Schönhausen l Dorfbewohner Bernd Witt, einst Verbandsbürgermeister und auch Ratsmitglied, hatte im Frühsommer eine Stele gestiftet, um damit die Einrichtung einer halbanonymen Urnenstätte auf dem Friedhof an den Start zu bringen. Schon seit Jahren wird darüber debattiert und immer wieder kam aus der Bevölkerung der Wunsch nach dieser Möglichkeit der Bestattung, die es auf Friedhöfen in anderen Orten längst gibt.

Auf der jüngsten Ratssitzung meldete sich der Spender in der Einwohnerfragestunde zu Wort: Bei den Absprachen mit dem Bürgermeister hatte es geheißen, er kann den Standort für die Stele auf der Fläche wählen. Er entschied sich für einen Eckpunkt, damit in Zukunft weitere Stelen aufgestellt werden können, wenn die 20 Namenstafeln belegt sind. Auf Friedhöfen in Rathenow und Stendal hatte er sich verschiedene Möglichkeiten angesehen, wie „halbanonym“ umzusetzen sei. Die Variante mit der Stele und den 20 Tafeln, die Platz für den Namen und auch noch ein Monogramm bieten, gefiel ihm am besten. Kurz nach der Aufstellung hat die Gemeinde die Säule in die Mitte umsetzen lassen.

„Schildchen wie Klingelschilder“

„Und vom Buschfunk habe ich gehört, dass auf der Stele anstatt wie vorgesehen die 20 Tafeln nicht zum direkten Beschriften genutzt werden sollen, sondern zum Anbringen von kleinen Schildern, die Klingelschildern ähneln, um somit Platz für knapp 200 Namen zu haben. Das war nicht unser Ansinnen, wir wollten etwas Ansprechendes, Niveauvolles schaffen“, bekräftigt auch seine Frau Silvia. Mit dem jetzigen Werdegang ist das Ehepaar Witt nicht einverstanden, „unsere Spende wird anders als abgesprochen zweckentfremdet. Wenn das so umgesetzt wird wie jetzt geplant, ziehe ich die Spende zurück.“

Bürgermeister Holger Borowski bot zunächst an, Bernd Witt die Stele abzukaufen, was dieser verständnislos ablehnte. Das Gemeindeoberhaupt begründete die Veränderungen so, dass mittig auf der Fläche ein besserer Platz sei. Die Stele werde noch eingefriedet und von einer Hecke aus Eiben umsäumt. Hier kann man dann auch Blumen ablegen. Er zeigte die Schilder, die an der Stele angebracht werden sollen. „Das sieht aus wie gewollt und nicht gekonnt“, findet Gottfried Bauch.

„Stele finanziert sich doch selbst“

Bernd Bleis bedauert, dass es Kommunikationsprobleme zwischen Gemeinde und Spender gibt. Als Kommune mit knapper Kasse hielt man es für vorteilhafter, auf der Stele mehr Namen anzubringen, kostet der Kauf jeder weiteren Säule doch immerhin rund 6000 Euro. Die würden, so Bernd Witt, doch durch die Gebühren, die die Gemeinde erhält, wieder eingenommen, so dass sich die Stele, wenn sie voll ist, selbst finanziert.

Jürgen Mund findet „es peinlich, dass wir hier so über eine gute Sache beraten müssen“. Von den Bedingungen, die an das Aufstellen der Stele geknüpft waren, habe er nichts gewusst, sonst hätte er bei der Beratung über das Anbringen der vielen Täfelchen anders entschieden.

Deshalb stellte er auch den Antrag, den auf der Tagesordnung stehenden Beschluss zur Änderung der Friedhofsgebührensatzung wegen der Schaffung der halbanonymen Urnenstatte zurückzustellen, „wir wissen ja noch gar nicht, was wir nun mit den Namensschildern machen“. Die von der Standesbeamtin erstellte Satzung basiert auf Grundlage der vom Bürgermeister übermittelten Zahlen, dass knapp 200 Plätze auf dem halbanonymen Urnenfeld vorhanden sind. Ein Platz ist 50 mal 50 Zentimeter groß.

Ein Ergebnis gab es auf der Ratssitzung nicht. Es geht also wieder Zeit ins Land. Denn die halbanonyme Bestattung darf auf der Fläche erst erfolgen, wenn auch eine Satzung vorliegt.