Zecken

Vorsicht vor Zeckenbissen im Landkreis Börde

Die Borreliose-Fälle, die früher eher in anderen Teilen Deutschlands verbreitet waren, nehmen in der Börde zu. Was wird beim Infektionsverdacht empfohlen? Und für wen ist eine Impfungen gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis sinnvoll?

Von Kaya Krahn 12.05.2022, 15:35
Im Landkreis Börde treten im Landesvergleich die zweitmeisten Borreliose-Fälle auf. Wie kann man sich schützen? Und ist es sinnvoll, sich hier eine FSME-Impfung geben zu lassen?
Im Landkreis Börde treten im Landesvergleich die zweitmeisten Borreliose-Fälle auf. Wie kann man sich schützen? Und ist es sinnvoll, sich hier eine FSME-Impfung geben zu lassen? Symbolbild: dpa

Haldensleben - Zecken gehören wohl mit zu den unbeliebtesten Krabbeltierchen, die es gibt. Nicht nur, dass ihre Bisse so oder so unangenehm sind, sie können auch Krankheiten übertragen. Etwa Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Die Borrelien, die die Krankheit übertragen, sitzen im Darm der Tiere und werden deswegen erst nach einiger Zeit übertragen. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) etwa nach zwölf Stunden saugen. „Bei Zeckenbefall muss die Zecke umgehend entfernt und die Wunde sorgfältig desinfiziert werden. Eine sofortige Vorstellung beim Hausarzt wird empfohlen“, schreibt die Kreisverwaltung des Landkreises Börde.

FSME-Impfung von Krankenkassen empfohlen

Anders sieht es bei FSME aus. Die Viren sitzen laut RKI im Speichel der Tiere, da ist es egal, wie lange sie sich festbeißen. Doch es gibt eine Impfung gegen FSME. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Immunisierung, wenn man in einem Hochrisikogebiet lebt oder beruflich und privat sehr viel Zeit im Grünen verbringt. Alle gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Impfung, wenn Betroffene in Risikogebieten leben. Nicht alle, wenn man in ein Risikogebiet reist. Das machen beispielsweise die Barmer, etwa mit Sitz in Haldensleben, oder die AOK mit Kundencenter in Wanzleben. So zumindest die Theorie, praktisch wird die Impfung „als Prophylaxe eigentlich immer als Kassenleistung verbucht, so dass die Patienten nichts zahlen müssen“, sagt Susanne Ossowski, Schwester beim Praxisteam Gartenstraße in Oschersleben.

Risikogebiete lassen sich nicht mehr klar abgrenzen

Doch welche Regionen in Deutschland gelten überhaupt als Risikogebiet? Laut dem Robert-Koch-Institut liegt das höchste Risiko für eine FSME-Infektion in Baden-Württemberg und Bayern vor. Aber auch in Hessen, Brandenburg, Thüringen und Sachsen besteht eine Infektionsgefahr. In Sachsen-Anhalt ist laut den RKI-Angaben ausschließlich das Stadtgebiet Dessau-Roßlau betroffen. Doch so klar getrennt sieht es die Barmer in Haldensleben nicht. „Wir sehen, dass sich die Risikogebiete nicht mehr so klar abgrenzen lassen wie früher. Deswegen empfehlen wir die Impfung dringend“, sagt Regionalgeschäftsführer Carsten Heimann.

Das Problem bei FSME ist, dass die Symptome oft nicht mit dem Zeckenbiss in Verbindung gebracht werden. Sie treten laut RKI nämlich in der Regel erst mehrere Wochen nach dem Biss auf. Und dann sind die Symptome oft mit denen einer Erkältung zu vergleichen. Das mache das Erkennen der Krankheit schwierig. Das Virus kann das zentrale Nervensystem befallen. Die Folge können Entzündungen der Hirnhaut, des Gehirns und des Rückenmarks sein.

Auch Kinder dürfen gegen FSME geimpft werden

Die Impfung wird von Hausärzten vorgenommen. „Wir haben den Impfstoff auch immer vorrätig. Die Impfung wird häufig nachgefragt und bei den Patienten gut angenommen“, sagt Susanne Ossowski.

Auch Kinder können geimpft werden. „Nach Vollendung des zwölften Monats“, teilt die Kinderärztin Melanie Klix aus Wanzleben mit. Sie impft regelmäßig in ihrer Praxis. „Circa jede dritte Familie wünscht die Zeckenimpfung in meiner Praxis. Ich empfinde das als häufig.“

117 Borreliose-Fälle im Landkreis Börde im vergangenen Jahr

Bei Borreliose ist es nicht so einfach. Es gibt keine Impfung. Und die Fälle im Land nehmen zu. „In Sachsen-Anhalt sind dieses Jahr bereits 81 Borreliose-Infektionen gemeldet worden“, teilt die Barmer Haldensleben mit. „Wer draußen die Zeit für Gartenarbeit, Waldspaziergänge oder Picknick nutzt, sollte sich und gegebenenfalls die Kinder anschließend auf Zecken absuchen“, sagt Carsten Heimann.

Im vergangenen Jahr sind in Sachsen-Anhalt mehr als 600 Borreliose-Fälle gemeldet worden. Der Landkreis Börde war mit 117 Infektionen der am zweitstärksten betroffene Landkreis, nur überboten vom angrenzenden Salzlandkreis mit 187 Infektionen. „Wer einen Zeckenstich bemerkt, braucht nicht gleich in Panik zu verfallen. Nicht jede Zecke, von der man gestochen wird, ist mit Borreliose infiziert“, erklärt Carsten Heimann. Es solle auf runde Hautrötungen um den Zeckenstich geachtet werden. Behandelt wird Borreliose mit Antibiotika. Passiert das nicht, kann sie etwa chronische Gelenkentzündungen hervorrufen.

Was ist Borreliose?

  • Ist eine bakterielle Erkrankung, die über Zeckenstiche übertragen werden kann.
  • Symptome:
  • Stadion eins: Kreisrunde Rötung um die Einstichstelle, möglicherweise Kopfschmerzen und Unwohlsein.
  • Stadion zwei: Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich können brennende Schmerzen oder Lähmungserscheinungen auftreten.
  • Stadion drei: Die Beschwerden treten Monate bis Jahre später auf und können chronisch verlaufen. Am häufigsten sind die Kniegelenke betroffen.
  • Impfung: nicht möglich

Was ist Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)?

  • Ist eine von Zecken übertragene Viruserkrankung, bei der sich die Gehirnhäute und das Gehirn entzünden können. Die Übertragung erfolgt durch einen Zeckenstich, sehr selten durch den Verzehr virusinfizierter Rohmilch von Ziegen oder Schafen, in Ausnahmefällen auch von Kühen.
  • Symptome: unspezifische, grippeähnliche Beschwerden. Nach einem kurzen symptomfreien Intervall von bis zu einer Woche folgen die spezifischen neurologischen Manifestationen der FSME
  • Impfung: möglich