Damerow l Angefangen vom Umweltministerium bis hin zum Ortschaftsrat saßen am Mittwoch Vertreter in Damerow an einem Tisch, um darüber zu sprechen, wie die Plage mit den Eichenprozessionsspinnern einzudämmen ist. Dass die Raupe gänzlich auszurotten ist, davon geht niemand aus. Doch wäre es gut, wenn die Menschen in den Orten wieder ohne die Angst leben könnten, durch die giftigen Härchen der Raupen zu erkranken.

Besonders im Bereich Damerow und Vehlgast machten die Raupen den Einwohnern in den vergangenen Jahren immer wieder arg zu schaffen. Obwohl durch Besprühen vom Boden aus oder aus der Luft per Hubschrauber Maßnahmen ergriffen wurden, zogen Millionen von Raupen als Prozessionszüge von Baum zu Baum. Auch in diesem Frühjahr. Die Volksstimme berichtete.

Der Ortschaftsrat hatte sich im Sommer mit einem Schreiben an die Hansestadt sowie an zuständige Behörden, das Landesumweltministerium sowie den Landtagsabgeordneten für den Wahlkreis Chris Schulenburg (CDU) gewandt, um auf eine Lösung des Pro­blems zu drängen. Ein Ergebnis war das Arbeitsgespräch am Mittwoch. Doch hat sich inzwischen schon mehr getan.

Bilder

Das Landeszentrum Wald ist zentraler Ansprechpartner bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Darüber informierte das Landesministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie (MULE) im Oktober dieses Jahres. Das Landeszentrum werde entsprechend des Landeswaldgesetzes notwendige Maßnahmen im Wald und zudem bei den Landkreisen und kreisfreien Städten vornehmen. Unterstützung kommt von den regionalen Waldschutzbeauftragten in den Betreuungsforstämtern. In Damerow stellte MULE-Mitarbeiter Frank Specht die Vorhaben vor. Er berichtete auch davon, dass es auf der Internetseite des Ministeriums ein „Informationsblatt zur Abwendung gesundheitlicher Gefahren durch den Eichenprozessionsspinner“ zum Herunterladen gibt. In diesem wird über Biologie, Vorkommen und Verbreitung, Schadwirkungen an Bäumen und Gesundheitsgefahren für die Menschen, Schutz- und Bekämpfungsmaßnahmen berichtet.

Klarer Überblick bis zum Jahresende

Havelbergs Bürgermeister Bernd Poloski fasste nach gut anderthalb Stunden die Ergebnisse des Arbeitsgespräches zusammen. Wichtig sei, dass sich alle Partner klar dazu positionieren, sich gemeinsam für eine konzertierte Bekämpfung einzusetzen, soweit es ihnen möglich ist. Bekanntlich gibt es nicht nur verschiedene Zuständigkeiten – Kommunen, Kreis, Landesstraßenbaubehörde, Forst... –, sondern auch unterschiedliche gesetzliche Grundlagen für den Einsatz von Bekämpfungsmitteln.

„Ganz deutlich muss man allerdings sagen, dass jeder Eigentümer für seine Fläche zuständig ist. Ich schlage vor, dass wir uns kurzfristig innerhalb der Einheitsgemeinde zusammenfinden, um mit Hilfe der Ortschaftsräte die betroffenen Flächen genau zu ermitteln und festzulegen, wo die Prioritäten liegen. Bis zum Jahresende sollten wir eine klare Übersicht haben.“ Was die kommunalen Flächen betrifft, ist der Überblick schon auf gutem Stand. „Wichtig ist, dass sich auch jeder meldet, der privat betroffen ist“, sagte Ordnungsamtsleiter André Gerdel.

Mit dem Landkreis soll noch bis zum Jahresende abgestimmt werden, so der Bürgermeister, wo der Einsatz welcher Mittel möglich wäre und wo gemeinsame Aktionen beauftragt werden könnten. Bürger, die befallene Eichen auf ihren Grundstücken haben, sollten sich mit anschließen können, müssten die Bekämpfung allerdings selbst bezahlen.

Das Besprühen einer Eiche kostet um die zehn Euro. Für das wesentlich aufwendigere Absaugen der Nester ist – abhängig von der Größe des Baumes – mit bis zu 200 Euro zu rechnen, informierte Nicole Köhler, Sachbearbeiterin in der Unteren Forstbehörde des Landkreises Stendal, wo bereits in den vergangenen Jahren die Bekämpfung der Raupen auf Kreis- und Gemeindegebiet koordiniert worden ist. In diesem Jahr wurden im Landkreis 4336 Einzelbäume in sieben Gemeinden besprüht sowie Flächen von insgesamt 286 Hektar beflogen.

Im ersten Quartal 2017 sollen die Bürger über Zeitung und Internet darüber informiert werden, was konkret in welchem Bereich vorgesehen ist, sagte der Bürgermeister außerdem.

Landtagsabgeordneter Chris Schulenburg berichtete, dass seine Fraktion im Landtag darauf achten wird, ob die Ministerin bei der Haushaltsplanung Wert auf die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners oder auf teure Prestigeobjekte legt. Frank Specht gab hier allerdings zu verstehen, dass auch das Sozialministerium in Fragen des Gesundheitsschutzes und das Innenministerium bei der finanziellen Ausstattung der Landkreise ebenfalls mit ins Boot zu holen sind.

Aus Sicht des stellvertretenden Ortsbürgermeisters von Vehlgast-Kümmernitz Hans-Günther Rose ist mit diesem „Runden Tisch“ ein erster Schritt getan, Vorkommen und Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners einzudämmen. Bisher waren alle Maßnahmen unbefriedigend. Denn das Besprühen von Bäumen in Damerow und Vehlgast zeigte wenig bis gar keinen Erfolg. Ein Problem wurde darin gesehen, dass umstehende Waldflächen nicht mit berücksichtigt worden sind.

Das liegt in der unterschiedlichen Rechtszuständigkeit für Pflanzenschutz und Gesundheitsschutz für Mensch und Tier begründet, erklärte Peter Sültmann, Leiter des Betreuungsforstamtes Elb-Havel-Winkel. Er versicherte: „Unser Wille und unser Auftrag ist es, mit den Gemeinden zusammenzuarbeiten.“

Möglicherweise finden die Auflistungen von betroffenen Eichenwäldern, die Havelbergs Revierförster Stefan Swiderski alljährlich vornimmt, künftig Gehör in dem Sinne, dass die Raupen in wohnortnahen Waldgebieten wie in Vehlgast/Damerow künftig bekämpft werden dürfen. Das gaben die Gesetze bisher nur schwer her.

Marianne und Jürgen Kretschmann gehören zu den betroffenen Einwohnern in Damerow. „Hier ist jede Straße betroffen und ich habe jedes Jahr mit Juckreiz und ­Asthma zu kämpfen. Es ging immer nur schnell rein ins Auto, Lüftung aus und dann los. Wir hatten das Gefühl, hier passiert nichts. Das Arbeitsgespräch jetzt war sehr interessant und wir sehen, es bewegt sich nun was.“