Tangermünde/Klietz l Mit einem großen Basar auf dem Stendaler Weihnachtsmarkt soll wieder Geld für Afrika zusammenkommen. Und auch Dieter Wartenberg aus Klietz freut sich über neue Spenden für die nächste Reise. Unlängst trafen sich die Mitglieder der Äthiopienkinderhilfe Stendal-Tangermünde (dazu gehört auch das Diesterweg-Gymnasium) in Tangermünde, um von der jüngsten Reise nach Äthiopien zu hören. Anfang Oktober waren die Lehrer Detlev Pohl und Barbara Birkholz, die Schülerinnen Flora Hauwetter und Lisa Schneider, Jürgen Roswandowicz aus Tangermünde und Dieter Wartenberg aus Klietz nach Addis Abeba geflogen, um die Spenden direkt zu überbringen.

Hilfe für Patenschule

Ein großer Teil der Hilfsgüter, die bei verschiedenen Aktionen und durch Spenden von Firmen und vor allem von Privatpersonen zusammengekommen waren, ging an die Schule in Shafamu – ein Ort abseits der Metropole Addis Abeba gelegen. Sie ist seit 2007 Patenschule des Gymnasiums und wird von der Äthiopienkinderhilfe unter Leitung von Gerd Engel aus Stendal unterstützt. Anfangs waren es 30 Kinder, die Dank der Hilfe aus Deutschland lernen konnten. Inzwischen sind so viele Gebäude entstanden, dass 600 Kinder von der 1. bis zur 8. Klasse unterrichtet werden können. „Für nächstes Jahr sind weitere 130 Schüler angemeldet“, berichtet Detlef Pohl, der Sportlehrer am Gymnasium ist.

Sicheres Reisen Dank guter Kontakte

Mit fünf großen 25-Kilo-Koffern voller Unterrichtsmaterial war die Gruppe nach Afrika gestartet. Begleitet wurde sie wie immer von Dieter Wartenberg aus Klietz. Er kennt das Land bestens, war seit 1985 Lehrer an der Universität in Addis Abeba, wo er als Professor angehende Lehrer unterrichtet. Bis weit über das Rentenalter hinaus war er tätig. Und auch jetzt, mit 81 Jahren, reist er zweimal pro Jahr nach Äthiopien, um mit Spenden direkt vor Ort zu helfen und vor allem die Hungersnot zu lindern. Dank seiner Kontakte vor allem zu seinem Ziehsohn Birhano und einem inzwischen zum Freund gewordenen Reisebüroinhaber namens Abebbe ist es gut möglich, sich sicher in dem Land zu bewegen. So hat die deutsche Reisegruppe zusätzlich zu den mitgebrachten Spenden anhand eines Wunschzettels in Addis Abeba eingekauft und sich dann voll bepackt auf den Weg nach Shafamu gemacht.

Bilder

Wunsch: ein eigener Brunnen

Die letzten vier Kilometer mussten sie laufen, die Jeeps schafften es nur ohne zusätzliches Gewicht von Personen irgendwie über die schlammige Straße bis zur Schule. Hier war der Empfang wie immer herzlich. Dankbar wurden Schreibblöcke, Bleistifte, Anspitzer, Radiergummi, Kreide, ja sogar Seife und Toilettenpapier entgegengenommen, dazu 550 Plüschtiere und auch 300 Stoffbeutel, die ein Tangermünder Supermarkt spendiert hat und den Kindern als Schultasche dient. Nachgeliefert wurden Tafeln, Bänke und Tische. Fotos zeugen davon, wie gut die Schule für afrikanische Verhältnisse ausgestattet ist. Alle 20 Lehrer haben zudem eine Mappe erhalten, die unter anderem einen Taschenrechner enthielt und auch etwas Geld für jeden. Zu den Wünschen der Kinder und Lehrer in Shafamu gehört ein Brunnen, der auf dem Schulgelände gebohrt werden könnte – die nächste Wasserquelle befindet sich außerhalb des Schulgeländes und Wasser gibt es nur auf Zuteilung. Zu den Fortschritten auf dem Schulgelände gehören für Mädchen und Jungen getrennte Toiletten und eine kleine Baumschule.

Spenden werden auf Markt in Stendal verkauft

Die Äthiopienkinderhilfe sammelt schon wieder Geld. Nächste große Aktion ist der Spendenbasar auf dem Stendaler Weihnachtsmarkt am 11. Dezember. Hier werden die Dinge von Spendern aus dem gesamten Landkreis angeboten: Spielsachen, Plüschtiere, Bücher, Haushaltsgeräte, Deko, Weihnachtstypisches, Plätzchen – alles, was sich gut verkaufen lässt. Auch die Bewohner östlich der Elbe können gern etwas geben, „wir holen die Spenden auch ab“, sagt Gerd Engel. Ansonsten können sie bis zum 7. Dezember am Gymnasium abgegeben werden.

Freude über Mehl, Zucker, Seife

Und auch Dieter Wartenberg hat nach Vorträgen an der Uni in Magdeburg und bei den Senioren in Neuermark-Lübars schon wieder Geld beisammen, das er 2017 überbringen wird. Er berichtete bei der Zusammenkunft der Äthiopienkinderhilfe, was er nach der Abreise der Gruppe erlebte. Denn er ist weitere zehn Tage im Land geblieben, um seine Spenden zu überbringen – darunter auch 1000 Euro von der Äthiopienkinderhilfe. Begleitet von Abbebe und Birhano ging es trotz der Unruhen in dem Land in den Norden in die Afar-Region, in der die Hungersnot im vergangenen Jahr besonders groß war. Dank Regierungsprogrammen und der Hilfe aus Deutschland und der Welt geht es der Landbevölkerung inzwischen etwas besser, zudem hat es jetzt endlich ergiebig geregnet. Voll bepackt war der Jeep mit Säcken voller Mehl, mit Zucker, Öl, Seife, Kaffee und natürlich Süßigkeiten. In den Afar-Dörfern kennt man Dieter Wartenberg inzwischen und ist dankbar für die Hilfe.

Fortschritt ist deutlich zu sehen

Der Klietzer kann Dank der Großzügigkeit der Spender auch eine Schule unterstützen. „Sie ist mit sechs Lehrern recht klein. Gerade jetzt nach der Dürre sind viele Hirtenfamilien weitergezogen in fruchtbareres Land, so dass nicht so viele Kinder da sind. Aber dennoch ist hier der Fortschritt zu sehen und die Kinder lernen – das ist so wichtig!“ ist er zufrieden und glücklich, dass die Hilfe ankommt. Auch, dass es Erkrankten, für deren medizinische Versorgung er im Frühling Geld dagelassen hatte, wieder gut geht.

Vortrag am 29. November

Mehrfach konnte der Klietzer den Jeep voll beladen lassen und den Dörfern einen Besuch abstatten, „so viel Geld wie dieses Mal konnte ich bislang noch nie umsetzen“, richtet er den Dank an alle, die für Äthiopien gespendet haben. Etliche weitere Vortrags-Termine hat er bereits, einen davon am 29. November ab 14 Uhr im Klietzer Gemeindebüro. Und wenn genug Geld beisammen ist, wird er im Frühling mit dann 82 Jahren wieder aufbrechen. Die Äthiopienkinderhilfe plant die nächste Reise in zwei Jahren, bis dahin gibt es aber immer wieder Gelegenheit, Dieter Wartenberg Geld mitzugeben. Denn jeder weiß: Es kommt an!