Hundisburg l Die archäologischen Untersuchungen in Nordhusen sind fürs Erste vorbei. Zum Abschluss hat es vor Kurzem eine Auswertungsrunde gegeben. Dabei stellten die Forscher neue Erkenntnisse über den untergegangenen Ort vor.

Mit dabei waren Dr. Christoph Rinne sowie die beiden Studenten Martin Schuart und Jakob Kriechmus von der Universität Kiel, Haldenslebens ehemaliger Museumsleiter Ulrich Hauer, Dr. Barbara Fritsch sowie Dr. Götz Alper vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Lutz Zimmermann von der Stadt Haldensleben und Elmar Arnhold von der Arbeitsgemeinschaft gebautes Erbe in Braunschweig. Mehrere Tage lang hatten die Forscher das Zentrum der ehemaligen Siedlung untersucht. Mit einem Sondenwagen nahmen sie eine sogenannte geomagnetische Prospektion vor, also eine Untersuchung des bodennahen Erdmagnetfeldes. Auf diese Weise konnten sie einen „Blick“ in den Boden werfen, ohne graben zu müssen.

Ehemaliger Altarm der Beber

Verschiedene Erkenntnisse waren das Ergebnis. Aller Wahrscheinlichkeit nach lag Nordhusen an einer Kreuzung. In der Aue südlich des mittelalterlichen Ortes entdeckten die Archäologen einen ehemaligen Altarm der Beber. Von dort führte eine Trasse der Lüneburger Heerstraße Richtung Nordwest durch die Siedlung. Von West nach Ost wurde Nordhusen von einem Hohlweg durchschnitten. Im Inneren des Ortes wurde ein Bach durch einen Steindamm aufgestaut. Wie Dr. Barbara Fritsch vermutet, geschah dies wahrscheinlich zur Wasserversorgung. Die Spitzen der Findlinge, die den Damm bildeten, ragen heute noch aus der Erde.

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Neben einem Graben, der fast den gesamten Ort umschloss, kamen Spuren weiterer, kleinerer Gräben zum Vorschein. Es ist jedoch unklar, ob diese gleichzeitig bestanden - oder ob sie verschiedene Entwicklungsstufen der Siedlung markieren. Nicht zuletzt entdeckten die Archäologen mehrere bisher unbekannte Gräber sowie Überreste von mindestens 30 Gebäuden.

Ort im 15. Jahrhundert aufgegeben

Nordhusen wurde im 15. Jahrhundert aufgegeben und 1218 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Es gibt jedoch Hinweise, dass die Geschichte des Ortes deutlich weiter zurück reicht. „Die Endung -husen spricht eigentlich für eine karolingische Gründung aus dem 8. oder 9. Jahrhundert“, erläutert Dr. Götz Alper. Sogenannte Lesefunde sprächen jedoch dafür, dass es den Ort schon im 6. Jahrhundert gab. Tatsächlich wurden sogar Funde gemacht, die aus der römischen Kaiserzeit stammen. Es sei jedoch fraglich, ob es über diese Spanne hinweg eine durchgängige Besiedlung gegeben habe.

Wer sich näher über die Wüstung Nordhusen informieren möchte, kann das am Montag, 2. April, tun. Ab 14 Uhr lädt Ulrich Hauer dann zum Osterspaziergang des Aller-Ohre-Vereins ein. Treffpunkt ist um 14 Uhr der Parkplatz in der Steinbruchstraße.

Einweihung neuer Infotafeln

Darüber hinaus sollen am 13. Mai um 14 Uhr neue Info-Tafeln an der Ruine des Nordhusener Kirchturms eingeweiht werden. Sie sollen auch die neuen Erkenntnisse in Form einer Karte widerspiegeln. Die Gestaltung übernimmt Elmar Arnhold aus Braunschweig.

Nicht zuletzt eröffnet das Haldensleber Museum am 13. Mai um 11 Uhr seine neue Sonderausstellung. Sie trägt den Titel „Die Ruine Nordhusen und die Wüstungsforschung in der Region Haldensleben“.