Sandau l Wasser ist sein Element. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis Maik Herrmann auch beruflich wieder damit zu tun hat. Auf der Fähre Sandau „heuerte“ er 2018 an und ließ sich zum Fährmann ausbilden. Am 15. Januar 2019 bestand er seine Prüfung und darf sich nun Fährführer nennen. Noch weist ihn das vorläufige Patent als solchen aus. Doch bald wird er seinen richtigen Fährführerschein in den Händen halten.

„Mit der Schifffahrt hatte ich schon immer irgendwie zu tun. Mein Vater arbeitete in der Fischerei und hatte ein eigenes Boot. Ich bin direkt an der Havel groß geworden, in der Weinbergstraße in Havelberg, direkt gegenüber der Werft“, erzählt der 45-Jährige. 2001 machte er seinen Sportbootführerschein. Als Soldat war er 1994/95 bei der Marine und ist auf dem Zerstörer Lütjens als Obermaat, der mit für die Materialbewirtschaftung zuständig war, auf der Ost- und Nordsee sowie im Nordatlantik bis nach England und Schottland unterwegs gewesen. Aus familiären Gründen ging er vom Schiff, auf dem 330 Leute tätig waren. Seine Mütze, die er als Fährmann in Sandau bei der jetzt kalten Witterung trägt, erinnert noch an die Zeit auf der Lütjens.

20 Jahre ist Maik Herrmann Lkw gefahren. Für eine Großbäckerei lieferte er die Backwaren aus. Wenn für manch andere die Nacht erst beginnt, stand er um Mitternacht auf und trat seinen Dienst an. Bis Ostersonnabend 2018. Das war sein letzter Arbeitstag auf dem Lkw. Dienstag nach Ostern war Start auf der Sandauer Fähre. „Das war schon meine dritte Bewerbung, dieses Mal hatte es geklappt und ich konnte hier meine Ausbildung beginnen“, erzählt er. 180 Tage musste er auf der Fähre mit den Kollegen mitfahren, bevor er zur theoretischen und praktischen Prüfung antreten durfte. Von den Fährmännern Rainer Luksch, Peter Zimmermann, Dirk Jonas und Roland König erfuhr er in dieser Zeit alles, was für den neuen Beruf wichtig ist.

Lieber einmal öfter gucken

Und er paukte jede Menge Theorie, um im November zunächst die Prüfung zum Binnenschifffahrtsfunk und im Januar die zum Fährführer vor Vertretern der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt sowie des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes zu bestehen. Nach dem Pferdemarkt hatte er die intensive Vorbereitung begonnen, zog sich täglich zwei Stunden auf der Fähre ins obere Führerhaus zurück, um zu lernen. Zu Hause ging es weiter. Kein Wunder also, dass er die 180 Fragen meisterte und auch in der Praxis keine Probleme zeigte.

Mit dem Fährführerschein in der Tasche, der ihn zum alleinigen Führen der Gierseilfähre berechtigt, kam das Hochwasser der Elbe und die Fähre musste auf Motorbetrieb umstellen. „Und gleich war ich wieder Lehrling“, berichtet der Sandauer. Denn Hochwasser gab es in dem dreiviertel Jahr seiner Lehrzeit gar nicht. Das Gegenteil war der Fall. Der Extremsommer führte zu Niedrigwasser, weshalb bald auch kein Schiff mehr auf der Elbe unterwegs sein konnte. „Ich lande zwar noch nicht so perfekt an wie meine Kollegen, aber ich komme an.“ Den Radarlehrgang muss er noch absolvieren.

Das Wasser, die Natur und den Umgang mit den Menschen schätzt er an seinem neuen Beruf. Der Schichtbetrieb stört den Fährmann, der seit 2001 mit seiner Familie in Sandau zu Hause ist, nicht. Er hat nur den Wunsch, dass der Dienstplan seine Aktivitäten im Sandauer Carnevals Club, wo er im Männerballett tanzt, berücksichtigt. Was das wichtigste ist, was seine Kollegen ihm mit auf den Weg gegeben haben? „Extreme Vorsicht bei Sportbooten. Deren Fahrer haben zwar alle einen Bootsführerschein, denken aber, sie sind allein auf dem Wasser. Und: Lieber einmal öfter gucken oder bei Schifffahrt warten, auf jeden Fall auf Nummer sicher gehen.“