Rallye

Zehn Länder in 16 Tagen bereist

Vier Männer aus Haldensleben und Umgebung haben an einer Rallye durch zehn Länder teilgenommen. Es war ein unvergessliches Abenteuer.

Von Julia Schneider 16.08.2016, 01:01

Haldensleben l Wie könnte eine 8640 Kilometer lange Autofahrt durch zehn Länder zu schaffen sein? Zunächst wäre wohl ein hochwertiges, intaktes Fahrzeug nötig, jede Menge Zeit und eine detaillierte Organisation der Reise sicher auch. Stephan Ulrich aus Haldensleben, Thorsten Bartels aus Wieglitz, Mario Böker aus Weferlingen und Marvin Tiede aus Danndorf hatten genau das alles nicht, als sie am 18. Juni eine abenteuerliche Reise zum Nordkap antraten.

Die vier Freunde, die sich schon jahrelang kennen und alle Autofans sind, teilweise auch beruflich mit Autos zu tun haben, hatten sich für die Baltic Sea Circle Rallye angemeldet. Ziel der Rundfahrt, bei der in jedem Jahr mehrere Hundert Teilnehmer mitfahren, ist vor allem, Spenden für gemeinnützige Zwecke zu sammeln. So muss jedes der Zweierteams zunächst mindestens 750 Euro von Sponsoren einsammeln, um überhaupt starten zu können. Diese Sammlung geht an eine Einrichtung, die die Teilnehmer aus einer Liste des Veranstalters auswählen können. Die vier jungen Männer aus dem Großraum Haldensleben wählten dafür die Deutsche Lebensbrücke Hamburg.

„Alles, was wir später eingesammelt haben, konnten wir an selbst ausgesuchte Einrichtungen spenden“, sagt Stephan Ulrich. Und so passierte es, dass kürzlich Dirk Lehmann vom Satueller Tierheim und Christoph Fricke vom Kinderheim Waldstraße in Althaldensleben völlig verdutzt vor den vier Abenteuerreisenden standen und jeweils einen Scheck von 1000 Euro entgegennahmen. Das Geld hatten die Autofreunde während ihrer Rallye von Familie, Freunden und geschäftlichen Sponsoren als Spende an die beiden Einrichtungen erhalten.

Ob die jungen Männer die komplette Tour wirklich schaffen würden, das war ihnen anfangs selbst nicht ganz klar. Der Veranstalter hat ungewöhnliche Regeln für die Rallye aufgestellt. So müssen die Fahrzeuge, in denen die Teams sitzen, mindestens 20 Jahre alt sein und dürfen nicht über 2500 Euro kosten. Bei der Fahrt durften keine Autobahnen genutzt werden und die Orientierung über GPS war verboten. Stephan, Thorsten, Marvin und Mario reisten in einem Golf II, Baujahr 1991, der dem Vorbesitzer für eine Flasche Sekt abgekauft wurde, und einem Mercedes Camper von 1979. „Den hatten wir uns extra besorgt, um darin schlafen zu können“, sagt Stephan Ulrich. Viel musste aber noch an den beiden Autos repariert werden, bevor es losgehen konnte.

Als die vier jungen Männer, die sich seit Oktober 2015 auf ihr Abenteuer vorbereitet hatten, mit allen anderen Rallye-Teilnehmern vom Hamburger Fischmarkt aus starteten, konnten sie nicht ahnen, dass ihr wieder hergerichteter Mercedes Camper die Reise nicht so recht mitmachen wollte. „Schon am dritten Rallye-Tag sind wir liegengeblieben – Motorschaden“, erzählt Marvin Tiede. Wofür eine treu sorgende Familie gut ist, sahen die jungen Männer in dieser Situation. Kurzerhand setzten sich Mario Bökers Eltern in den VW Crafter des jungen Mannes und brachten den Wagen von Weferlingen nach Schweden, wo die Reisenden gestrandet waren. Während die Familie mit dem im Crafter transportierten Motorrad wieder zurück reiste, konnte die Fahrt für die vier Freunde mit dem Wagen weitergehen.

Die Reise von Hamburg über Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen bis nach Polen war mehr als abenteuerlich. Geschlafen wurde im größeren Wagen, Proviant hatten die Fahrer an Bord oder besorgten ihn sich zwischendurch. Manchmal ging es abseits der Strecken auch quer durch fast unberührte Wildnis. Dabei lernten die jungen Männer wundervolle Landschaften und deren Bewohner kennen. Ein mitgeführtes „Roadbook“ des Veranstalters brachte zusätzliche Spannung in die Reise. Darin wurden die Fahrer zu teils verrückten Aufgaben animiert, für deren Bewältigung es Punkte gab, die am Ende in die Wertung einflossen. So brachten Stephan, Thorsten, Marvin und Mario beispielsweise ein eigenes Kreuz auf dem „Hill of Crosses“ (Berg der Kreuze) in Litauen an, von dem sie zuvor nie gehört hatten.

Die Familien und Freunde, denen die jungen Männer vor allem auch für die großzügigen Spenden danken, die später an Kinderheim und Tierheim übergeben werden konnten, konnten die Reise der Vier per App mitverfolgen. Am Ende kamen die jungen Männer geschafft aber glücklich wieder in Deutschland an. „Welchen Platz wir gemacht haben, wissen wir gar nicht. Es ging wirklich um den Spaß und den hatten wir. Wir würden das jederzeit wieder machen, beim nächsten Mal aber eine neue Tour ausprobieren“, sagt Thorsten Bartels.

 

Mehr zur Rallye unter www.balticrally.superlative-adventure.com