Havelberg l Der erste Blumenstrauß im Jahr 2018 geht an Hannelore Feuerböther. Fast wäre es schief gegangen mit der Überraschung. Montags bis donnerstags kommt Hannelore Feuerböther zur 6. Stunde in die Havelberger Grundschule „Am Eichenwald“, um Kinder zu fördern. Am Dienstag war das Kind aber krank und die Havelbergerin hatte das gehört, obwohl Schulleiter Lothar Riemann doch noch mit einem Trick versucht hatte, dass sie dennoch in die Schule kommt. Schließlich wollte er sie gemeinsam mit der Volksstimme mit dem „Blumenstrauß des Monats“ April überraschen. Zum Glück erreichte er die Frau, die viel unterwegs ist, am Telefon zu Hause und bat sie, dennoch in die Schule zu kommen. Er müsse noch was mit ihr besprechen.

Überraschung auf dem Tisch

Hannelore Feuerböther sagte dem Handwerker ab und kam in die Schule geeilt. Als sie den großen Blumenstrauß auf dem Tisch liegen sah, war ihr alles klar, hatte sie doch selbst vor einigen Jahren schon mal mit kleinen Tricksereien die langjährige Vorsitzende der Volkssolidarität in Nitzow Ingrid Schaper mit dem „Blumenstrauß des Monats“ überrascht.

Mit in der Jury

„Ich dachte, Sie wollten mit mir über den Lesewettbewerb sprechen, ob ich in der Jury mitarbeiten möchte“, hatte sie sich ihre Gedanken zu dem Anruf gemacht. Und den Schulleiter gleich noch auf eine Idee gebracht. Als Jury-Vorsitzender fände er es gut, die einstige Deutsch- und Geschichtslehrerin an seiner Seite zu wissen. Und das tat sie am Donnerstag dann auch.

Geehrte bot ihre Hilfe an

Zu Beginn des neuen Schuljahres 2017/18 hatte die 78-Jährige Lothar Riemann gefragt, ob die Schule möglicherweise Hilfe benötigt. „Ich habe diese Frage an die Kollegen per Aushang weitergeleitet. Der hing noch nicht lange, da meldete mit Frau Köppe die erste Kollegin ihr Interesse an“, denkt er zurück. Die Eltern wurden gefragt, ob sie diese Zusatzförderung befürworten und schon ging es mit einem Mädchen und einem Jungen los. Inzwischen gibt sie viermal die Woche Förderunterricht für Zweit- und Drittklässler in Deutsch und Mathematik. Schnell wurden erste Erfolge verbucht und der Junge braucht inzwischen keinen Förderunterricht mehr. Er kann die Malfolgen jetzt. Hannelore Feuerböther erzählt, dass sie den Kindern scherzhaft gesagt hat, dass sie um Mitternacht bei ihnen vorbeikommt und dann fragt, wie viel sieben mal sieben ist. „Irgendwann sagte der Junge dann: Frau Feuerböther, Sie können mich Mitternacht wecken.“

Erfolge bereiten Freude

Das sind die Erfolge, die ihr große Freude bereiten. Auch, wenn sich bei einer Arbeit die Fehlerzahl reduziert hat oder eine Zensur besser als bisher herauskommt, freut sie sich. Die Kinder haben Spaß am Förderunterricht, machen Fortschritte, sind zuversichtlich beim Lösen der Aufgaben, wissen die Lehrerinnen Karin Köppe, Annette Riemann, Kerstin Schache und Anke Dorsch diese zusätzliche Hilfe sehr zu schätzen. „Bei Frau Feuerböther steht nie die Frage, ob sie kommt oder vielleicht einen anderen Termin hat, selbst in der Grippephase war sie immer da“, würdigt Lothar Riemann ihre Verlässlichkeit. „Und dann lädt sie die Kinder sogar noch zum Eisessen ein.“

Ein Opa wird noch gesucht

Der Schulleiter ist ganz begeistert von diesem freiwilligen Angebot, um das er seit längerem vergeblich etwa von Opas für die Fahrradwerkstatt gebeten hat. „Das ist beispielhaft, was Sie hier leisten“, nennt er den Grund, weshalb er Hannelore Feuerböther schon vor einigen Monaten für die Ehrung mit dem Volksstimme-Blumenstrauß vorgeschlagen hat. Die Geehrte möchte gar nicht so viel Dank. „Ich habe Zeit und mache das gern.“ Sie erzählt, dass sie das große Grundstück in Nitzow nicht mehr hat und nach Havelberg gezogen ist. Deshalb hat sie auch die Proben für die Theaterstücke der Nitzower Kinder an Katrin Westphal weitergegeben. Fast 20 Jahre hat sie damit den Senioren des Haveldorfes zu Weihnachten stets eine Freude gemacht. Die Proben begannen immer im August.

Lehrerin war Traumberuf

In Ostpreußen geboren, gelangte die Familie von Hannelore Feuerböther nach drei Jahren Flucht 1947 in ein Dorf im Bereich Genthin. „Meine Eltern haben dann in Havelberg den Ratskeller übernommen, so kamen wir hierher.“ Lehrerin war ihr Traumberuf. Und dass sich nach dem Studium der Wunsch erfüllte, in Havelberg tätig sein zu dürfen, freute sie sehr. Bis zum Ruhestand arbeitete sie an der damaligen Friedrich-Wolf-Oberschule auf der Stadtinsel. „Wir waren ein gutes Kollegium und treffen uns noch heute einmal im Monat im Alstadt-Café.“ In der BBA hat sie als Ruheständlerin noch einige Jahre Förderunterricht für Fünft- bis Zehntklässler gegeben. Und Nitzower Kinder profitierten sowieso von ihrem Lehrerdasein. So manche Episode kann sie erzählen. Ein Beispiel: Ein Schüler hatte Schwierigkeiten, die Vorsilbe ver mit V zu schreiben. Als sie ihn bat, solche Wörter zu nennen, fiel ihm Ferkel ein.

Weitere Helfer sind willkommen

Von solchen freiwilligen Helfern könnte Lothar Riemann gern noch mehr gebrauchen, für den zusätzlichen Förderunterricht und zum Beispiel für eine Fahrradwerkstatt. Wer Interesse hat, kann sich bei ihm melden.