorzubeugen. „Die Hausärzte kommen ohnehin einmal im Monat zu uns und ab September ging es mit den Impfungen bereits los“, weiß Schwester Karin aus ihrer Arbeit.

Dem kann sich die Diplom-Medizinerin Christine Schulze nur anschließen. Die Senioren in ihrer Praxis in Haldensleben werden alle geimpft. „Wir impfen Kinder und Erwachsene gleichermaßen“, erzählt die Hausärztin. „Manchmal lehnt jemand die Impfung ab, aber wir raten immer dazu“, erklärt die Medizinerin und fügt an, dass sie keine „notorischen Impfverweigerer“ in ihrer Praxis hat. Bei Kindern wird die Ärztin aber hellhörig. „Wir lassen den Eltern keine große Wahl, es ist einfach notwendig“, bekräftigt sie. Auch weiß die Ärztin aus ihrer Erfahrung, dass wenn einmal jemand an einer Grippe erkrankt ist, dieser fortan freiwillig zum Impfen kommt.

Apotheker bemerkt anderen Trend

Einen anderen Trend bemerkt Alfred Schmidt von der Haldensleber Roland-Apotheke. „Grippeschutzimpfungen werden jedes Jahr etwas weniger“, sagt der Apotheker. „Impfen wird von den Menschen kritischer betrachtet, sie sind aufgeklärter“, sagt der Apotheker und fügt an, dass stattdessen vermehrt auf Vitamin C und homöopathische Mittel zurückgegriffen wird.

Auch dass nicht jeder den Impfstoff verträgt, führt Alfred Schmidt als Grund für manchen Impfverweigerer an. Grundsätzlich hält auch der Apotheker das Impfen für notwendig. „Es ist schon wichtig, dass sich möglichst viele impfen lassen. Mehr Impfungen heißt weniger kranke Menschen“, so der Apotheker.

Einen deutlichen Rückgang der Schutzimpfungen vermeldet die Pressesprecherin der AOK Sachsen-Anhalt, Anna-Kristina Mahler. „In der Saison 2014/2015 wurden für die Versicherten aller Kassen 710 771 Grippeimpfdosen verbraucht, in der Saison 2015/2016 belief sich die Zahl auf 692 790 Impfdosen“, so die Presse- sprecherin – ein Rückgang von 2,6 Prozent.

Zahl der Impfungen geht zurück

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt stellt einen Rückgang der Schutzimpfung fest. Wie Pressesprecher Bernd Franke mitteilt, wurden 2009/2010 noch 66,96 Prozent der über 60-Jährigen im Landkreis Börde gegen den Virus geimpft, während es 2013/2014 nur noch 57,51 Prozent waren.

Woher kommt eigentlich der Virus und was geschieht überhaupt bei einer Impfung? Der Grippevirus wird von Mensch zu Mensch übertragen. Zum einen über Flüssigkeiten, wie beim Niesen, das nennt sich „Tröpfcheninfektion“. Dadurch gelangen kleinste Tropfen in die Luft. Diese werden entweder eingeatmet oder gelangen durch Hautkontakt und anschließendes Berühren an die Schleimhäute.

Der zweite Übertragungsweg heißt „Schmierinfektion“. Ähnlich wie beim Hautkontakt gelangt der Virus beim Nase putzen oder Husten über die Hand oder das Taschentuch an die Schleimhäute. Der Virus überlebt aber auf Oberflächen nicht lange. Nur wenn Temperaturen am Gefrierpunkt sind und es zudem feucht ist, dann aber auch mehrere Wochen.

Beim Impfen gibt es Unterschiede

Auch beim Impfen gibt es Unterschiede. Bei einer Methode, der aktiven Impfung, wird ein Impfserum gespritzt, welches abgeschwächte oder getötete Erreger enthält. Gegen eben diese bildet der Mensch dann sogenannte Antikörper, jedoch ohne an der Krankheit zu erkranken. Bei der Grippeschutzimpfung wird in der Regel die aktive Impfung praktiziert.

Anders verhält es sich bei der passiven Impfung. Hier werden die Antikörper direkt gespritzt. Entgegen der aktiven Impfung wirkt diese sofort. Eingesetzt wird diese Methode beispielsweise bei Tollwut oder tierischen Giften. Der Vollständigkeit halber sei auch die „Simultanimpfung“ erwähnt. Diese Variante vereint die passive und aktive Impfung und wird beispielsweise bei Tetanus eingesetzt.