Volksstimme: Kommandeur zu sein, sei die schönste Verwendung für einen Offizier. Auch für Sie?

Markus Schulze Harling: Auf jeden Fall. In den meisten Verwendungen ist man ja nur Führungsgehilfe oder reiner Bearbeiter. Als Kommandeur führt man Soldaten und kann gestalten. Das ist mit sehr viel Verantwortung verbunden, was natürlich auch ein stückweit belastet, aber es ist eine ganz tolle Aufgabe.

Wie war Ihr Werdegang bis zum Kommandeur?

Ich bin in Laage in Mecklenburg-Vorpommern mehr oder weniger neben einem Luftwaffenstützpunkt aufgewachsen und nach dem Fachabitur 1994 direkt als Offiziersanwärter der Pioniertruppe in die Bundeswehr eingetreten.

Im Anschluss an das Studium des Maschinenbaus in Hamburg hatte ich dann ab 2001 das Vergnügen, fünf Jahre am Standort Storkow bleiben zu dürfen. Dort war ich Zugführer, S2-Offizier sowie Kompaniechef im Panzerpionierbataillon 801 und in dem Rahmen auch für vier Monate im Kosovo. Danach ging es für mich nach Schwarzenborn, Hessen, wo ich nochmals als Kompaniechef im Jägerregiment 1 eingesetzt war. Von 2008 bis 2010 absolvierte ich dann die Generalstabsausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg und wechselte im Jahr 2010 zur Panzergrenadierbrigade 37 ins sächsische Frankenberg. In diese Zeit fiel auch ein sechsmonatiger Auslandseinsatz in Afghanistan. 2013 hatten dann sieben Jahre Pendeln ein Ende und ich wurde Referent im Bundesverteidigungsministerium, wo ich mich der Militärpolitik und Afrika widmete. Eine sehr interessante Arbeit, Afrika ist hoch spannend. Seit 2014 wusste ich dann, dass ich für die Verwendung als Bataillonskommandeur ausgewählt wurde, nur der Standort war da noch nicht bekannt.

Als Berliner dürften Sie es mit Havelberg gut getroffen haben?

Ja, natürlich. Der Weg zur Familie ist ja verhältnismäßig kurz und kann auch in der Woche mal gefahren werden, wenn die Zeit es zulässt. Meine Töchter, die 12 und 15 Jahre alt sind, gehen in Berlin aufs Gymnasium und meine Frau arbeitet dort. Von daher war ein Umzug nach Havelberg nie eine Option für uns. Aber abgesehen von der räumlichen Nähe zu Berlin, sind wir auch so von Havelberg sehr begeistert.

Den Vorteil einer Kleinstadt durfte ich schon beim Ummelden im Rathaus kennenlernen. Das dauerte hier nicht mal eine Stunde und in Berlin bekomme ich innerhalb von acht Wochen noch nicht einmal einen Termin.

Wovon waren die ersten Monate ihrer Kommandeurszeit geprägt?

Zu Beginn strömen unglaublich viele Sachen auf einen ein und man muss versuchen, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen, ohne dass dieser dazu wesentlich die Geschwindigkeit verringern muss. Wenn man sieben Jahre nicht in der Truppe war, ist eigentlich alles neu oder zumindest erheblich anders als früher. Dann ist es wichtig, dass das „Team“ um einen herum gut funktioniert, und das tut es hier in Havelberg. Das Panzerpionierbataillon 803 ist ein tolles Bataillon mit einem sehr guten Ruf. Mein Ziel ist es, diesen Stand zu halten und mit der Ausbildung weiter zu verbessern.

Was sind die Schwerpunkte für das Bataillon?

Ausbildung von 700 Soldaten

Zunächst führen wir im ersten Halbjahr hier am Standort die einsatzvorbereitende Ausbildung des Unterstützungspersonals für die Einsätze Resolut Support in Afghanistan und Minusma in Mali durch. Das ist ein Auftrag, der umfangreiche Vorbereitungen notwendig machte und wesentliche Teile des Bataillons bindet. Derzeit läuft der fünfte von neun Durchgängen, in denen wir insgesamt bis zu 700 Soldatinnen und Soldaten ausbilden werden. Die Rückmeldungen der Auszubildenden sind dabei bislang durchweg positiv.

Selbstverständlich stellen wir auch eigenes Personal für Einsatzverpflichtungen in Afghanistan, Mali, Somalia, dem Nord-Irak und dem Kosovo. Aktuell haben wir 13 Soldatinnen und Soldaten in Auslands­einsätzen, weitere werden folgen. Zusätzlich befinden sich 35 Soldaten seit Mitte Dezember in Rufbereitschaft im Rahmen der operativen Reserve der NATO für das Kosovo.

Vier Kameraden haben ihren Einsatz auch schon wieder beendet. Sie haben für drei Monate im Rahmen der EU-Ausbildungsmission (EU Training Mission) in Somalia somalische Sicherheitskräfte in Mogadishu ausgebildet und sind seit dem 5. April wieder zurück in Deutschland. Das klingt alles nicht viel, aber bei diesen Einzelabstellungen handelt es sich vornehmlich um Spezialisten oder Führungspersonal, wie unter anderem den stellvertretenden Kommandeur oder den S3-Stabsoffizier, deren Abwesenheit natürlich kompensiert werden muss.

Im zweiten Halbjahr wollen und werden wir uns verstärkt der Pionierausbildung widmen, um unseren Kernauftrag der Unterstützung der Kampftruppenbataillone wieder umfänglich erfüllen zu können.

Sind für die Aufgaben Personal und Ausstattung bereits komplett vorhanden?

Mit der Einnahme der neuen Struktur „Heer 2011“ soll unser Bataillon weiter personell aufwachsen. Unsere Sollstärke liegt bei 685 Soldatinnen und Soldaten, derzeit haben wir 590. Vakanzen bestehen insbesondere bei Offizieren und Feldwebeln. Eine neue Struktur macht immer auch langwierige Ausbildung notwendig, um den geänderten Anforderungen gerecht zu werden. Dies betrifft im Bataillon insbesondere Personal zur Kampfmittelabwehr – eine Fähigkeit, die in der neuen Struktur eine deutliche Aufwertung erfahren hat.

Infrastrukturell sind wir in Havelberg grundsätzlich gut aufgestellt. Dies gilt insbesondere hinsichtlich der Unterbringung unserer Soldaten. Lediglich im Bereich der Arbeits- und Stellflächen haben wir Handlungsbedarf, was auch der Verlegung der 4. Kompanie des Versorgungsbataillons 142 geschuldet ist, die seit letzten Oktober hier in der Elb-Havel-Kaserne stationiert ist.

Gespräche zur Schwimmhalle

Ihr Vorgänger Oberstleutnant Stefan Gruhn sprach davon, die Arbeit mit dem zivilen Bereich weiter auszubauen. Ein Thema war dabei die Nutzung der Schwimmhalle durch die Bevölkerung. Wie ist der aktuelle Stand?

In Bezug auf die Mitnutzung der Schwimmhalle sind alle Gespräche mit dem Bürgermeister und dem Leiter des Bundeswehrdienstleistungszentrums in Burg geführt und die notwendigen Maßnahmen eingeleitet. Hier sind wir guter Dinge, dass unsere Schwimmhalle zeitnah durch die Havelberger Bürger genutzt werden kann. Ansonsten wollen wir das hohe Niveau der Zusammenarbeit beibehalten.

Natürlich unterstützen wir die Stadt wieder bei Bootskorso und Pferdemarkt und laden auch in diesem Jahr die Bevölkerung zum Havelbiwak ein, das allerdings erst am 17. September stattfinden wird.