Weferlingen/Rätzlingen l Die Debatte, ob in Rätzlingen noch weitere Windräder gebaut werden sollen, geht weiter. Zu den neun Windrädern in den Gemarkungen Rätzlingen, Lockstedt und Bösdorf sollen acht weitere kommen. Obwohl die Entscheidung des Landesverwaltungsamtes noch aussteht, plant ein neuer Investor noch mal sechs zusätzliche Windräder zwischen Rätzlingen und Lockstedt in Richtung Everingen. Während sich der Rätzlinger Ortschaftsrat bei seiner jüngsten Zusammenkunft strikt gegen die Erweiterung des Windparks ausgesprochen hatte, stimmte der Ortschaftsrat in Oebisfelde dafür. Stadtratsmitglied Marko Alex (UWG) aus Etingen hat gleich zu Beginn der Sitzung des Stadtrates am Dienstagabend in Weferlingen gebeten, die anwesenden Rätzlinger zum Thema zu Wort kommen zu lassen. Mehrheitlich stimmten die Mandatsträger für das Rederecht der Gäste.

Firmen halten Versprechen nicht

Udo Müller (UWG Feuerwehr), Ortschaftsrat in Rätzlingen, berichtete von einer Informationsveranstaltung der Firma Umweltgerechte Kraftanlagen (UKA) aus Meißen: „Es wird von der UKA eine rosarote Wolke erzeugt. Sie machen viele Versprechungen. Wir sollten es aber auf nüchterne Beine stellen. Es gibt die wirtschaftlichen Belange und auch die Interessen der Bevölkerung.“ Müller betonte, dass die Rätzlinger in der Vergangenheit schon Erfahrungen mit Windenergieunternehmen sammeln konnten. „Wir hatten auch schon bei den ersten Windrädern mit dem Unternehmen Verträge, die kommunalaufsichtlich geprüft wurden, gemacht. Später wurden sie als sittenwidrig wieder ausgehebelt. Bis 2013 haben wir zwar jährlich 1000 Euro für unseren Schulförderverein bekommen, aber jetzt gibt es gar nichts mehr. Alle weiteren versprochenen Zahlungen sind nie eingetreten“, schilderte er. Außerdem verwies Müller auf ein Schreiben des Finanzamtes, das besage, dass bisher keine Gewerbesteuern geflossen sind und auch in Zukunft keine zu erwarten seien.

„Diese rosarote Wolke verfliegt schnell. Es ist ratsam, das Vorhaben nicht zu euphorisch und mit fliegenden Fahnen zu begrüßen. Vielleicht ist ja der neue Investor seriöser, aber wenn der Flächennutzungsplan volle Rechtskraft hat, ist er nicht mehr beherrschbar“, meinte Müller. Er riet die Vor- und Nachteile genau abzuwägen und künftige Verträge besser nach ihrer Rechtssicherheit prüfen zu lassen. Der Rätzlinger erklärte, dass die sechs neuen Windräder bis zur Flügelspitze 200 Meter groß sein werden. Die Narbenhöhen wären bei gleicher Abstandsregelung 35 Prozent höher als die bereits vorhandenen Anlagen.

Bilder

Fast 200 Unterschriften gesammelt

„Wir haben jetzt fast 200 Unterschriften von Rätzlingern, Everingern und Oebisfeldern gegen die Erweiterung des Windparks gesammelt. Vier Listen sind noch unterwegs“, sagte Müller.

Peter Fäsche ist Bewohner eines Grundstückes an der Everinger Straße in Rätzlingen direkt am Windpark. „Bitte denken Sie nicht nur an das Geld, sondern auch an den Kindergarten, der sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindet und an die leidtragenden Menschen, die dort wohnen.“

Rätzlinger Rat hat zweimal abgelehnt

Rätzlingens Ortsbürgermeister Wilhelm Behrens (WG Sport) ergänzte: „Wir haben diese Erweiterung schon zwei Mal abgelehnt. Die Auslastung des Raumes für Mensch und Natur ist erreicht.“

Bogumila Jacksch (UWG), Ortsbürgermeisterin in Oebisfelde, wohnt in Lockstedt. „Ich weiß, dass die Lockstedter als Betroffene weitere Windräder komplett ablehnen. Ich bitte die Stadträte, dass sie sich gegen die Windparkerweiterung aussprechen.“

Silke Wolf (Die Linke), Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde, berichtete über die Entscheidungen der anderen Ortschaftsräte. Demnach hat der Kathendorfer Ortsrat zur Entscheidungsfindung um weitere Unterlagen der regionalen Planung gebeten. „Everingen hat die Erweiterung abgelehnt. Der Ortschaftsrat in Bösdorf möchte sich noch positionieren“, zog Silke Wolf Bilanz. Sie schlug vor, das Votum aller Gremien abzuwarten und das Thema noch einmal im Bauausschuss zu behandeln. Hans-Werner Kraul (CDU), Ortsbürgermeister in Weferlingen, stellte den Antrag auf Vertagung. Martin Herrmann (parteilos), Ortsbürgermeister von Walbeck, widersprach: „Die Tendenz der Stadträte ist da.“ Kraul sagte mit Nachdruck: „Wir sollten das Prozedere einhalten und erst alle Räte anhören. Wenn es jetzt eine Mehrheit gibt, dann gibt es sie auch noch in vier Wochen.“ Mehrheitlich wurde der Beschluss vertagt und an den Bauausschuss gegeben.

Auf Nachfrage der Volksstimme in der UKA betonte Projektleiter Frank Buchholz, dass alle Flächen über 1000 Meter von Wohnhäusern entfernt liegen. „Jeder Errichtung von Windenergieanlagen ist eine Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzrecht vorausgesetzt. Dabei wird genau geprüft, ob die Richtlinien für Schall, Schatten sowie der Naturschutz eingehalten werden“, so Buchholz.