Restaurierung

700 Quader geben der Kirche Form

Die Fenster sind schon saniert, die Malerarbeiten im Innenraum sind im vollen Gange: Die Kirche in Vehlgast wird restauriert.

Von Andrea Schröder

Vehlgast l Es sind um die 700 Quader, die Maler Andreas Albrecht im Innenraum der Vehlgaster Kirche an die Wände gebracht hat oder noch bringt. Fein säuberlich geht der Zernitzer mit Lineal und Strichzeichner an die Arbeit. „Am längsten dauerte die genaue Aufteilung“, sagt er. Die Mitte der Fenster war ausschlaggebend für die waagerechte Aufteilung, die Stufe vor dem Altar für die Höhe.

„Die Quader geben dem Raum Form“, sagt Pfarrer Henning Utpatel. Sie waren im ursprünglichen Kirchenbau von 1867 vorhanden und sind bei Arbeiten der Kirche 1960 verschwunden. Die Kirchengemeinde hatte für die Wiederherstellung der ursprünglichen Farbgestaltung des Gotteshauses zu Spenden aufgerufen und Patenschaften für die Quader angeboten. Auf einer Tafel in der Winterkirche sind die einzelnen Quader eingezeichnet. Für zehn Euro können sich Interessierte noch immer einen Quader sichern. Um die 550 Quader haben bereits einen Paten. Einige haben gleich für mehrere Quader gespendet, manche sogar für 50, freut sich der Pfarrer über die Spendenbereitschaft.

Nachdem die Kirche des kleinen Haveldorfes im ersten Bauabschnitt 2012 eine komplette Dachsanierung inklusive der Holzdecke erfahren hatte, konnte vor einigen Wochen der zweite Bauabschnitt beginnen. Denn nun stehen wieder Fördergelder aus dem Leader-Programm bereit. 80 Prozent der Gesamtkosten in Höhe von 72.000 Euro zur Innenraumsanierung werden übernommen. Neben der malerischen Gestaltung wurden auch die Fenster restauriert. Die Firma Wilde aus Tangerhütte baute die Bleiglasfenster komplett aus, richtete die Einfassungen, säuberte die einzelnen Scheiben, die nun wieder in zarten blauen, roten und grünen Tönen leuchten. Wo einfaches Glas eingesetzt worden war, ist nun wieder das spezielle Glas vorhanden.

Putzarbeiten sind erforderlich. Die Elektroleitungen sind neu. Im Altarbereich wurden die um 1960 eingebrachten zwei Stufen zurückgebaut. Nun gibt es wieder nur den ursprünglichen Absatz. Damals war ein Kanzelaltar aus Stein auf zwei Stufen gestellt worden. Der Altarbereich soll künstlerisch gestaltet werden, zunächst wird es ein Provisorium geben.

Malerisch erneuert werden auch der Bereich der Orgelempore und die Kirchenbänke. Die für die Empore geplante Bierlasur, die Holz imitiert, ist schon mal testweise zu sehen. Gut eingepackt ist während der Restaurierungsarbeiten die Orgel, die in Ordnung ist und im vorigen Jahr ihren 110. Geburtstag gefeiert hat. Die Winterkirche ist 1960 durch das Einbringen von Fenstern im Bereich der Empore entstanden.

Bis Ende Oktober sollen möglichst alle Arbeiten abgeschlossen sein. Dazu gehören auch die Tischlerarbeiten zur Reparatur der Bänke. Mit einem Fest will die Kirchengemeinde Breddin-Vehlgast dann den Abschluss des zweiten Bauabschnittes würdigen und zugleich das 150-jährige Bestehen der Kirche feiern. Der Pfarrer hofft, dass im nächsten Jahr im dritten Bauabschnitt der Turm saniert werden kann. Dafür werden wieder Leader-Gelder beantragt.

Für den Eigenanteil der Kirche finden seit 2013 auch die Vehlgaster Wassermusiken statt. In diesem Jahr aufgrund der Bauarbeiten an anderen Orten. „Durch die Spenden der Konzertbesucher haben wir im vorigen Jahr einen Erlös von 2000 Euro erzielt“, sagt Henning Utpatel. Das nächste Konzert beginnt am Sonnabend, 19. August, um 15 Uhr im Hof Nummer 9. Zu Gast ist Dobrin Stanislawow, der Panflöte und Didgeridoo spielt und mit Obertongesang überzeugt.