Schönhausen l Anke Schleusner-Reinfeldt sprach mit dem Schönhauser über den Brandschutz zwischen Fischbeck und Sandau und seine Wünsche für die Wehren.

Volksstimme: Sie sind nun im Gemeindewehrleiter-Ruhestand. Erleichtert, die verantwortungsvolle Position abgelegt zu haben oder hätten Sie vielleicht doch noch gern weitergemacht?

Karl-Heinz Pick: Teils, teils. Im November 2015 hatte ich mich ja nochmal zur Wahl gestellt mit der Option, dieses Amt bis zu meinen 65. Geburtstag auszuführen. Im April werde ich 65 – der Zeitpunkt war also ran. Mit der Änderung im Brandschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt der aktiven Dienstzeit von 65 auf 67 Jahre hätte ich auch noch weiter machen können. Aber ich denke mal, die 25 Jahre in übergeordneter Führungspositionen reichen aus.

In Uwe Engel stecken Sie ihr volles Vertrauen?

Ja! Uwe und ich, wir kennen uns schon seit Kindheitstagen und als Feuerwehrmann genießt er auch mein volles Vertrauen, die neuen Aufgaben zu meistern. Ich denke, dass wir mit ihm einen guten Nachfolger haben. Ich wünsche ihm und seinem Team viel Freude und Erfolg bei den bevorstehenden Aufgaben zum Wohle der Feuerwehren und des Brandschutzes in unserer Verbandsgemeinde.

Dieses Jahr tut sich ja einiges: Das Gerätehaus in Wust wird fertig und die Schollener Wehr bekommt ein Fahrzeug ...

Zeit wird es. Das Gerätehaus in Wust entspricht seit Jahren nicht mehr der Norm für Feuerwehrgerätehäuser, das wurde auch immer wieder bei den jährlichen Überprüfungen von mir in den Protokollen festgehalten. Naja: „Was lange währt, wird gut“ sagt bekanntlich ein altes Sprichwort. Hoffen wir, dass die Bauarbeiten in der entsprechenden Qualität durchgeführt und zu Ende gebracht werden. Und wenn dann noch das neue Löschfahrzeug in der Garage steht, dann haben auch die Wuster optimale Bedingungen für ihren Einsatz- und Ausbildungsdienst. Die Ausschreibungen für das neue Hilfeleistungs-Löschfahrzeug (HLF) sind meines Wissen abgeschlossen, so dass das Fahrzeug für Schollene beschafft und der alte Tanker von 1973 ausgesondert werden kann.

Welche Dinge sind längst überfällig?

Ach, da gibt es noch einiges, was angeschafft beziehungsweise durch Neukauf ersetzt werden muss. Wir haben in etlichen Wehren noch sehr alte Löschfahrzeuge, die nicht mehr der Norm und dem Unfallschutz entsprechen, beispielsweise die alten LOs in Klietz und Kabelitz. Aber auch die Löschfahrzeuge in Neuermark-Lübars und Schönfeld sind schon mehrere Jahrzehnte alt und rollen nur noch dank der gute Pflege durch die Kameraden zum Einsatz. Oftmals fehlt es an entsprechenden Ersatzteilen, um die Fahrzeuge zu reparieren. Die Anschaffung eines Einsatzleitwagen für die Verbandsgemeinde-Feuerwehr ist schon mehrfach verschoben worden. Wie wichtig so ein Fahrzeug für die Koordination der Feuerwehren ist, zeigt sich immer wieder bei größeren Schadenslagen und Einsätzen, an denen mehrere Wehren beteiligt sind. Ich hoffe, das er 2019 angeschafft werden wird.

Sie haben an der Risikoanalyse der Verbandsgemeinde mitgewirkt. Die besagt auch, was in den kommenden Jahren angeschafft werden muss. Trifft das Ihre Vorstellungen?

Als wir in den Jahren 2009 bis 2012 die Risikoanalyse gemeinsam mit der Verbandsgemeinde erarbeitet haben, waren wir bemüht, alle möglichen Risiken und Gefahren bezüglich des Brandschutzes zu beachten und eine entsprechende Konzeption für die Fahrzeug- und Gerätebeschaffung sowie für den Bau und Ausbau der Feuerwehrgerätehäuser zu erstellen, welche dann auch letztendlich durch den Verbandsgemeinderat bestätigt wurde. Leider sind die planmäßigen Anschaffungen durch die Flut 2013, die kurzfristige Anschaffung einer Drehleiter und andere technische Probleme etwas aus dem Takt geraten, so dass die Konzeption stets aktualisiert und geändert werden muss. Aber dennoch steht der Rat hinter der Feuerwehr und ist bemüht, die Aufgaben einer Gemeinde in puncto Brandschutz zu erfüllen. Auch wenn es manchmal etwas länger dauert, sollte man das Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Es werden immer mal wieder Stimmen laut, dass der Brandschutz zu viel kostet.

