Haldensleben l „Es gab bisher drei oder vier Interessenten. Darunter ist ein Herr, mit dem wir uns weiter unterhalten werden“, informiert Johannes Spieker, Vorsitzender der Haldensleber Wassersportfreunde, die den Sportboothafen am Mittellandkanal betreiben. Grundsätzlich sei die Suche nach einem geeigneten Hafenmeister allerdings nicht ganz einfach.

Mit einem bestehenden hauptberuflichen Arbeitsverhältnis vertrage sich das Amt schlecht, teilt Heike Klein mit. Sie ist im Vorstand der Wassersportfreunde für die Finanzen zuständig. Vergütet werde die Arbeit als Hafenmeister mit 450 Euro. Ein geeigneter Bewerber müsse jedoch bereit sein, sich über die Grenzen eines Mini-Jobs hinaus ehrenamtlich zu betätigen. Im Gegenzug gebe es eine Wohnung in der Hafenklause, die man eventuell zu günstigen Konditionen anbieten könne, so Johannes Spieker. Darüber hinaus wünschen sich die Wassersportfreunde, dass der neue Hafenmeister sein Amt nicht nur vorübergehend antritt.

Derzeit befindet sich der Sportboothafen in der Winterpause. Auch die Gaststätte Hafenklause ist geschlossen. Der Vertrag mit der bisherigen Hafenmeisterin und Gastronomin Paulina Fischer ist zum 31. Dezember ausgelaufen. Sie hat den „Grieps“ in Calvörde übernommen (Volksstimme berichtete). Zuvor hatte Paulina Fischer sich sieben Jahre lang um den Haldensleber Sportboothafen und seine Gäste gekümmert. Als einen Grund für ihren Abschied nannte sie, dass die Gaststätte als Grundlage ihrer wirtschaftlichen Existenz neben der Arbeit als Hafenmeisterin zu kurz gekommen sei. Johannes Spieker bedauert diese Entwicklung nach eigener Auskunft sehr. „Der Ruf des Vereins wurde überwiegend durch Frau Fischer geprägt“, so der Vorstandsvorsitzende, der sein Amt zum 1. Januar angetreten hat. In seinen Augen habe der Verein eine unkluge Entscheidung getroffen. Man sei nicht mehr dazu gekommen, das ganze „Paket“ aus Hafenmeisterposten und Gastronomie aufzuschnüren. „Das wäre eigentlich möglich gewesen“, so Spieker.

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Verein zeigt sich optimistisch

Heike Klein betont jedoch, dass man nicht schwarz sehen dürfe, sondern positiv denken und den Blick nach vorn richten müsse. „Wir tun alles dafür, damit sich die Gäste hier weiterhin wohlfühlen“, hält sie fest. Unter anderem sind im Sportboothafen einige Sanierungsarbeiten geplant. So soll das Hafenmeisterbüro einen eigenen Zugang bekommen, damit Gäste auf dem Weg dorthin nicht mehr durch die Gaststube der Hafenklause müssen. „Die Versorgungsleitungen werden so verlegt, dass die verschiedenen Bereiche getrennt abgerechnet werden können“, gibt Johannes Spieker bekannt. Die Wohnung werde renoviert, das Dach der Terrasse neu gemacht.

„Die Stadt sieht den Sportboothafen als eine Attraktion, und das ist er auch“, erläutert der Vorstandsvorsitzende. Das zeige sich nicht zuletzt an den Besucherzahlen, die in den letzten Jahren konstant gestiegen seien. Er sei optimistisch, dass der Verein an diese positive Entwicklung schnell wieder anknüpfen könne. Dass sich erneut jemand finde, der zugleich Gastronom und Hafenmeister sei, hält Johannes Spieker zumindest im Hinblick auf 2016 für unwahrscheinlich. Priorität habe jedoch ein neuer Hafenmeister, um den Saisonbetrieb zu sichern.

Marinekameraden unzufrieden

Mit der aktuellen Situation sehr unzufrieden ist die Marinekameradschaft Haldensleben. Über lange Jahre hatte sie in der Hafenklause ihr Domizil. Im Moment sind die Vereinsmitglieder für ihre Treffen und Veranstaltungen in die Gaststätte Richter ausgewichen. „Wir haben uns sehr über das Entgegenkommen von Herrn Richter gefreut“, betont Karl-Heinz Stradmann als stellvertretender Vorsitzender. Aber: „Wir wollen gerne in den Hafen zurück. Das Ambiente dort ist für uns als Mariner ideal.“

Unter anderem seien die Marinekameraden dort spontan mit den Schiffern ins Gespräch gekommen. Teilweise habe man diese auch zu den eigenen Veranstaltungen eingeladen. Viele Erinnerungsgegenstände, wie zum Beispiel Wimpel, Flaggen oder Fotos, hängen noch immer in der Hafenklause.

Wenn es nach Johannes Spieker geht, sollen auch die Marinekameraden selbst zurückkehren. „Ich fände es schade, wenn sie sich von uns lösen würden. Denn die Marinekameradschaft ist ein Teil dieses Hafens“, betont der Vorstandsvorsitzende der Wassersportfreunde. Doch laut Werner Hanke von der Marinekameradschaft macht eine Rückkehr erst Sinn, wenn es im Sportboothafen wieder eine Gastronomie gibt. Generell sei diese von zentraler Bedeutung: „Wenn die Bootsanleger dort nicht mehr den gewohnten Service finden, fahren sie eben dorthin, wo es ihn noch gibt. Das ist für die ganze Stadt schlecht“, hält Karl-Heinz Stradmann fest.

Das sehen Heike Klein und Johannes Spieker anders. Bis zum nächsten Hafen in Calvörde brauche man mit dem Boot immerhin eine Stunde. Richtung Osten sei Genthin der nächste vergleichbare Hafen. „Viele essen an Bord, wir haben einen Pavillon im Hafen, an dem gegrillt werden kann. Darüber hinaus gibt es eine gute Gastronomie in der Stadt“, sagt Heike Klein.

Auch die Stadt selbst beobachtet die Entwicklung im Sportboothafen. Denn sie ist die Eigentümerin des Geländes, das sie an die Wassersportfreunde verpachtet hat. „In den vergangenen Jahren konnten stetig wachsende Gästezahlen verzeichnet werden. Die bisherige Hafenmeisterin und Betreiberin der Gastronomie hatte daran sicherlich erheblichen Anteil. Insofern ist ihr Weggang bedauerlich. Die Stadt Haldensleben ist guter Hoffnung, dass der Verein die personellen Probleme bis zum Saisonstart lösen wird, damit der Hafen weiter erfolgreich im Sinne des Vertrages bewirtschaftet werden kann“, erklärt Stadt-Pressesprecher Lutz Zimmermann.