Klietz l  Ihm selbst allerdings ging es nicht gut – ihn erwischte eine Lebensmittelvergiftung, „ich dachte, ich komme nicht mehr nach Hause“. Dass es ihm noch ein paar Tage zuvor miserabel ging und er befürchtete, dass er die Reise nicht überleben könnte, merkt man dem 83-Jährigen nicht an. Er sprüht vor Engerie, wird nicht müde, von Äthiopien und den Hilfsprojekten zu schwärmen. Der Volksstimme berichtet er von seinem jüngsten Hilfsprojekt, das ihn Anfang November wieder nach Afrika führte. Gleich am Anfang, gerade zurück von der Spendenübergabe, zog er sich vermutlich beim Verzehr von Ochsenfleisch eine Lebensmittelvergiftung zu. Er kam ins Krankenhaus – in der Hauptstadt Addis Abeba eine verhältnismäßig moderne Klinik –, hing fünf Tage am Tropf. „Sobald es mir besser ging, hab ich den nächsten Flug nach Hause gebucht“, erzählt er jetzt und fügt im nächsten Satz gleich an, dass er „wenn es mir gut geht“, im nächsten Jahr wieder nach Äthiopien fliegt.

Über 30 Jahre leben in Afrka

Denn auch wenn derzeit auch Dank des neuen Ministerpräsidenten und des mit dem Nachbarland Eritrea geschlossenen Friedensvertrages das Wirtschaftswachstum bei sieben Prozent liegt, sei die Hilfe nach wie vor ganz dringend nötig. Während sich die Zentren wie die Hauptstadt Addis Abeba rasent schnell entwickeln, leben die Menschen in der Provinz ärmlich. Auch das Naturvolk der Afar, die als Nomaden in der Wüste leben. Sie unterstützt Dieter Wartenberg schon seit langer Zeit. Er selbst hat 33 Jahre in Addis Abeba gelegt, ist 1979 als Lehrer von Klietz nach Äthiopien gegangen und ist auch noch im Rentneralter geblieben, um unter anderem an der Uni Lehrer auszubilden und Deutsch zu unterrichten. Zeitweise hatte er vier Jobs gleichzeitig. Seitdem er wieder zu Hause lebt, fliegt er mehrfach im Jahr in sein zweites Zuhause in Afrika, um zu helfen.

Möbel für die Schule

Nicht nur den Menschen, denen er wie beispielsweise seinem Ziehsohn Birhano (der ist inzwischen verheiratet, Vater eines zweijährgien Sohnes und als Transporteur selbstständig), nahe steht, sondern auch anderen, ganz armen Menschen. So gibt es eine Schule bei den Afar, die Dank der Spenden aus Klietz aufgebaut werden konnte. Und die Hilfsgüter, die Dieter Wartenberg vor Ort kauft und dann direkt in die Dörfer bringt, lindern die Not, die bedingt durch die Dürre in den letzten Jahren besonders groß war. Die Menschen stehen an der Straße und sind unbeschreiblich dankbar für Mehl, Nudeln, Öl, Streichhölzer und mehr, die der Klietzer und seine treuen, langjährigen Begleiter wie Reiseleiter Abbebe bringen. Dieses Mal für die Schule nicht nur Hefte und Stifte, sondern auch wieder mal neue Tische und Bänke, wird die Schule doch immer größer. Durch die Hilfe aus Deutschland wird den Kindern überhaupt erst eine Schulbildung ermöglicht. Das Volk der Afar ernährt sich vor allem von der Milch und vom Blut ihrer Tiere. Und von den Lebensmittel-Spenden.

"Tanz der Hormone"

Deshalb setzt sich Dieter Wartenberg auch nicht zur Ruhe und macht immer weiter: Er hält Vorträge an der Uni in Magdeburg und vor interessierten Gruppen – die Honorare und Spenden bringt er 1:1 nach Äthiopien. Kurz vor dem Druck steht sein neuestes Buch mit 30 Kurzgeschichten zum Thema „Tanz der Hormone“, „etwas gewagt und nur für Erwachsene gedacht, aber spannend“, macht er neugierig.

Warum er die Mühe und die Strapazen der Reise auch mit über 80 Jahren auf sich nimmt? „Weil es mir Freude bereitet, zu helfen. Die strahlenden Augen der Kinder, Männer und Frauen zu sehen, sie lesen zu hören und rechnen zu sehen, sind der größte Dank.“ Er wünscht den Menschen in Äthiopien Frieden, keine Einmischung von anderen Staaten und weiterhin viele Hilfsprojekte. Äthiopien möge sich weiterentwickeln, damit die Menschen in ihrer Heimat eine gute Lebensgrundlage haben.