Ja, das ist leider so, aber Sicherheit kostet nun einmal Geld, manchmal auch viel Geld.Unsere Kameradinnen und Kameraden setzen sich für in Gefahr oder Not geratene Menschen ein, zu jeder Tages- und Nachtzeit, oftmals ihr eigenes Leben aufs Spiel setzend, um zu retten, zu helfen, zu schützen und zu bergen. Und um das alles schnell und effektiv umsetzen zu können, ist es nun mal nötig, die Feuerwehren mit den entsprechenden Fahrzeugen und Geräten auszustatten. Dazu zählt auch eine normgerechte Einsatzbekleidung für alle Aktiven. Ich möchte nicht erleben, dass es heißt „die Feuerwehr kam zu spät oder konnte nicht helfen, weil ein bestimmtes Gerät oder Technik nicht vorhanden waren und dadurch ein Menschenleben zu beklagen ist“.

Die ganz kleinen Wehren, die die Einsatzbereitschaft kaum noch absichern können, abzuschaffen, ist sicher für Sie keine Option?

Auf Grund der demografischen Situation in den ländlichen Gebieten ist es schwer, die Einsatzbereitschaft insbesondere am Tage abzusichern. Deshalb werden entsprechend der Alarm- und Ausrückeordnung durch die Rettungsleitstelle in Stendal oftmals gleich mehrere Ortsfeuerwehren alarmiert, um die Einsatzstärke einer Gruppe mit einem Gruppenführer und acht Kameraden innerhalb von zwölf Minuten an den Einsatzort zu bekommen.Lieber eine Feuerwehr mehr alarmiert als eine zu wenig.

Wie ist es generell um die Einsatzbereitschaft am Tage bestellt?

Sie könnte besser sein. Weil aber sehr viele Kameraden außerhalb ihrer Heimatorte arbeiten, ist das momentan nicht viel besser hinzubekommen. Hier sind die Politik und die Wirtschaft gefragt, um die jungen Leute in unserer Region durch ein besseres Angebot an Arbeitsplätzen zu halten.

Die Melkower Wehr ist im vergangenen Jahr aufgelöst worden ...

Leider. Durch die Wende 1989 sind in vielen Feuerwehren die Strukturen zusammengebrochen, so dass die Feuerwehrarbeit zum Erliegen kam. Als ich 1994 als Abschnittsleiter für den Bereich Schönhausen angefangen habe, war die Ortsfeuerwehr Melkow wie auch einige andere nicht wirklich einsatzbereit. Eine meiner ersten Aufgaben bestand darin, diesen Feuerwehren in Melkow, Sydow, Kabelitz und Hohengöhren wieder auf die Beine zu helfen. In zahlreichen Gesprächen und Versammlungen ist es uns dann auch gemeinsam gelungen, diese Wehren wieder zu aktivieren. Dass es jetzt zum Ende meiner Amtszeit doch noch zur Auflösung von Melkow gekommen ist, ist wirklich schade. Leider haben die Angebote, die wir von Seiten der Verbandsgemeinde und der Wehrleitung den Melkowern unterbreitet haben, keine positive Wirkung gezeigt, so dass wir schweren Herzens der Schließung zugestimmt haben.

Kann man mit den Mitgliederzahlen zufrieden sein?

Sicherlich wäre es schön, wenn wir noch mehr aktive Mitglieder hätten. Aber es ist schwierig, Nachwuchs zu gewinnen. Die Feuerwehren sind stets bemüht, auch mit Tagen der offenen Türen neue Mitglieder zu werben. Leider mit mäßigem Erfolg. Ein Hoffnungsschimmer sind unsere Kinder– und Jugendfeuerwehren. Wenn dann aber die Jugendlichen in andere Regionen oder Bundesländer zur Lehre oder zum Studium gehen, dann sind sie erst einmal für uns weg. Die Zahlen der Mitglieder sind in den letzten Jahren in etwa bei 335 Aktiven konstant geblieben. Von ihnen sind aber am Tage nur etwa 85 bis 100 einsatzbereit vor Ort. Einen positiven Zuwachs konnten wir im letzten Jahr bei den Kinderfeuerwehren verzeichnen. Es gibt einen Anstieg von 18 Kindern im Jahr 2017 auf 52 Kinder im Jahr 2018! Die Gründung der Kinderwehr in Schollene hat auch dazu beigetragen.

