Havelberg l Bedingt durch die langanhaltende Hitze und das Niedrigwasser in der Elbe ist es in diesem Jahr am Havelberger Yachthafen etwas ruhiger. Hafenmeisterin Sigrid Weidenbach konnte jetzt aber Freizeitkapitäne von weither am Steg begrüßen. Aus der zweitgrößten Stadt Südafrikas, aus Kapstadt, hatten die Eheleute Samia und Jürgen Esser mit ihrer Yacht „Knudel“ die Hansestadt Havelberg angesteuert. Die Hafenmeisterin begrüßte die Wasserwanderer mit einem Blumenstrauß, denn sie sind die Anleger, die bisher die weiteste Anreise hatten.

Obwohl diese auf dem Wasser erst in Berlin begann, denn: „Wir haben unser eigenes Boot in Berlin, dicht an der Havel, liegen. Damit wollten wir eigentlich nach Holland, wo es damals gebaut wurde. Weil aber die Elbe kaum Wasser hat, haben wir in Ketzin den ,Knudel‘ gechartert. Nach Lübeck, was unser zweites Wunschziel wäre, kommen wir damit zurzeit jedoch auch nicht“, erklärt Jürgen Esser, weshalb beide in Havelberg ankamen.

Warum er ein so perfektes Deutsch spricht? „Ich wurde in der Nähe von Köln geboren und bin 1965 nach Südafrika ausgewandert. Damals waren es viele Auswanderer, denn in Deutschland gab es zwar viel Arbeit, aber wenig Lohn dafür. In Südafrika habe ich das Dreifache verdient“, blickt er zurück. Später wechselte Jürgen Esser wieder zurück in eine deutsche Firma, bei er aber auch 25 Jahre lang im Ausland arbeitete und dann Kapstadt zu seinem festen Wohnsitz machte. „Wir sind nicht von Deutschland abgeschnitten, denn in Kapstadt leben etwa 8000 Deutsche und wir haben natürlich auch deutsches Fernsehen, um immer auf dem laufenden zu sein“, erzählt Jürgen Esser.

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Vor drei Jahren hatte das Ehepaar beschlossen, sich Deutschland wieder etwas näher anzuschauen und dabei besonders die ehemalige DDR ins Auge gefasst. Für drei Monate erkunden die Wasserwanderer im Sommer zum Beispiel die Mecklenburger Seenplatte und die Havelregion. „Die Landschaft ist hier einmalig und sehr schön. Wir sind beeindruckt von den Menschen und der herrlichen Natur, die jetzt zwar bei der Hitze etwas leidet, aber trotzdem sehenswert ist. Das trifft auch für die Kleinstadt Havelberg zu, in der wir nur einen Tag bleiben wollten. Wir haben unseren Aufenthalt aber verlängert, denn der Dom, die Altstadt mit der Kirche, das Haus der Flüsse, die Elbfähre und einiges mehr, wollen wir in Ruhe besichtigen“, schwärmt der Senior und seine Ehefrau Samia stimmt dem bei. Im kommenden Jahr wollen Essers, auf dem Weg nach Holland, wieder in Havelberg einen Zwischenstopp einlegen.