Das Land Sachsen-Anhalt will ja verstärkt um Nachwuchs werben ...

Ja, das ist schön und mit dem „Tag der Feuerwehren in Sachsen-Anhalt“ am 26. Mai 2018 ist ein Schritt in die richtige Richtung getan worden. Aber es muss weitergehen!

Was würden Sie sich vom Land und auch von der Verbandsgemeinde für die Wehren wünschen?

Es ist ja nicht nur die finanzielle Unterstützung, auf die die Feuerwehren angewiesen sind. Die Anerkennung des Ehrenamtes Feuerwehr durch die Förderung von kostenloser Nutzung bestimmter kultureller Freizeitangebote wie Schwimmbad, Kino oder Sportveranstaltungen wäre sicherlich auch ein zusätzlicher Anreiz, Mitglied einer Feuerwehr zu werden.

Wie gut sind die Kameraden auf andere Katastrophen vorbereitet?

Ich bin der Meinung, dass wir einigermaßen gut vorbereitet sind. In den letzten Jahren nach der Flut fanden verstärkt Schulungen und Ausbildungen unterschiedlicher Art statt. Was fehlt, sind noch viele technische Voraussetzungen, um bei Großschadenslagen eine ordentliche Kommunikation zwischen den Einsatzkräften vor Ort und den Einsatzstäben in den jeweiligen Verwaltungen zu haben. Dazu zählt unter anderem wie schon erwähnt mindestens ein Einsatzleitwagen, aber auch die entsprechende Computertechnik, Faxgeräte, Drucker und Internet in den Gerätehäusern.

Dass die Wehren gerufen werden, wenn bei Sturm leicht wegzuräumende Äste auf der Straße liegen, ist angemessen oder schon ärgerlich?

Ja, das ist leider ein immer wiederkehrendes Problem und manchmal auch ärgerlich. Oftmals würde es ja ausreichen, wenn der oder die Bürger, die so etwas sehen, diese kleinen Äste selbst – natürlich unter Beachtung der eigenen Sicherheit – bei Seite räumen. Aber es gibt ja die Feuerwehr – die Deppen werden das schon machen.

Stehen in diesem Jahr Jubiläen an und gibt es schon einen Termin für den Ausscheid im Löschangriff?

Ja, die Ortsfeuerwehr Kamern wird 90 und die Klietzer Wehr 95. Klietz richtet den Wettkampf im Löschangriff-Nass der Verbandsgemeinde am 8. Juni aus und Kamern will das Jubiläum am 29. Juni feiern.

Sie können sich nun voll und ganz der Leitung der Schönhauser Wehr widmen ...

Das hab ich auch bislang intensiv getan und werde es jetzt sicherlich noch etwas leichter haben, wenn ich mich nicht mehr auf die Aufgaben als Verbandsgemeinde-Wehrleiter fixieren muss. Und wo läuft schon alles rund? Das wäre zu schön, um wahr zu sein. Wir haben in Schönhausen genau die gleichen Sorgen und Probleme wie andere Ortsfeuerwehren auch. Personell sind wir noch gut aufgestellt, so dass wir unsere Einsatzbereitschaft am Tage aufrecht erhalten können.

Sie haben mehr Zeit wofür?

Na in erster Linie für die Familie. Wir fahren ganz gern Fahrrad. Und jetzt muss man niht stänig das Ohr am Pieper für alle Wehren im Elbe-havel-Land haben. Denn bei größeren Einsätzen ist man ja, wenn möglich, als Gemeindewehrleiter auch vor Ort. Ich kann mich voll und ganz auf die Schönhauser Wehr konzentrieren. Aber natürlich werde ich auch in der Zeitung ganz genau verfolgen, was sich bei den anderen Wehren so tut. Da freue ich mich schon auf solche Schlagzeilen wie „Schollener nehmen neues Auto in Empfang“ und „Wuster weihen neues Gerätehaus ein“. Und hoffentlich auch: „Der Verbandsgemeinde steht nun ein Einsatzleitwagen zur Verfügung“.